24. März 2020 / 13:28 Uhr

Wolfsburgs Mehmedi: "Die Ungewissheit ist schon anstrengend"

Wolfsburgs Mehmedi: "Die Ungewissheit ist schon anstrengend"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Admir Mehmedi und seine VfL-Kollegen trainieren wieder - in Kleingruppen.
Admir Mehmedi und seine VfL-Kollegen trainieren wieder - in Kleingruppen.
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Beim VfL Wolfsburg wird seit Montag wieder trainiert - in Kleingruppen. Offensivspieler Admir Mehmedi findet's okay, denn "das ist unsere Arbeit". Generell aber gelte: "Im Moment sind andere Sachen wichtiger als Fußball."

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Seit Montag trainieren die Spieler des VfL Wolfsburg wieder gemeinsam - unter sehr speziellen Bedingungen. Für Admir Mehmedi, Offensivspieler der Niedersachsen, fühlt sich das "alles ein bisschen komisch an", es sei, als komme "man aus dem Winterurlaub wieder - nur dass der Urlaub in Wolfsburg stattgefunden hat". Dass der Verein die Profis nach einer Woche Individualtraining daheim wieder auf dem VfL-Gelände versammelt, ist für ihn okay: "Wir haben eigene Matten, gefühlt steht jeden Meter Desinfektionsmittel. Von der Organisation her ist das Champions League." Es könne zwar "nie 100-prozentige Sicherheit" geben, aber "es ist alles bis ins kleinste Detail so gut geplant, dass die Gefahr so klein wie möglich gehalten wird".

Der VfL trainiert in Kleingruppen, die sich Tag für Tag nicht verändern, aber ihre Übungen immer zu verschiedenen Zeiten absolvieren. Mehmedi ist in einer Gruppe mit Pavao Pervan, Robin Knoche, Xaver Schlager und Daniel Ginczek. "Das ist okay für uns, das ist unsere Arbeit, wir vermeiden Körperkontakt, tun alles alles, dass da wirklich gar nichts passieren kann." Es sei "nun einmal unser Job, fit zu bleiben - wenn wir mit Übergewicht wieder starten, wäre das ja nicht Sinn der Sache".

Mehr Probleme als die Trainingsorganisation mache da schon die unklare Lage - ob und wann die Corona-Pandemie einen Spielbetrieb wieder zulässt, ist total offen. Mehmedi: "Die Ungewissheit ist schon anstrengend. Nicht zu wissen, wie es weitergeht, macht die Sache sehr schwierig." Natürlich "wünschen sie alle, dass wir die Saison bald zu Ende spielen können - wenn das möglich ist, und wir damit nichts riskieren." Denn: "Die Gesundheit der Menschen ist wichtiger", generell seien "im Moment andere Sachen wichtiger als Fußball."

So läuft beim VfL das Training mit Abstand

Koordinationstraining im Kraftraum: Yannick Gerhardt Zur Galerie
Koordinationstraining im Kraftraum: Yannick Gerhardt ©
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Die vergangene Woche, in der die Spieler daheim bleiben mussten, hat bei Mehmedi zu ganz grundsätzlichen Gedankengängen geführt. "Ich habe mit meiner Frau darüber geredet, dass man ein bisschen einen Eindruck davon bekommt, was beim Karriere-Ende passiert", so der 29-Jährige. "Man muss dann den Sprung schaffen, du kümmerst dich dann vielleicht morgens um deine Kinder statt zum Training zu fahren, hast ganz andere Abläufe." Da merke man dann, "dass der Verein so etwas wie eine zweite Familie ist. Dir fehlen die Mannschaftskollegen, dir fehlen die Späße mit den Physios. Das ist dann schon auch traurig." Andererseits: "Es hat auch Positives", die im Juli geborene Tochter schlafe "mittlerweile auch mal in meinem Arm ein, das war vorher nicht so".

Zudem habe er die vergangene Woche genutzt, um "den Kleiderschrank auszumisten, eine Couch aufzubauen und mein Büro umzuräumen - Sachen, zu denen man sonst nicht kommt, weil man zu faul ist". Und: Mit Sohn Noar (wird im Mai 3) hat er im Garten gekickt. "Ich glaube", so Mehmedi schmunzelnd, "dass ich in zwei Wochen ohne Ball am Fuß nicht alles verlernt habe..."

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Mehmedis VfL-Landsmann Kevin Mbabu gab derweil dem "Blick" Einblicke in seinen Alltag in der vergangenen Woche, als die Profis noch individuell daheim trainiert haben. "Mir geht's gesundheitlich wunderbar", so der Rechtsverteidiger. "Aber die letzten Tage waren schon öd, so allein zuhause. Da werden die Tage manchmal lang. Alleine ist man da schon recht einsam." Das individuelle Training bestand aus einem Lauf von "30 bis 40 Minuten, dann die Übungen. Das ist nochmals eine Stunde. Und ein bisschen Jonglieren im Garten. Total rund zwei Stunden. Ansonsten habe er sich die Zeit vertrieben - mit lesen, Serien ("Homeland" und "Vikings") und schlafen. Am Montag, als sich die Spieler wieder in der VW-Arena trafen, habe es dann "gutgetan, ein paar der Jungs wiederzusehen – wenn auch mit Abstand".

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Wie es mit dem Trainingsbetrieb weitergeht, hängt auch vom DFL-Präsidium ab, das am Dienstag unter anderem Spielplan-Szenarien für die Bundesliga diskutieren will. Als sicher gilt, dass der von VfL-Manager Jörg Schmadtke und vielen seiner Kollegen bereits als unrealistisch eingestufte Termin am ersten April-Wochenende für eine Fortsetzung der Liga nicht haltbar ist. Das Training in Kleingruppen will der VfL zunächst einmal bis zum Wochenende fortsetzen.

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