10. Februar 2020 / 18:31 Uhr

VfL-Manager Schmadtke: „Es geht um die Tendenz der letzten Wochen“

VfL-Manager Schmadtke: „Es geht um die Tendenz der letzten Wochen“

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Jörg Schmadtke im Interview.
Jörg Schmadtke im Interview. © Boris Baschin
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Fehlstart ins neue Jahr, Europa momentan weit weg, keine Konstanz in den Leistungen – bei Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg läuft einiges schief. Der Sportbuzzer sprach mit VfL-Manager Jörg Schmadtke über die Krise, über den Teamabend in Berlin, den Trainer und Neuzugang Marin Pongracic, der beim 1:1 gegen Düsseldorf vom Platz flog.

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Herr Schmadtke, haben Sie gerade die schwerste Phase ihrer VfL-Amtszeit zu meistern?
Ja, es ist zumindest die Phase, die am meisten Aufmerksamkeit bedarf.

Viele Fans haben nach der schwachen ersten Halbzeit gegen Düsseldorf das eigene Team ausgepfiffen – haben Sie Verständnis für den Unmut der Anhänger?
Klar. Keinem hat gefallen, was wir da in der ersten Halbzeit gegen Düsseldorf gespielt haben, darüber müssen wir uns nicht unterhalten. Das verstehe ich total.

Der Fan-Frust hängt mit dem schlechten Rückrunden-Start zusammen. Warum hat der VfL aus den ersten vier Spielen gegen vier Teams aus der unteren Tabellenregion nur vier Punkte geholt?
Weil es uns nicht gelungen ist, unsere Spielidee durchzubringen. Wir haben in Köln gut angefangen und haben dann aus unerklärlichen Gründen völlig den Faden verloren, haben den Gegner ins Spiel kommen lassen und haben verloren. Gegen die Hertha haben wir dann ein sehr überschaubares Heimspiel hingelegt, haben aus dem Nichts heraus ein Tor gemacht...

"Es sieht ein wenig danach aus, als ob wir es uns zu gemütlich angerichtet haben"

..was aber nicht für Sicherheit im VfL-Spiel gesorgt hat...
...nein, am Ende haben wir nach zwei vermeidbaren Aktionen zwei Gegentore kassiert und wieder verloren. In Paderborn haben wir ein Spiel gewonnen gegen zehn Mann, das man gewinnen muss. Und gegen Düsseldorf haben wir zumindest in der zweiten Halbzeit, als das Wasser schon bedrohlich gestiegen war und wir zu ertrinken drohten, angefangen zu paddeln und haben noch einen Punkt geholt.

Dabei ist die Mannschaft in den letzten drei Spielen vor der Winterpause anders aufgetreten, sie war gierig. Was ist also in der Winterpause falsch gelaufen?
Es sieht ein wenig danach aus, als ob wir es uns zu gemütlich angerichtet haben. Ich habe nicht ohne Grund im Trainingslager darauf hingewiesen, dass 28 Punkte in der Rückrunde nicht für Europa reichen werden, sondern dass wir in der Rückrunde ein richtiges Brett hinlegen müssen, um erneut international spielen zu können. Ich habe das gesagt, damit sich eben keiner ausruht, sondern weiß, was es bedeutet, was wir vorhaben. Aber das scheint nicht angekommen zu sein.

Und dann reden wir über die Mentalität der Spieler?
Das wäre zu billig. Die Mannschaft hat sich in Unterzahl in Frankfurt und jetzt gegen Düsseldorf gewehrt, das spricht eher für die Mentalität.

VfL Wolfsburg - Fortuna Düsseldorf 1:1

Szenen aus dem Spiel zwischen dem VfL Wolfsburg und Fortuna Düsseldorf (1:1). Zur Galerie
Szenen aus dem Spiel zwischen dem VfL Wolfsburg und Fortuna Düsseldorf (1:1). © Boris Baschin

Aber was ist es dann?
Diese Frage möchte ich jetzt nicht beantworten.

Warum hat der VfL es in dieser Saison nicht geschafft, eine fußballerische Identität zu entwickeln, die für kontinuierlichen Erfolg steht?
Das ist schwer zu sagen, unser Saisonverlauf ist sehr ungewöhnlich. Normalerweise hast du, wenn du im Sommer Veränderungen vornimmst, zu Beginn Schwierigkeiten und entwickelst dich dann Stück für Stück. Bei uns jedoch ging es relativ gut los und dann sind wir irgendwann unterwegs weggebrochen.

