08. Juni 2021 / 22:04 Uhr

Früherer VfL-Torjäger Frank Plagge erinnert sich: Der Tag, als Wolfsburg zum letzten Mal scheiterte

Früherer VfL-Torjäger Frank Plagge erinnert sich: Der Tag, als Wolfsburg zum letzten Mal scheiterte

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Aus DFB Pokal Saison 1990/91 VfL Wolfsburg (Weiß) - 1. FC Koeln (Rot) 1:6 am 04.08.1990 im alten VfL Stadion am Elsterweg. Im Foto: VFL WOB Spieler Frank Plagge gegen Paul Steiner *** From DFB cup season 1990 91 VfL Wolfsburg White 1 FC Cologne Red 1 6 on 04 08 1990 in the old VfL stadium on Elsterweg In the photo VFL WOB player Frank Plagge against Paul Steiner
Das letzte Scheitern des VfL: Auf den Tag genau vor 30 Jahren wurde Wolfsburg zu einer letzten Runde in der Oberliga verdonnert. VfL-Torjäger Frank Plagge (l.) Remscheid-Torjäger Carsten Pröpper (kl. Bild, Nr. 8) blicken zurück. © Imago Images, Repro Wolfsburger Allgemeine
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Auf den Tag genau vor 30 Jahren scheiterte der VfL Wolfsburg zum letzten Mal an einem Aufstieg. Danach ging es nur noch nach oben, der Konkurrent von damals kickt heute in der 6. Liga. Zwei Torjäger erinnern sich...

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"Manchmal ist es vielleicht gar nicht so schlecht, einen Schritt rückwärts zu machen, um zwei vorwärts zu gehen!" So fasst Frank Plagge, Torjäger des VfL Wolfsburg aus der Zeit Ende der 80er und Anfang der 90er, einen ganz besonderen Tag zusammen: den 9. Juni 1991.

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Dieser Tag genau vor 30 Jahren markierte das letzte Scheitern des heutigen Fußball-Bundesligisten, des deutschen Meisters von 2009 und Pokalsiegers von 2015. Der VfL Wolfsburg hatte seinen zweiten Anlauf in die 2. Liga genommen. 1974 war man Gründungsmitglied gewesen, aber nach einer Saison wieder abgestiegen, genau wie 1977 nach dem Wiederaufstieg 1976.

Es ist der 9. Juni, 1991: Im Röntgenstadion in Remscheid-Lennep musste sich Wolfsburg vor 9000 Zuschauern dem FC Remscheid mit 0:2 geschlagen geben. Es ist zwar erst der vorletzte Spieltag der Aufstiegsrunde, doch mit dem Ergebnis war Wolfsburg raus. Und der kleine Klub aus dem Remscheider Ortsteil Lüttringhausen (18.000 Einwohner, null Rasenplätze), der als BV Lüttringhausen und als BVL Remscheid auch schon zweimal in der 2. Liga gespielt hatte, war, nun mit dem VfB Marathon Remscheid zum FCR fusioniert, zum dritten Mal durch.



"Die waren ein Stück besser als wir", erinnert sich Plagge. "Und sie hatten einen Carsten Pröpper!" Der Sohn der Legende des Wuppertaler SV, Günter Pröpper (53 Tore in der Regionalliga-Saison 1971/72, acht Treffer in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga, 21 Tore in der Bundesliga-Spielzeit 72/73), stand am Anfang seiner Karriere. Plagge: "Carsten Pröpper war Remscheids entscheidender Mann."

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"Das Spiel gegen Wolfsburg, kann das sein, dass ich da zwei Tore geschossen habe", kramt Pröpper in seinen Erinnerungen. "Acht Tore gelangen mir in jener Aufstiegsrunde, so viele wie meinem Vater in seiner Bundesliga-Aufstiegsrunde, das hat mir etwas bedeutet", blickt Pröpper junior zurück. Er erzielte in der Tat beide Treffer an jenem 9. Juni, an dem der VfL wenig Torchancen hatte, sich vom frühen 1:0 nach der Pause nicht mehr erholte.

