05. Oktober 2021 / 13:30 Uhr

Wolfsburg-Abräumer Guilavogui: "Ich bin froh, dass ich geblieben bin"

Wolfsburg-Abräumer Guilavogui: "Ich bin froh, dass ich geblieben bin"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Dieser Platzverweis ärgert ihn immer noch: Josuha Guilavogui vom VfL Wolfsburg.
Dieser Platzverweis ärgert ihn immer noch: Josuha Guilavogui vom VfL Wolfsburg. © Boris Baschin
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Im Sommer fast weg, dann Rückkehr ins Team, jetzt der Witz-Elfer gegen Sevilla - Josuha Guilavogui hat turbulente Wochen beim VfL Wolfsburg hinter sich. Jetzt spricht er darüber.

Ein Witz-Elfmeter kurz vor Schluss hatte Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg in der vergangenen Woche den Sieg im Champions-League-Spiel gegen den FC Sevilla geklaut. Beim Stand von 1:0 zeigte der bulgarische Schiedsrichter Georgi Kabakov in der 85. Minute auf den Punkt, obwohl Josuha Guilavogui gegen Erik Lamela im Strafraum klar den Ball gespielt hatte. Eine Szene, die Guilavogui, der hernach mit Gelb-Rot vom Platz flog, nie mehr vergessen wird. „Das bleibt in meinem Kopf“, sagt der ehemalige VfL-Kapitän immer noch gefrustet.

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Am Ende musste sich der VfL mit einem 1:1 begnügen. „Ich glaube, wenn wir dieses Spiel gewonnen hätten, wären wir auf einem richtig guten Weg gewesen, um die K.o.-Phase zu erreichen. Nicht nur für mich, sondern für die gesamte Mannschaft war das ein Nackenschlag, wenn du kurz vorm Ende zwei Punkte verlierst“, so Guilavogui.

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Im Sommer hätte er den VfL verlassen können. „Es waren keine konkreten Angebote, aber es gab ein paar Klubs, die interessiert waren“, schildert Guilavogui, der zum ersten Mal über diese Angebote sprach. Der FC Watford, der FC Venedig, Dinamo Moskau und Vereine aus Katar waren interessiert, aber schon vor der schweren Verletzung von Guilavogui-Konkurrent Xaver Schlager (zog sich am dritten Spieltag einen Kreuzbandriss zu) hatte Manager Jörg Schmadtke gesagt, dass er Guilavogui nicht gehen lassen möchte. „Ich bin geblieben und ich bin froh darüber“, sagt Guilavogui jetzt, „denn ich spiele mehr als im vergangenen Jahr.“

Schon jetzt hat er mehr Minuten auf dem Rasen gestanden als in der kompletten Rückrunde der vergangenen Spielzeit, in der er seinen Stammplatz verlor. Aber Guilavogui ist noch nicht der Guilavogui wie vor der vergangenen Saison – es gab zuletzt Spiele, in denen die fehlende Spielpraxis nicht zu übersehen war. Er selbst sieht das nicht anders, doch der 31-Jährige verspricht: „Ich werde mich noch verbessern, ich bin noch nicht bei hundert Prozent. Aber ich werde bald wieder da sei. Es ist nicht einfach, wenn du acht Monate lang fast nie gespielt hast und jetzt spielst du alle drei Tage.“

Diesen Rhythmus, alle drei Tage ein Spiel zu haben, hat der VfL noch nicht ganz verinnerlicht, wie am Samstag gegen Gladbach beim 1:3 deutlich wurde. Nach dem harten Fight gegen Sevilla waren die Wolfsburger gegen die Borussia schlafmützig gestartet und hatten schon nach sieben Minuten 0:2 hinten gelegen, am Ende gab es ein 1:3. Guilavogui: „Wir haben einen breiten Kader, ja. Aber wir müssen in unseren Spieler schlauer sein. In Hoffenheim etwa, als wir kurz vor der Pause das 1:0 machen, dann müssen wir mit drei Punkten nach Hause fahren.“

Die Wolfsburger verloren jedoch auch diese Partie mit 1:3, jetzt die Niederlage gegen Gladbach – und so ist der VfL nun seit fünf Spielen sieglos. „Wir haben die Saison sehr gut angefangen“, sagt Guilavogui und denkt an die vier Siege zum Start. „Wir sind nur drei Punkte vom Tabellenführer weg, daher müssen wir jetzt nicht sagen: Das ist alles schlecht, keine Mannschaft hat alle Spiele gewonnen. Klar hätten wir in den letzten Spielen mehr Punkte holen können“, räumt Guilavogui ein, gleichwohl betont er aber: „Wir müssen jetzt nicht von einer Krise sprechen.“


Die Punkteverluste zuletzt schmerzen, gleichwohl ist der Franzose happy, dass er jetzt wieder erste Wahl ist, nachdem er seinen Stammplatz in der vergangenen Saison unter Ex-VfL-Trainer Oliver Glasner (jetzt Eintracht Frankfurt) verloren hatte. In einem großen SPORTBUZZER-Interview hatte er über seine schlechte Beziehung zu Glasner gesprochen. Vergangenheit. Der Draht zu Mark van Bommel ist gut - obwohl der Holländer ihm die Kapitänsbinde wegnahm. "Es war ein bisschen klar, nachdem ich im letzten Jahr nicht viel gespielt habe und dann ein neuer Trainer kam."

Van Bommel und er führten ein ehrliches Vier-Augen-Gespräch, in dem der Trainer dem VfL-Profi "nicht versprechen konnte, dass ich in allen Spielen anfangen werde. Das war für mich klar, das war ein gutes Gespräch", so Guilavogui, der viel Respekt vor dem ehemaligen Top-Spieler van Bommel hat: "Er ist ein Trainer, der nah an den Spielern ist, aber ab und an auch mal einen Witz macht." Ist er also komplett anders als Glasner? Guilavogui wollte die Frage nicht beantworten, der fast immer gut gelaunte Franzose grinste nur - und sagte damit eigentlich alles...