Inwieweit hängt das auch mit Trainer Oliver Glasner zusammen, der in die Kritik geraten ist?
Es gibt bei uns keine Trainerdiskussion. Wir müssen gemeinschaftlich versuchen, dieser Mannschaft eine Identität, ein Profil und Performance-Möglichkeiten zu geben, damit sie wieder Spiele gewinnen kann.

"Das dann in den sozialen Kanälen zu posten, ist nicht besonders clever"

Auch wenn der Termin für den Teamabend am Samstag in Berlin schon länger feststand. War es klug, sich nach solch einem Spiel abends in Berlin zu treffen – und das auch noch in sozialen Netzwerken zu teilen?
Das kam aus der Mannschaft heraus. Grundsätzlich finde ich so etwas gut. Aber aus meiner Sicht – nur ich bin jetzt 55 Jahre alt – das dann in den sozialen Kanälen zu posten, ist nicht besonders clever. Andererseits: Das ist natürlich die Zeit, in der wir heutzutage leben, das kann man blöd oder gut finden, aber das sind die Begleiterscheinungen, mit denen wir umgehen müssen.

Marin Pongracic hat gegen Düsseldorf nach einer Tätlichkeit Rot gesehen. Wie gehen Sie mit ihm um, nachdem er ja schon vor einer Woche in Paderborn fast vom Platz geflogen wäre?
Ich habe ihm nach dem Paderborn-Spiel gesagt, dass er in kniffligen Szenen schlauer agieren muss. Dann bin ich aber auch damit durch und erwarte, dass er versteht, was gemeint ist.

Bei Pongracic greift nach seiner Roten Karte der Strafenkatalog – oder gibt es für ihn eine weitere Geldstrafe?
Nein, davon halte ich nicht viel. Er muss einfach verstehen, was es bedeutet, in der deutschen Bundesliga Profi zu sein.

12 Meilensteine aus 75 Jahren VfL Wolfsburg

Zum Durchklicken: 12 Meilensteine aus 75 Jahren VfL Wolfsburg Zur Galerie
Zum Durchklicken: 12 Meilensteine aus 75 Jahren VfL Wolfsburg ©

Glauben sie, er kriegt das hin, zumal er bei seinem Ex-Verein RB Salzburg gern mal als „Bad Boy“ bezeichnet worden war?
Ja, er kriegt das hin. Sonst hätten wir ihn auch nicht verpflichtet.

Welche Spieler müssen in dieser Situation jetzt neben Kapitän Josuha Guilavogui vorangehen?
Wir haben einen Mannschaftsrat, der jetzt gefragt ist. Grundsätzlich ist jetzt aber jeder Einzelne aufgerufen, sich noch mehr einzubringen.

Werden Sie in dieser Woche vor die Mannschaft treten und das einfordern?
Das kann ich noch nicht beantworten.

"Es ist noch nicht vorbei, wir haben noch 13 Spiele vor der Brust"

Jörg Schmadtke - Seine Karriere in Bildern:

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VfL Wolfsburg: Jörg Schmadtke - Karriere in Bildern ©
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Der VfL hatte lange Zeit die beste Abwehr der Liga, hat jetzt aber 13 Ligaspiele nicht mehr zu null gespielt.
Das stimmt, aber dann schauen Sie sich doch unsere Statistik der letzten 13 Spiele an... Was mich ein bisschen umtreibt ist, dass ich das Gefühl habe, dass einige glauben, wir haben nur drei Spiele schlecht gespielt. Das stimmt nicht. Es geht um die Tendenz der letzten Wochen. Wir haben an den vergangenen zwölf, 13 Spieltagen nicht mehr vernünftig gepunktet – und das ist nicht gut und muss sich schnell ändern.

Sonst wird’s schwer mit der erneuten Quali für Europa. Oder ist das Thema jetzt schon keines mehr?
Nein, wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Fans und dem Klub, bis zum letzten Moment das Maximale herauszuholen. Dass das Erreichen dieses Wettbewerbs nicht gerade leicht wird, wenn wir so weiterspielen, ist klar. Aber ich sage auch: Es ist noch nicht vorbei, wir haben noch 13 Spiele vor der Brust.