11. Juni 2021 / 17:35 Uhr

VfL Potsdam: "Schwarzer“ hofft auf den krönenden Abschluss

VfL Potsdam: "Schwarzer“ hofft auf den krönenden Abschluss

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Auf der Platte kennt Kreisläufer Christian Schwarz keine Freunde. Abseits der Sporthalle verbringt der 32-Jährige seine Freizeit am liebsten mit seinen vier Mädels: Ehefrau Mia und den Töchtern Mathilda, Frieda und Greta (v.l.).
Auf der Platte kennt Kreisläufer Christian Schwarz keine Freunde. Abseits der Sporthalle verbringt der 32-Jährige seine Freizeit am liebsten mit seinen vier Mädels: Ehefrau Mia und den Töchtern Mathilda, Frieda und Greta (v.l.). © Julius Frick, privat - SPORTBUZZER-Grafik
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Aufstiegsrunde zur 2. Handball-Bundesliga: Kreisläufer Christian Schwarz will mit dem VfL Potsdam Historisches schaffen – Die Adler greifen gegen Empor Rostock nach der Rückkehr in die 2. Bundesliga.

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Große Emotionen sind am Samstag gegen 16.45 Uhr in der MBS-Arena am Potsdamer Luftschiffhafen vorprogrammiert. Auf der einen Seite werden sich Jubelszenen abspielen, in enttäuschte Gesichter blickt man auf der anderen Seite. Im entscheidenden Duell um den Einzug in die 2. Handball-Bundesliga trifft der gastgebende VfL auf den HC Empor Rostock – das Hinspiel, die ersten 60 von 120 Minuten, gewann die Mannschaft von der Ostseeküste vor Wochenfrist mit 28:27 (13:16). „Wir hätten dort mit ein, zwei Toren gewinnen können, es gibt aber schlimmere Ausgangssituationen“, sagt Christian Schwarz.

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Für den 32-jährigen VfL-Kreisläufer ist die Partie im doppelten Sinne besonders: Das wohl wichtigste Spiel in sechs Jahr für Potsdam wird sein letztes im Trikot der Adler sein. Und: Jenes Match bestreitet er ausgerechnet gegen seinen Jugendverein, bei dem er das Handball-Abc erlernte und für den er insgesamt elf Jahre, am Ende sogar im Männerbereich, auf der Platte stand. „Aus dem aktuellen Rostocker Kader kenne ich nur Torhüter Robert Wetzel, mit dem ich in Altenholz zusammengespielt habe, persönlich. Aber klar, ich verbinde so einiges mit Empor“, betont „Schwarzer“, der in Rostock geboren wurde.

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2008 verließ der 1,96-Meter-Hüne seine Heimatstadt Richtung Stralsund, wo er beim HV sogar Bundesliga-Luft schnupperte. Nach Stationen beim TSV Altenholz (2009 bis 2013) und dem VfL Bad Schwartau (2013 bis 2015) begann in der märkischen Landeshauptstadt vor sechs Jahren ein neues Kapitel, das nicht nur sportliche Höhepunkte bereithielt. Vor etwa vier Jahren gab er seiner Mia das Ja-Wort, Töchterchen Mathilda hatte da bereits das Licht der Welt erblickt. Zu viert war man im Mai 2018 nach der Geburt von Greta, Frieda machte das Familienglück Ende 2020 perfekt.



Das Aufstiegsfinale im LIVETICKER

„Potsdam ist ein Stück Heimat geworden, meine Töchter sind hier geboren, wir haben hier geheiratet. Das sind Momente, die man nie vergisst und an die man sich immer gerne zurückerinnern wird“, sagt der Dreifach-Papa. Auch im Adlerhorst fühlte sich Christian Schwarz seit Tag eins willkommen, die Derbys gegen den Oranienburger HC oder das Kräftemessen mit den Füchsen Berlin seien prägend: „Da gab es einige Klassiker, da war die Halle voll.“ Als Sportler strebt aber auch der Mann mit der Trikotnummer sieben nach mehr, der Aufstieg in die Zweitklassigkeit wäre ein krönender Abschluss von sechs tollen Jahren: „Für die Stadt, die gesamte Region und vor allem für den Verein wäre das eine Riesensache.“

Schon in zwei Wochen steht der Umzug gen Norden auf dem Programm, mit Kind und Kegel zieht er nach Ahlbeck auf die Insel Usedom, wo er beim ortsansässigen Handballsportverein in der Oberliga auf Punktejagd gehen wird. Vorher soll mit dem VfL jedoch die Mission Zweitliga-Rückkehr – 2012 stieg der Verein in die 3. Liga ab – realisiert werden: „Wer träumt nicht davon, künftig kürzer zu treten, davor aber noch einen Aufstieg zu feiern?“ Der hauchdünne Rückstand nach dem ersten Teil der Finalrunde sei im Idealfall schnell aufgeholt, letztlich könnte ein Sieg mit einem Tor sogar genügen: „Im Handball ist das nicht viel. In der eigenen Halle und mit den Fans im Rücken können wir das packen.“ 500 Zuschauer darf der VfL Potsdam bei diesem Pilotprojekt begrüßen, auf die Unterstützung seines eigenen Fanclubs, bestehend aus Ehefrau Mia und den drei Mädels, kann Christian Schwarz ohnehin jederzeit zählen.

Das Aufstiegsfinale im LIVETICKER

Ob am Samstagnachmittag gejubelt oder getrauert wird – eines ist Fakt: „Schwarzer“ hat beim VfL Spuren hinterlassen. Aus den Augen verlieren wird er das Geschehen rund um die Adler sowie die Stadt aber sowieso nicht. „Mit vielen Weggefährten werde ich Kontakt halten. Außerdem ist die schöne Stadt Potsdam immer einen Besuch wert“, sagt Schwarz, der mit Nachdruck ergänzt: „Gerne in Verbindung mit einem Zweitliga-Spiel.“

Daniel Deutsch: „Die Anspannung regulieren“

Motivieren muss VfL-Trainer Daniel Deutsch seine Schützlinge vor dem Rückspiel nicht: „Eher die Anspannung regulieren, man darf nicht zu fest werden.“ Man habe sich noch einmal das Hinspiel angeschaut und an „Kleinigkeiten gearbeitet. Es lief davor und phasenweise im Hinspiel ja wirklich gut“, sagt Deutsch. Christian Schwarz würde er den Aufstieg zum Abschied gönnen: „Er ist ein grundehrlicher und froher Mensch, auf den man sich jederzeit verlassen kann.“