Plagge: "Es war schade, wir hatten die Oberliga-Saison mit 17 Heimsiegen beendet, ich hatte 26 Tore erzielt, aber damit hatte ich mein Pulver wohl in den Punktspielen verschossen. Und anders als in den Jahren zuvor konnte diesmal nur der Erste aufsteigen." Die Heimserie hatte sogar noch im Hinspiel gegen den FCR einigermaßen gehalten, weil Mathias Fiebich in der Schlussminute zum 2:2 ausglich. "Doch im Grunde hat uns dann ein Heim-0:1 gegen Göttingen 05 schon den K.o. beschert. Dadurch hätten wir in Remscheid gewinnen müssen. Doch die hatten etwas mehr Erfahrung, hatten ein paar Jahre vorher noch in der 2. Liga gespielt", so Plagge. "Erfahrung hatten wir zwar mit Spielern wie Heiner Pahl, Michael Geiger, Olaf Ansorge, Uwe Otto und mir auch, aber so weit wie die waren wir noch nicht" Denn: "Viele Spieler im Kader waren Eigengewächse, noch jung, insgesamt waren es praktisch nur Spieler aus der Region. Das reichte noch nicht."

Im Frühjahr 1991 hatte sich um Manfred Aschenbrenner und den danach langjährigen VfL-Manager Peter Pander ein neues Führungsgremium der VfL-Fußball-Abteilung gebildet. Mit Uwe Erkenbrecher sollte unter einem jungen Coach als Nachfolger des Bundeswehrhauptmanns Ernst Menzel, der im Nebenamt Trainer war, im Sommer 1991 eine ganz neue Ära eingeleitet werden. Das war intern klar. "Dass was passieren wird, wussten wir, aber nichts genaues", sagt Plagge.

Remscheid feierte nach dem 2:0 gegen Wolfsburg den mit seinem strohblonden Haar markanten offensiven Mittelfeldspieler Pröpper. Der blieb noch zwei Jahre beim FCR, war danach unter anderem noch Profi beim FC St.Pauli. "Mit dem Aufstieg 1991 hat praktisch meine Profi-Karriere begonnen", erinnert er sich.

Die Wolfsburger drehten eine Ehrenrunde in der Oberliga Nord. "Mit Thorsten Kohn, Bruno Akrapovic, Jacek Frackiewicz, Peter Kleeschätzky, Torwart Burkhard Kick und natürlich mit Siggi Reich, der nun endlich spielberechtigt war, bekamen wir sechs Akteure hinzu, die Stammspieler waren." Das war ein guter Grundstock für den nun fest angepeilten Zweitliga-Aufstieg, der 1992 in der Runde gegen den FSV Zwickau, den FC Berlin und Union Berlin gelang.

Rein ging es in eine brutale Zweitliga-Saison mit 24 Teams und sieben Absteigern, darunter Remscheid. "Da war es doch ganz gut, schon mit einer starken Mannschaft aufgestiegen zu sein", sagt Plagge. "Einen Schritt rückwärts, um zwei vorwärts zu gehen - im Nachhinein betrachtet ist alles genau richtig gelaufen für den VfL Wolfsburg" - der danach nur noch (einmal) aufstieg, eine neue Arena bekam, 1995 schon einmal das Pokalfinale erreichte und nie mehr abstieg.

Der FC Remscheid (die Stadt im bergischen Land hat etwa so viele Einwohner wie Wolfsburg) kickt heute in der 6. Liga (Landesliga Niederrhein).

Aufstiegsrunde 1991

FC Remscheid 13:3 Punkte
VfL Wolfsburg  9:7
SC Göttingen 05 8:8
SC Verl 8:8
Tennis Borussia Berlin 2:14

VfL gegen TeBe 2:1, 2:0, VfL gegen Remscheid 2:2, 0:2, VfL gegen Verl 3:1, 3:2, VfL gegen Göttingen 0:1, 3:5 (am letzten Spieltag).