09. April 2021 / 18:51 Uhr

VfL-Potsdam-Torhüter Jan Jochens vor dem Duell in Hagen: Positive Psychologie

VfL-Potsdam-Torhüter Jan Jochens vor dem Duell in Hagen: Positive Psychologie

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Allerlei Endorphine will VfL-Torwart Jan Jochens heute nach seinen Paraden freisetzen.
Allerlei Endorphine will VfL-Torwart Jan Jochens heute nach seinen Paraden freisetzen. © Julius Frick
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Handball-Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga: Seit dem Wintersemester ist der 20-Jährige an der Fernuni Hagen eingeschrieben, am Samstag will der VfL-Torhüter an seinem Studienort mit Paraden glänzen.

Psychologie spielt im Leben von Jan Jochens eine große Rolle – vor allem in der Gegenwart doppelt sich jene Thematik beim Torhüter des Handball-Drittligisten VfL Potsdam. Am heimischen Schreibtisch befasst sich der 20-Jährige seit einem halben Jahr mit der empirischen Wissenschaft, auf der Platte muss sein Kopf stets eine Höchstleistung bringen. Auch am Samstagabend, wenn die Adler zum Auftakt der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga bei Eintracht Hagen (Nordrhein-Westfalen) zu Gast sind – erstmals nach 161 Tagen bestreiten die VfL-Handballer wieder ein Pflichtspiel. Und zum ersten Mal überhaupt reist Jan Jochens in die 200000 Einwohner große Stadt ins Ruhrgebiet. In den Ort, an dem er seit letztem Wintersemester an der Fernuniversität eingeschrieben ist.

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„Viel werde ich sicher nicht sehen, die Busfahrt durch Hagen bis zum Hotel aber genießen. Neben der sportlichen Komponente ist das ein netter Nebeneffekt, endlich mal etwas von der Stadt zu sehen, in der man studiert“, sagt Jochens. Nach dem absolvierten Abitur 2019 sammelte er beim Praktikum in der VfL-Geschäftsstelle erste Erfahrungen in der Berufswelt. Für die Psychologie konnte sich Jochens schon immer begeistern: „Das interessiert mich einfach, auch mit der Verbindung zum Sport.“ Das erste halbe Jahr des Teilzeit-Studiums – um den Handball weiter professionell ausüben zu können, wird der Bachelor auf zwölf Semester gestreckt – lief nach Plan: „Die Fernuni ist für die Situation, wie wir sie derzeit erfahren, gewappnet. Wo Tutoren von Präsenz-Unis Probleme haben, die Vorlesungen zu gestalten, sind die Dozenten in Hagen Profis. Für mich passt dieses Konzept, auch wenn viel Selbstdisziplin notwendig ist. Aber das kennt ja jeder Student.“

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Am Samstagabend, wenn in der Krollmann Arena um 19 Uhr der Anpfiff ertönt, kommt es einmal mehr auf die Psyche an, da ist sich Jan Jochens sicher. Gerade als Schlussmann sei es vor allem in der Crunchtime wichtig, abzuliefern: „Bei diesen wichtigen Spielen kannst du als Torwart mitentscheidend sein.“ Nach der langen Corona-Pause und dem folgerichtigen Abbruch der vier Drittliga-Staffeln gilt es nun, den Schalter umzulegen: „Wir müssen all das, was in den letzten Monaten los oder eben nicht los war, vergessen, müssen bereit sein und uns gegenseitig unterstützen. Hemmenden Druck dürfen wir als Mannschaft nicht an uns heranlassen“, sagt Jochens.

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Spielpraxis fehlt, fit halten konnten sich die Adler aber trotz der Unterbrechung. Jan Jochens war sogar bei drei Lehrgängen der deutschen U21-Nationalmannschaft. „Wir Torhüter wurden von Legenden wie Mattias Andersson oder Carsten Lichtlein trainiert, da konnte ich mir für mein Spiel aber auch als Mensch einige Tipps abholen“, berichtet Jochens, der sich gemeinsam mit Torwart-Kollege Fabian Pellegrini im Videostudium auf den kommenden Gegner vorbereitet hat: „Hagen hat einen wurfgewaltigen Rückraum, gutes Zusammenspiel am Kreis und souveräne Außen.“ Doch Jochens weiß auch um die eigenen Stärken: „Wir haben selbst viel Qualität und gehen mit breiter Brust in diese Aufstiegsrunde. Wir haben ein Ziel vor Augen und wollen den Frust der letzten Monate in Spaß umwandeln.“