20. Februar 2017 / 22:27 Uhr

VfL-Krise: Jetzt gibt‘s Klartext vom Kapitän

VfL-Krise: Jetzt gibt‘s Klartext vom Kapitän

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Klartext: VfL-Kapitän Diego Benaglio.
Klartext: VfL-Kapitän Diego Benaglio. © Imago
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Meister-Held, Pokal-Held, Kapitän und Führungsfigur, Rekordspieler - Diego Benaglio verkörpert den VfL wie kaum ein anderer Spieler des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten. Nach dem schlimmen Auftritt beim 0:3 am Samstag bei Borussia Dortmund und vor dem Keller-Knaller am Freitag gegen Bremen war es höchste Zeit für Klartext. Und den gab‘s am Montag von Benaglio.

Als man in der zweiten Halbzeit in Dortmund verstärkt den Eindruck haben musste, dass sich die hochbezahlten Profis gehen lassen, da konnte sich auch der sonst so besonnene Benaglio nicht mehr zurückhalten. Er brüllte, er schimpfte, er hatte einen verdammt dicken Hals. „Ich kann eben nicht verlieren. Ich bin schon ausgerastet, wenn mich meine Oma bei Mensch-ärgere-Dich-nicht abgezockt hat“, schildert der Publikumsliebling schmunzelnd. Er wolle mit derlei Emotionsausbrüchen keinen persönlich angreifen, sondern wolle wachrütteln. Benaglio fordert: „Es verlangt keiner, dass du Wochenende für Wochenende gut spielst, aber jeder muss in dieser Situation alles abrufen, um die Spiele zu gewinnen.“

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Weiß denn jeder seiner Kollegen, wie gefährlich die VfL-Situation wirklich ist? Häufig musste man in dieser Saison den Eindruck haben, dass das nicht so ist. Benaglio: „Es liegt an uns, das zu beweisen. Wenn ich den Eindruck haben sollte, jemand noch mal für unsere Situation sensibilisieren zu müssen, mache ich das.“ Gleichwohl fügt er treffend hinzu: „Wenn jemandem jetzt nicht klar ist, worum es geht, dann kann ich ihm auch nicht mehr helfen.“

Die Spiele gegen Bremen und eine Woche später in Mainz könnten zu richtungweisenden Partien auf dem Weg zum Klassenerhalt für Wolfsburg werden. „Das Spiel gegen Bremen muss gewonnen werden, andererseits dürfen wir nicht den Fehler machen, uns zu sehr in Panik zu versetzen, wenn das nicht hinhaut“, sagt Benaglio und kommt auf das Wiedersehen mit seinem Ex-Kollegen Max Kruse zu sprechen. Der ehemalige Problem-Profi der Wolfsburger ist ganz heiß auf seine Rückkehr. Benaglio: „Ich gehe davon aus, dass Max hochmotiviert sein wird am Freitag, er wird es allen zeigen wollen. Aber Bremen ist ja nicht nur Kruse, Werder hat auch noch andere Spieler mit Qualität in seinen Reihen.“ Und Werder kommt mit einem Sieg im Gepäck. „Sie haben jetzt mehr Selbstvertrauen als noch vor ein, zwei Wochen“, ahnt Wolfsburs großer Rückhalt.

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Unter Trainer Valérien Ismaël war er wieder zur Nummer 1 aufgestiegen. Jetzt ist Ismaël mal wieder in die Kritik geraten. Benaglio findet „die Diskussion unnötig, es ist nicht richtig, den Trainer infrage zu stellen“. Und weiter: „Wir sind von seiner Art und Weise überzeugt, wir können mithelfen, das positiv zu beeinflussen, indem wir seine Philosophie auf den Platz kriegen. Dann werden diese Stimmen schnell wieder verstummen.“