02. Februar 2017 / 19:17 Uhr

VfL-Sportdirektor Rebbe: "Ich versuche, die Triebfeder zu sein"

VfL-Sportdirektor Rebbe: "Ich versuche, die Triebfeder zu sein"

Engelbert Hensel, Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
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Sprach im WAZ-Interview über die Transferperiode, seinen Ex-Chef Klaus Allofs und die Ziele für die Rückrunde: VfL-Sportdirektor Olaf Rebbe. © Boris Baschin
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Vom Tellerwäscher bis ins Management bei einem Fußball-Bundesligisten – so ähnlich wird der Werdegang von Olaf Rebbe gern von bundesweit erscheinenden Medien beschrieben. Rebbe selbst mag es nicht, weil er ungern im Mittelpunkt steht. Dabei stand er in dieser Winter-Transferperiode sehr häufig im Fokus, weil er den Kader des abgestürzten VfL Wolfsburg umgekrempelt hat. Erst am letzten Tag des Winter-Transferfensters hat der 38-Jährige VfL-Meisterheld Ashkan Dejagah verpflichtet. Es war der fünfte Neuzugang von Rebbe, der beim VfL vom Leiter Sport zum Sportdirektor aufgestiegen und nach der Trennung von Manager Klaus Allofs im Dezember 2016 jetzt für den sportlichen Bereich verantwortlich ist. Im Interview mit den WAZ-Sportredakteuren Engelbert Hensel und Marcel Westermann blickt Rebbe zurück, aber auch nach vorn.

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Fünf neue Spieler verpflichtet, sieben abgegeben – haben Sie in der gerade beendeten Transferperiode auch mal geschlafen?
Klar (grinst).

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Das dürfte im Schnitt aber nicht zu lange gewesen sein...
Ungefähr sechs Stunden im Schnitt.

Und wie oft hat in dieser Zeit Ihr Handy geklingelt?
Keine Ahnung, ich habe es in den Flugmodus versetzt, das mache ich immer so. Außer im Trainingslager. Da gab es viele Dinge zu erledigen, da ging es weit über Mitternacht hinaus. Es war jetzt aber nicht so, dass wir Transfers mitten in der Nacht abgewickelt haben.

Welcher Transfer war am schwersten zu realisieren?
Jeder Transfer hat seine Geschichte: Bei Victor Osimhen waren die Dinge schon lange klar, bei Riechedly Bazoer hatte sich ein Wechsel schon länger angebahnt, bei Paul-Georges Ntep war es schwierig mit dem abgebenden Verein, bei Yunus Malli wiederum haben alle Parteien an einem Strang gezogen, da ging es schnell.

Malli und Co. sind allesamt Transfers, für die Sie allein verantwortlich sind. Wie fühlt sich das an?
Ich bin da eher unaufgeregt, schließlich durfte ich das in großen Teilen ja auch schon unter Klaus Allofs beim VfL abwickeln. Was sich geändert hat, ist die Verantwortung bei diesen Transfers. Dafür muss ich geradestehen – das ist neu, aber das macht auch gleichzeitig den Reiz aus.

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Sind Sie ein Stück weit stolz auf den steilen Aufstieg, den Sie beim VfL genommen haben?
Nein, ich mache mir da keine großen Gedanken. Solche Transfers kann man auch nie allein realisieren. Da gehört in erster Linie die Geschäftsführung dazu, der Cheftrainer und das Trainerteam. Da gehören die Juristen dazu, da gehört unsere Scoutingabteilung dazu. Und natürlich sind die Geschäftsführung und ich in einem engen Austausch mit dem Aufsichtsrat. Klar, ich versuche, bei den Transfers die Triebfeder zu sein. Das heißt: Ich hole Informationen über den Spieler ein, leiste Überzeugungsarbeit, führe die Verhandlungen und versuche es zu Ende zu bringen. Aber mir ist es wichtig, dass auch alle bei uns von diesem Spieler überzeugt sind.

Mit wem stimmen Sie sich ab, wenn sich ein Transfer auf der Zielgeraden befindet?
Mit der Geschäftsführung und mit unserem Aufsichtsrat, hier in erster Linie mit dem Vorsitzenden Dr. Garcia Sanz.

Duzen Sie den AR-Chef?
Wir haben ein professionelles und offenes Verhältnis, wir sind regelmäßig im Austausch. Auch unter Klaus Allofs hatte ich einen offenen Austausch mit Dr. Garcia Sanz, aber so eng wie der Dialog jetzt ist, war er zuvor natürlich noch nicht.

Wie oft hat er Ihnen zu Transfers wie dem von Spielmacher Yunus Malli gratuliert?
Gar nicht, ich habe doch erst im Mai Geburtstag (grinst)...

War denn oft Überzeugungsarbeit beim Aufsichtsrat und der Geschäftsführung gefragt?
Wir haben einige Dinge kontrovers diskutiert. Auch der Trainer und ich. Doch allen war schnell klar, dass wir nach dem Abgang von Julian Draxler auf verschiedenen Positionen etwas machen müssen – unter anderem auf Linksaußen und auf der Zehner-Position, weil Daniel Didavi da noch nicht so weit war. Glücklicherweise ist er jetzt wieder dabei. Wichtig ist am Ende solcher Diskussionen immer, einen Konsens zu haben, um gemeinsam in eine Richtung gehen zu können.

