03. November 2021 / 21:39 Uhr

Wolfsburgs Abwehrkette: Plötzlich sind aller guten Dinge doch drei...

Wolfsburgs Abwehrkette: Plötzlich sind aller guten Dinge doch drei...

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Zentrale Rolle: Josuha Guilavogui macht's in der Dreierkette zwischen Maxence Lacroix (kl. Bild l.) und Jay Brooks (kl. Bild r.) gut.
Zentrale Rolle: Josuha Guilavogui macht's in der Dreierkette zwischen Maxence Lacroix (kl. Bild l.) und Jay Brooks (kl. Bild r.) gut. © Boris Baschin
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Der VfL Wolfsburg ist nach zwei Siegen zurück in der Erfolgsspur. Das liegt auch an der Umstellung auf ein System mit Dreierkette - das ist zwar nicht neu, funktioniert jetzt aber wieder.

Zwei Spiele, zwei Siege - so lautet die Bilanz von Florian Kohfeldt als VfL-Trainer. Der Wolfsburger Fußball-Bundesligist ist nach dem 2:0 in Leverkusen und dem 2:1 in der Champions League gegen RB Salzburg zurück in der Erfolgsspur. Ausschlaggebend dafür ist neben der wiedergefundenen Leidenschaft und der lange eingeforderten Intensität im Spiel auch die Umstellung auf ein System mit Dreierkette.

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Dabei ist die Idee, hinten mit drei Innenverteidigern zu agieren, nicht neu. Ex-VfL-Coach Oliver Glasner (jetzt Eintracht Frankfurt) hatte 2019 zu Beginn seiner Zeit in Wolfsburg auch auf ein 3-4-3 gesetzt - mit durchwachsenem Erfolg. Am Anfang lief es richtig gut, die Dreierkette, die gegen den Ball zu einer Fünferkette wurde, stand gut. Die ersten neun Liga-Partien hatte es keine Niederlage gegeben, in der gesamten Hinrunde kassierte der VfL damals gerade einmal 18 Gegentore. Doch ab November ging's bergab, vier von fünf Partien hatten die Wolfsburger verloren, in den Spielen nur zwei Treffer erzielt. Die Torgefahr litt unter der defensiven Ausrichtung, woraufhin Glasner zum Gladbach-Spiel erstmals auf eine Viererkette setzte - und der VfL mit 2:1 gewann.

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Jetzt also die Rückkehr zur Dreierkette unter Kohfeldt. Aber warum sind aller guten Dinge nun doch wieder drei? "Wir haben ein anderes System, wenn jemand einen Zweikampf verliert, ist immer ein zweiter Mann da. Das war im letzten Jahr unsere Stärke und das haben wir heute wieder gehabt", sagte Josuha Guilavogui nach dem Salzburg-Spiel. "Sie waren nicht so gefährlich, außer mit ihren Freistößen. Sie hatten nicht so viele Chancen, das war eine unserer Stärken." Das eine oder andere Mal kamen die Gäste aber auch aus dem Spiel heraus zu dicken Möglichkeiten, allein Shootingstar Karim Adeyemi war zweimal durchgebrochen, verzog allerdings.

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Großen Anteil am Erfolg der Dreierkette hat auch Guilavogui. Und das nicht nur, weil er eine Führungsfigur im Kader und ein ganz wichtiger Ansprechpartner für die große VfL-Fraktion der Französisch sprechenden Profis im Kader ist. Der gelernte Mittelfeldmann agierte in beiden Partien unter Kohfeldt als zentraler Abwehrmann zwischen Jay Brooks und Maxence Lacroix - und lieferte einen guten Job ab. "Ich hatte unter Glasner schon hinten gespielt, das war aber noch nicht so gut", erinnert sich der Franzose noch gut an die Zeit zurück. Jetzt klappt's besser, zudem genießt Guilavogui die Wertschätzung, die er unter dem Österreicher zuletzt nicht mehr in gewünschtem Maße erfuhr. Kohfeldt habe von Anfang an mit offenen Karten gespielt. "Der Trainer hat mir im ersten Gespräch direkt gesagt, dass er dieses System spielen will mit mir als Innenverteidiger", so Guilavogui. "Ich habe gesagt, für mich ist das kein Problem." Schließlich sei es "immer besser auf dem Platz zu stehen als auf der Bank zu sein".

Guilavogui dürfte diese Rolle im Abwehrzentrum erst mal behalten - weil er gute Leistungen gezeigt hat, aber auch, weil das Personal in den nächsten Wochen kaum Alternativen bietet. Maxence Lacroix, der gegen Salzburg erneut stark aufgespielt hat, ist in der Liga gegen Augsburg und in Bielefeld nach seiner Roten Karte aus dem Leverkusen-Spiel gesperrt. Sebastiaan Bornauw laboriert an einer Kapselverletzung, sein Einsatz am Samstag steht auf der Kippe und wird sich womöglich erst kurzfristig entscheiden. Sollte auch der Belgier nicht spielen können, könnte Micky van de Ven (im Sommer aus Volendam gekommen) sein Bundesliga-Debüt geben. Der Niederländer ist das Spiel in einer Dreierkette aus seiner Heimat zwar nicht gewohnt - aber eine Anpassung an das Abwehrsystem des VfL wird ihm durchaus zugetraut.