20. Oktober 2021 / 17:27 Uhr

VfL-Kapitänin Popp über Wolfsburgs Situation: "Nicht einfach für mich, da nur zugucken zu dürfen"

VfL-Kapitänin Popp über Wolfsburgs Situation: "Nicht einfach für mich, da nur zugucken zu dürfen"

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wird in diesem Jahr nicht mehr auf den Fußball-Platz zurückkehren: VfL-Kapitänin Alexandra Popp.
Wird in diesem Jahr nicht mehr auf den Fußball-Platz zurückkehren: VfL-Kapitänin Alexandra Popp. © Roland Hermstein
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Eigentlich eine klare Sache: Der VfL Wolfsburg und der FC Bayern München marschieren in der Frauenfußball-Bundesliga voran. Doch in dieser Saison sieht das anders aus. VfL-Kapitänin Alexandra Popp über die Gründe.

Anfang Juli verkündete Alexandra Popp vom Frauenfußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg, dass sie nach einer Knie-OP in diesem Jahr nicht mehr auf dem Platz stehen wird. Ihr letztes Spiel für den Vizemeister absolvierte sie im Mai, an der Mannschaft ist die Kapitänin trotzdem weiter nah dran. Der VfL befindet sich im Umbruch, die einstige Dominanz bekommt der Pokalsieger dadurch nur noch unregelmäßig auf den Platz - am vergangenen Sonntag gab es am sechsten Spieltag die erste Saison-Niederlage bei 1899 Hoffenheim. "Für mich als Spielerin ist es nicht einfach, da nur zugucken zu dürfen", so Popp, die über die sportliche Situation aber sagt: "Man muss die Grundsituation betrachten. Die Phasen, die wir durchmachen, sind normal."

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Seit dem Triple-Gewinn 2013 gewannen die Wolfsburgerinnen in jedem Jahr mindestens einen Titel, von den insgesamt 27 seitdem möglichen Trophäen in Liga, Pokal und Champions League holte der VfL satte 16. Unter den Fans sind die Meinungen aber derzeit gespalten. Während einige Geduld fordern, fürchten andere eine schlechte sportliche Perspektive des VfL. "Die Fans haben natürlich die Titelgewinne der letzten Jahre im Kopf", sagt die Nationalspielerin. Man könne von den neuen Spielerinnen aber noch nicht erwarten, die nötige Konstanz auf den Platz zu bringen. Und das habe, so Popp, auch vielerlei Gründe: "Es sind viele wichtige Spielerinnen gegangen, darunter auch Leistungsträgerinnen. Jetzt sind mit Ewa Pajor und mir zwei weitere verletzt. Andere Spielerinnen müssen sich in ihren neuen Rollen vielleicht auch erst noch finden."

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Die größte Veränderung gebe es jedoch spielerisch. Taktisch wurde die Mannschaft von Trainer Tommy Stroot neu eingestellt. "Als Stephan Lerch damals von Ralf Kellermann übernommen hatte, gab es keinen Cut. Wir haben komplett so weitergespielt wie zuvor und waren eine eingespielte Truppe. Für Stephan war es in dem Fall einfacher", so Popp. Und da Lerch zuvor Co-Trainer bei den Profis war, kannte er das Team bereits gut. Was jetzt wichtig ist? Popp: "Viele Automatismen, die da waren, sind es jetzt nicht mehr. Wir sind dabei, den richtigen Weg zu finden, damit alle Zahnräder innerhalb der Mannschaft und mit dem Trainerteam ineinandergreifen. Irgendwann wird es wieder konstanter laufen." Fakt sei, "dass wir große Qualität haben und die Spielerinnen das auch auf den Platz bringen müssen. Es ist aber nicht immer so einfach, wie man sich das vorstellt. Man hat auch viel mit sich zu kämpfen."

Durch die neue Gruppenphase in der Champions League starteten die Wolfsburgerinnen direkt mit englischen Wochen in die neue Saison. "Es gibt einige, die das so auch noch nicht kennen. Das sind Belastungen, die man steuern muss", erläutert Popp, die durch ihren Trainer-Lehrgang mittlerweile gut einschätzen kann, "dass es auch für einen Trainer in so einer Situation nicht einfach ist". Zudem wurde die Leistungsdichte in der Bundesliga enger. Nach sechs Spieltagen trennen den Tabellenführer und den Tabellenvierten gerade einmal drei Punkte. Dass nicht nur Bayern und Wolfsburg die Liga dominieren, "ist schön zu sehen. Es spricht für die Liga, dass da etwas passiert und bei den Vereinen etwas getan wird."

"Lachendes und weinendes Auge dabei"

Wann Popp selbst wieder auf dem Platz stehen kann, lässt sich noch nicht sagen. "Es ist immer schwer und auch für einen persönlich schade, dass man gerade in so einer Umbruch-Situation nicht mithelfen und gefühlt nicht Teil des Prozesses sein kann", bedauert Popp. "Ich habe vor eineinhalb Wochen mit dem Laufen angefangen, um wieder in den Rhythmus zu kommen. Anfangs war ich extrem in Schonstellung und musste das Laufen eher neu lernen." Die 30-Jährige sei mit der Reha voll im Plan, "ich konzentriere mich nur darauf. Auch wenn ein lachendes und weinendes Auge dabei ist."