14. September 2020 / 13:48 Uhr

Wolfsburg-Kämpfer Camacho gibt Karriereende bekannt: "Mein Fuß hat Basta gesagt"

Wolfsburg-Kämpfer Camacho gibt Karriereende bekannt: "Mein Fuß hat Basta gesagt"

Engelbert Hensel, Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Muss seine Karriere beenden: VfL-Abräumer Ignacio Camacho.
Muss seine Karriere beenden: VfL-Abräumer Ignacio Camacho. © Boris Baschin
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Das kommt nicht unerwartet, ist aber dennoch extrem bitter: Ignacio Camacho von Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg muss wegen einigen zum Teil hartnäckigen Verletzungen seine Karriere beenden. 

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"Danke, Fußball!" Ignacio Camacho hat am Montagmittag sein Karriereende bekannt gegeben. Der Mittelfeldspieler des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg macht nach fünf Operationen Schluss. Knöchel, Adduktoren, Sprunggelenk: Seit fast zwei Jahren hat Camacho kein Pflichtspiel mehr für den VfL absolviert. Nun steht fest, es wird auch kein weiteres dazukommen. In einer emotionalen Rede erklärte er seinen Schritt nun. Aber der Spanier wird den Klub nicht verlassen, sondern wird nun ein zweijähriges Trainee-Programm bei den Wolfsburgern absolvieren - um zu schauen, in welchem Bereich er später beim Klub einsteigen könnte.

Eine Karriere in Bildern: Das ist Ignacio Camacho.

Mit der U17- und U21-Nationalmannschaft von Spanien wurde Camacho Europameister. Hier versucht er sich 2007 gegen Toni Kroos durchzusetzen. Zur Galerie
Mit der U17- und U21-Nationalmannschaft von Spanien wurde Camacho Europameister. Hier versucht er sich 2007 gegen Toni Kroos durchzusetzen. ©

Samt Familie war Camacho gekommen, um sein Aus als Profisportler zu verkünden. "Mein Fuß hat Basta gesagt. Nach einiger Zeit des Nachdenkens und vielen Besprechungen mit den Ärzten und dem Verein ist es an der Zeit, mich davon zu verabschieden, was Jahre lang mein Beruf war", so Camacho in seinem Statement. Wie nah ihm das ging, war öfter zu merken. Der einst so eisenharte Abräumer drückte die eine oder andere Träne weg, ab und an war es so emotional, dass Camacho kurz mal Luft holen musste, bevor er dann trotzdem weitermachte. Er habe den Brief, den er vorlas, mit großer Trauer, aber auch mit großem Stolz geschrieben. Seit der Verletzung im Pokal in Hannover im Oktober 2017 sei er fünfmal operiert worden. "Ich war monatelang in der Reha, habe unzählige Ärzte besucht, Rückfälle erlebt. Ich habe nonstop gekämpft, um wieder auf den Platz zurückzukommen."

Statement Karriereende Ignacio Camacho

Doch es reichte nicht. Im Mai dieses Jahres, als er noch mal einen Comeback-Versuch gestartet hatte, hatte er im Training bei einer Aktion erhebliche Schmerzen gespürt. Kurze Zeit später war klar: Es reicht nicht mehr, er muss sich von seiner großen Liebe, dem Fußball, verabschieden. Es waren Sätze, die auch den so erfahrenen und abgezockten Jörg Schmadtke nicht kalt ließen. Der VfL-Manager saß neben Camacho auf dem Podium im Presseraum der VW-Arena - und meinte: "Dieses Statement zeigt, dass Fußball doch mehr ist als nur Geld verdienen."

Der Manager schaute in Richtung des 30-Jährigen und fügte hinzu: "Ich danke dir für deinen großen Einsatz, nicht nur für den auf dem Platz, sondern auch für den in deiner Reha, den du da an den Tag gelegt hast. Das sagt schon ein bisschen aus über deine Kämpfer-Qualitäten." Nichtsdestotrotz habe man am Ende erkennen müssen, dass die Problematik, ihn auf den Platz zurückführen zu können, zu groß war. "Wir haben den Vertrag aufgelöst - zu Bedingungen, die für alle Beteiligten fair waren", so der VfL-Manager, der dann erklärte, dass es für Camacho beim VfL weitergehe. Trainer, Manager, Scout - Camacho werde nun einzelne Abteilungen des Klubs durchlaufen, um für sich festzustellen, in welche Richtung es später für ihn gehen könnte.

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Im Juli 2017 war der Aggressiv-Leader für 15 Millionen Euro aus Malaga gekommen. Seitdem absolvierte er gerade mal 21 Pflichtspiele für den VfL. Eine Adduktorenverletzung setzte ihn lange außer Gefecht, zudem hatte er Probleme mit einer Sehne am Fuß. In der Spielzeit 2018/19 hatte Camacho nur die ersten sechs Partien absolvieren können, der Frust war groß. Im Sommer 2019 dann nach 238 Verletzungstagen die hoffnungsvolle Rückkehr ins VfL-Training, beim Testspiel-Start gegen Hansa Rostock war er dabei, dann reagierte sein lädiertes Sprunggelenk erneut.

Trainer Oliver Glasner hatte den Spanier vor einem Jahr als Option für das Abwehrzentrum gesehen – wenn Camachos bereits mehrfach operiertes Sprunggelenk denn mitgespielt hätte. Das machte es nicht. Wieder einmal nicht. Stattdessen kämpfte Wolfsburgs Nummer 4 in Absprache mit den VfL-Ärzten in seiner Heimat um sein Comeback - doch es reichte nicht.