22. Oktober 2019 / 16:06 Uhr

VfL-Sportdirektor Schäfer: "Mir fehlt in Wolfsburg manchmal eine vernünftige Einschätzung der Dinge"

VfL-Sportdirektor Schäfer: "Mir fehlt in Wolfsburg manchmal eine vernünftige Einschätzung der Dinge"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
DORTMUND, GERMANY - MARCH 30: SPoerting director Marcel Schaefer of Wolfsburg looks on prior to the Bundesliga match between Borussia Dortmund and VfL Wolfsburg at Signal Iduna Park on March 30, 2019 in Dortmund, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)
Steht mit dem VfL Wolfsburg auf Platz zwei: Sportdirektor Marcel Schäfer. © 2019 Getty Images
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Zusammen mit Geschäftsführer Jörg Schmadtke hat Sportdirektor Marcel Schäfer den VfL wieder auf Vordermann gebracht. Der Wolfsburger Fußball-Bundesligist ist nach zwei Fast-Abstiegen zurück in der Spitze der Liga, zurück in Europa. Vor dem Duell mit KAA Gent am Donnerstagabend (18.55 Uhr, live bei DAZN) spricht der Rekord-Feldspieler der Wolfsburger über Kritik am Saisonverlauf, die Ausrichtung des Klubs und Boss Schmadtke. Schäfer über...

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...die öffentliche Wahrnehmung der VfL-Saison bislang: „Vor zehn Tagen hatten - bis auf wenige Personen – alle noch Bauchschmerzen in Sachen Saisonverlauf. Ich glaube, wir liegen, was die Punkteausbeute angeht, total im Soll, wir wissen aber auch, dass wir das eine oder andere noch verbessern können. Aber ich fand vor dem Leipzig-Spiel die Haltung sehr negativ, zu negativ. Mir fehlt in Wolfsburg manchmal eine vernünftige Einschätzung der Dinge. Vor 17 Monaten lag der Verein sportlich am Boden und alle haben gesagt: Bitte, bitte lasst uns die nächsten vier bis fünf Jahre einfach nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Dann sind wir nach einem Jahr zurück in Europa und man meint, dass man einen Streifzug durch Europa macht, Olexandrija und St. Etienne aus dem Stadion schießt. Wir hatten nach sieben Spielen 15 Punkte auf dem Konto – und trotzdem war die Stimmung negativ, das Glas eher halbleer als halbvoll. Einige sollten mal über ihre Aussage vor 17 Monaten nachdenken. Ich denke da an alle – Medien, Fans, Umfeld.“

...die Duelle gegen die vermeintlich Kleinen der Liga: „Man hat in der kurzen Saison oft genug gesehen, dass vermeintliche kleine Gegner vermeintliche Favoriten ins Straucheln bringen können. In der Bundesliga sind die meisten Spiele extrem eng, Siege sind nie selbstverständlich. Wenn du so lange ungeschlagen bist wie wir es waren, das Leipzig-Spiel jetzt mal ausgeklammert, dann bin ich sehr dankbar dafür. Für uns sind Siege Lebensqualität, sie sind durch nichts zu ersetzen. Wenn wir zu Hause Olexandrija schlagen oder Union Berlin, dann darf man sich freuen. Denn gerade in der vergangenen Saison haben wir uns gegen Gegner aus der unteren Tabellenhälfte schwer getan. Jetzt haben wir es deutlich besser gemacht – dann ist das für mich ein Fortschritt.“

...die lange Verletztenliste und den Konkurrenzkampf im Kader: „Wir sind weit davon entfernt, herumzujammern, weil wir einen guten Kader haben. Aber man darf nicht vergessen, dass Koen Casteels, Admir Mehmedi, Xaver Schlager, John Brooks, Daniel Ginczek und Ignacio Camacho verletzt gefehlt haben oder noch verletzt fehlen. Sechs Spieler, die in der Startelf stehen könnten. Und trotzdem haben wir immer noch einen hohen Konkurrenzkampf im Kader. Jeffrey Bruma etwa hat schwere Monate hinter sich – und dann reinzukommen und so seinen Mann zu stehen, da kann man schon mal den Hut vor ziehen. Das hat er toll gemacht."