Valérien Ismaël hat vor kurzem erzählt, dass es ihm bei der Verpflichtung der Neuzugänge nicht schnell genug gehen konnte...
Ja, das stimmt so (lacht). Ich habe irgendwann mal eine Sperrzeit für ihn eingeführt und ihm gesagt, dass ich nur noch alle drei Stunden Wasserstandsmeldungen abgebe. Aber jetzt mal ernsthaft: Natürlich war die Zeit zu Jahresbeginn spannend, zum einen brauchten wir neue Spieler und zum anderen wollten wir diese schon im Trainingslager dabei haben. Und Vale war in dieser Zeit öfter mal bei mir und hat gefragt, wie der Stand ist. Damit hatte ich aber kein Problem, weil der Trainer und ich ein gutes Verhältnis zueinander haben.

Trinken Sie zusammen auch mal französischen Rotwein?
Ich trinke eher weniger Alkohol. Zudem geht die Arbeit jetzt weiter, wir haben noch nichts erreicht.

Sie gönnen sich also keine Pause?
Doch, aber die Pause mache ich, wenn ich zum Beispiel mal um den Allersee laufe. Füße hochlegen und Urlaub machen ist jetzt nicht angesagt, zumal bei uns im vergangenen Jahr viel passiert ist. Wir hatten einen Trainer- und Manager-Wechsel, es gibt genügend Baustellen, auch im strukturellen Bereich, die wir uns jetzt anschauen müssen.

Wird VfL-Routinier Marcel Schäfer Ihr Assistent?
Wir gucken uns an, wie wir uns im administrativen Bereich aufstellen wollen, da gibt es eine Menge zu entwickeln. Marcel Schäfer hat noch einen Vertrag bis zum Saisonende, wir sind mit ihm in Gesprächen, wie es für ihn weitergeht. Ich denke, Marcel kann sehr wertvoll sein für den VfL – auch neben dem Platz. Der Austausch ist sehr belebend, man muss jetzt mal schauen, wie sich die Dinge entwickeln.

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Ihr ehemaliger Chef Klaus Allofs hat noch im Sommer unter anderem gesagt, dass der VfL mittelfristig in den internationalen Fußball zurückkehren und der Verein zu den besten vier Mannschaften in Deutschland gehören soll. Wofür soll der runderneuerte VfL stehen?
Ich glaube, dass wir das in der aktuellen Phase nicht im Detail beantworten können. Es geht darum, sich kurzfristig zu stabilisieren und langfristig wieder anzustreben, im oberen Tabellendrittel dabei zu sein. Die nächsten Monate werden Antworten bringen. Ich habe ein gutes Bauchgefühl, aber Spiele werden nicht am Schreibtisch gewonnen, es geht jetzt darum, dass sich die Mannschaft auf dem Platz belohnt.

Fühlen Sie sich eigentlich mitverantwortlich dafür, dass der VfL im vergangenen halben Jahr so enttäuscht hat?
Im Rahmen meiner alten Tätigkeit als Leiter Sport übernehme ich die Verantwortung für die Dinge, die damals in meinem Bereich lagen. Aber ich war nicht derjenige, der unmittelbar entschieden hat, sondern war eher der, der Dinge vorbereitet, der Informationen herangeholt hat, damit die Entscheidungsträger entscheiden können.

Hat sich Klaus Allofs zuletzt mal bei Ihnen gemeldet?
Ja, Klaus Allofs hat mich vor dem Spiel gegen den Hamburger SV angerufen und hat uns für die Rückrunde viel Glück gewünscht. Er hat mir danach auch noch mal eine SMS geschrieben. Wir werden uns in den nächsten Wochen sicher mal persönlich treffen.

Klingt jetzt nicht so, als ob er verärgert sei, dass Sie als sein ehemaliger Mitarbeiter in Sachen Transfers beim VfL nun das Sagen haben.
Ganz im Gegenteil, Klaus Allofs hat mir gesagt, dass ich diese Chance jetzt nutzen soll.

Sind Sie krisenerprobt?
Ja, weil ich schon ein paar Krisen miterlebt habe. Ich glaube, dass in jeder Veränderung auch eine neue Kraft liegt. Wir haben versucht, hier Dinge zu verändern, und diese Kraft spürt man auch noch.

Was muss passieren, damit man am Saisonende noch von einem guten Jahr für den VfL sprechen kann?
Ein gutes Jahr ist es dann, wenn wir schnell im gesicherten Mittelfeld sind, damit wir im Sommer gemeinsam mit unseren Fans 20 Jahre Bundesliga feiern können. Unsere Situation jetzt wirkt weiterhin instabil. Aber: Die Mannschaft geht sehr kritisch mit sich um, vielleicht hat der Dämpfer gegen Augsburg auch etwas Gutes.

Jetzt geht‘s gegen Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte – wird man jetzt erstmals sehen können, wie stabil der runderneuerte VfL ist?
Ich würde es nicht runderneuert nennen, sondern wir haben versucht, den Kader zu optimieren. Wir haben jetzt mit Köln in der Liga und den Bayern im Pokal schwere Aufgaben vor der Brust. Der VfL hat im Pokal in München noch nie gewonnen, diese Serie müsste eigentlich irgendwann mal reißen. Danach kommt Hoffenheim – das sind alles richtungweisende Spiele, in denen wir beweisen können, was wir uns vorgenommen haben.

Auf welche Spieler kommt es jetzt besonders an, damit es punktemäßig wieder bergauf geht?
Ich möchte keine einzelnen Namen hervorheben, jeder weiß, worum es geht und wird seinen Beitrag dazu leisten, damit es für den VfL wieder nach oben geht.

Sie haben zuletzt immer stark das Wir-Gefühl in den Mittelpunkt gestellt...
...weil Fußball eben ein Mannschaftssport ist, nur in der Gruppe sind wir stark. Das ist auch unsere Philosophie – und das versuchen wir auch auf diese Mannschaft zu übertragen.