Marcel Schäfer: 10 Stationen auf dem Weg zum Titel mit dem VfL Wolfsburg

1 - Nach einem 1:2 bei Werder Bremen beendet der VfL die Hinrunde als Neunter. Schäfer: „Im Wintertrainingslager in Jerez de la Frontera setzte sich Felix Magath wie so oft mit dem Mannschaftsrat in einer Ecke des Hotel-Foyers zusammen. Er fragte uns: Was wollt ihr in dieser Saison erreichen? Als wir etwas zaghaft wurden und vom Blick Richtung Europa sprachen, wurde er deutlich: Er sei nicht nach Wolfsburg gekommen, um mit dem zufrieden zu sein, was da ist – sondern um Champions League zu spielen und Titel zu gewinnen! Er möchte Meister werden! Es war das erste Mal, dass er von der Meisterschaft sprach. Und wir haben uns angeschaut und fanden das ehrlich gesagt ziemlich ambitioniert, denn wir waren ja nur Neunter und alles sah nach einem Zweikampf zwischen Bayern und Hoffenheim aus. Aber dann gewannen wir in der Rückrunde Spiel um Spiel – und Magath hat uns grinsend regelmäßig an seine Worte aus dem Winter erinnert. Irgendwann haben wir dann geglaubt: Wir können es echt schaffen.“ Zur Galerie
1 - Nach einem 1:2 bei Werder Bremen beendet der VfL die Hinrunde als Neunter. Schäfer: „Im Wintertrainingslager in Jerez de la Frontera setzte sich Felix Magath wie so oft mit dem Mannschaftsrat in einer Ecke des Hotel-Foyers zusammen. Er fragte uns: Was wollt ihr in dieser Saison erreichen? Als wir etwas zaghaft wurden und vom Blick Richtung Europa sprachen, wurde er deutlich: Er sei nicht nach Wolfsburg gekommen, um mit dem zufrieden zu sein, was da ist – sondern um Champions League zu spielen und Titel zu gewinnen! Er möchte Meister werden! Es war das erste Mal, dass er von der Meisterschaft sprach. Und wir haben uns angeschaut und fanden das ehrlich gesagt ziemlich ambitioniert, denn wir waren ja nur Neunter und alles sah nach einem Zweikampf zwischen Bayern und Hoffenheim aus. Aber dann gewannen wir in der Rückrunde Spiel um Spiel – und Magath hat uns grinsend regelmäßig an seine Worte aus dem Winter erinnert. Irgendwann haben wir dann geglaubt: Wir können es echt schaffen.“ ©
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...die geringen Zuschauerzahlen bei Heimspielen: „Ich hätte gedacht, dass man die Leute eher wieder zurückholt, weil man sich in den letzten Monaten bisschen mehr Vertrauen erarbeitet hat. Wir sind sportlich wieder da, wo wir uns sehen, wir sind zurück in Europa. Es steht eine Mannschaft auf dem Platz, die sich mit dem Verein, der Stadt und der Region identifiziert. Wir spielen einen Fußball, der den Werten dieser Stadt sehr nahe kommt. Deshalb ist es schon sehr schade, dass wir bei den Zuschauerzahlen noch Luft nach oben haben. Jeder weiß, dass ich mich als Wolfsburger fühle, aber man muss schon sagen, dass es den Leuten hier in allen Bereichen sehr gut geht. Wenn wir Wolfsburger jammern, ist das meistens auf extrem hohen Niveau. Und das könnte sich auch bei uns im Fußball widerspiegeln. Wir wollen den Weg, den wir eingeschlagen haben, fortführen. Wir wollen nahbar sein, wollen die Menschen im Stadion und außerhalb begeistern – und versuchen, den einen oder anderen zurück ins Stadion zu holen oder neu für den VfL zu begeistern.“

...die Ausrichtung des VfL: „Wir wollen junge, hungrige und ehrgeizige Spieler holen, die mit ihrem Wechsel zum VfL den nächsten Schritt in ihrer Karriere machen. Bei Kevin De Bruyne und Ivan Perisic etwa war das so. Kevin hat damals bei Chelsea kaum gespielt und Ivan war mit seiner Rolle in Dortmund unzufrieden und wollte Stammspieler werden. Bei beiden ist es gelungen, dass sie hier eine tolle Entwicklung nehmen. Sie sind hier Spitzenspieler geworden und sind letztendlich zu Spitzenvereinen gewechselt, gleichwohl haben sie uns indirekt geholfen, als Verein den nächsten Schritt zu machen.“

...eine realistische Zielsetzung für den VfL in dieser Saison: „Im Moment ist es schwierig zu urteilen, wenn man sich mal die Tabelle anschaut. Platz eins und Platz neun trennen momentan zwei Punkte, alles ist extrem eng. Wir wollen im nächsten Jahr wieder international spielen, das wollen wir erreichen. Wir sind auf einem guten Weg. Ich glaube, dass wir defensiv sehr gut agieren, im Offensivspiel können wir noch das eine oder andere verbessern. Wir gehen da mit vielen Situationen noch zu sorglos um."

Wie lange die VL-Trainer auf ihre erste Niederlage warteten

VfL Wolfsburg: Wann die Trainer ihre erste Niederlage kassierten Zur Galerie
VfL Wolfsburg: Wann die Trainer ihre erste Niederlage kassierten ©

...Platz zwei in der Liga: „Ich schaue nicht auf die Tabelle, weil eben alles noch so eng zusammen ist. Ich habe ja gesagt: Wir sind im Soll, aber ich glaube auch, dass wir zwei Punkte mehr haben müssten - in Düsseldorf und in Leipzig waren wir besser, eines der beiden Spiele hätten wir gewinnen können.“

...den neuen Trainer Oliver Glasner: „Man sieht immer besser, was er möchte. Die Mannschaft setzt das, was er vorgibt, schon richtig gut um. Die Zusammenarbeit mit der Mannschaft und mit uns klappt richtig gut. So lässt es sich sehr gut arbeiten. Olivers Spielphilosophie erfordert eine extreme Fitness, unsere Spieler sprinten noch mehr als in der vergangenen Saison – so etwas geht nur, wenn du ein gutes Fitness-Level hast. Er fördert die Spieler extrem, fordert aber auch ungemein viel ein.“

...die Zukunft von Jörg Schmadtke als VfL-Geschäftsführer, der angedeutet hat, 2021 aufhören zu wollen: „Ich versuche sein Karriere-Ende vehement nach hinten hinauszudrängen. Ich denke, dass die Konstellation für den Verein, für Jörg und für mich gut ist. Wir sind täglich mehrmals im Austausch. Wir gehen die meisten Dinge gemeinsam an. Es macht viel Spaß, ich lege viel Wert auf sein Feedback und bekomme auch eine Info von ihm was ich besser machen kann. So muss das aber auch sein.“

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