12. Mai 2017 / 16:52 Uhr

VfL Wolfsburg: Andries Jonker über den Endspurt im Abstiegskampf

VfL Wolfsburg: Andries Jonker über den Endspurt im Abstiegskampf

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Andries Jonker
Andries Jonker
Anzeige

Klassenerhalt mit dem VfL – das war der Auftrag für Andries Jonker, als er Ende Februar Trainer des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten wurde. Vor dem Endspurt im Abstiegskampf sprach der 54-Jährige mit der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung über Entspannung, holländichen Fußball und das Verhältnis von Profis und Fans.

Andries Jonker: Seine Karriere in Bildern

Jonkers aktive Karriere begann bei De Volewijckers, ein Klub, der Anfang der 70er Jahre im FC Amsterdam aufging. Es folgten die Stationen FC Volendam, De Meer und Zaandamsche FC, außerdem ließ sich Jonker zum Sportlehrer ausbilden.     Nach mehreren Stationen als Nachwuchscoach kehrte er 1997 zum FC Volendam zurück - erst als Co-, dann als Cheftrainer. Zur Galerie
Jonkers aktive Karriere begann bei De Volewijckers, ein Klub, der Anfang der 70er Jahre im FC Amsterdam aufging. Es folgten die Stationen FC Volendam, De Meer und Zaandamsche FC, außerdem ließ sich Jonker zum Sportlehrer ausbilden.     Nach mehreren Stationen als Nachwuchscoach kehrte er 1997 zum FC Volendam zurück - erst als Co-, dann als Cheftrainer. ©

Jonker über...

...Druck im Abstiegskampf:  "Ich wehre mich gegen das Wort Druck, weil das immer so klingt, als käme der von außen und als wäre bei einem großen Verein vieles anders. Ich war Co-Trainer in Volendam, da haben 10.000 Leute 1998 mit dem Verein um den Klassenerhalt gezittert, ich war Trainer bei Willem II Tilburg, da haben die Angestellten geweint, weil sie im Abstiegskampf Angst um ihren Job hatten, jetzt bin ich Cheftrainer in Wolfsburg und es stehen die Stadt und die ganze Region hinter uns. Aber am allerwichtigsten ist doch: Die Mannschaft will nicht absteigen, ich will nicht absteigen. Und dieser Druck ist immer gleich.

Anzeige

...Entspannung: "Ich muss nichts Konkretes machen, um abzuschalten. Ich kann das eigentlich immer ganz gut. In dieser Woche zum Beispiel habe ich das Spiel unserer Frauen gegen Essen gesehen, das war total entspannend."

...Zweifel an der eigenen Arbeit: "Ich hinterfrage mich und meine Arbeit nach jedem Tag, nach jedem Spiel, nach jedem Training. Ich bin dabei kritisch. Aber kritisch zu sein ist etwas anderes, als Zweifel zu haben. Ich bin lange genug dabei, um mir sicher zu sein: Was wir tun, ist richtig. Aber ich gebe zu: Ich habe die ersten beiden Spiele in Mainz und in Leipzig gebraucht, um mir sicher zu sein, dass es wirklich funktioniert. Vor allem das erste Spiel war wichtig", denn "die Jungs hatten mir von Problemen im Spiel nach vorn erzählt, von diesen Problemen habe ich aber im Training überhaupt nichts gesehen. Doch in Mainz, vor 28.000 Leuten, spielten sie dann andauernd den Ball in die falsche Richtung. Da habe ich verstanden, was sie meinten – und konnte es in der Pause einigermaßen korrigieren. In der zweiten Halbzeit wurde es besser, beim nächsten Spiel in Leipzig noch mal etwas besser – und so bekamen dann alle miteinander das Gefühl, dass der Weg richtig ist.

...seine Fußball-Philosophie: "In der Situation, die ich hier vorgefunden habe, ging es nicht darum, meine Fußball-Philosophie einzubringen. Und so ist es noch immer. Es geht um die Spiele gegen Gladbach und in Hamburg, es geht um den Klassenerhalt – nicht um meine Idee von Fußball. Das ist im Moment nicht wichtig. Dass meine Mannschaft die Dinge spielerisch lösen will, finde ich schon gut. Aber, ganz ehrlich: Hätte ich das Gefühl gehabt, wir hätten den größten Erfolg, wenn wir die Bälle einfach quer durch die Gegend kloppen, dann hätten wir das gemacht..."

...die WM 1974: "Ich war 11 und ich habe alles gesehen – und habe heute die holländischen Ergebnisse und alle Aufstellungen der WM 1974 noch im Kopf. Dieser Fußball ist das, wofür unser Land steht. Ich war im Urlaub in der Karibik, und als der Taxifahrer dort merkte, dass ich Holländer bin, fing er sofort an, mit mir über Angriffsfußball zu reden, über „mecánica naranja“, das orange Uhrwerk. Diese Art von Fußball hat mich auch geprägt, natürlich. Die Niederlande ist weltberühmt für ihren Fußball."

...die Bedeutung der Fans: "Wir verdienen hier alle sehr viel Geld – wegen der Fans. Wenn die nicht zu uns kommen, haben wir nichts. Sie sorgen dafür, dass der Fußball lebt und beliebt ist. Aus leeren Stadien würde auch das Fernsehen nicht übertragen. Wir müssen verstehen, wie der Mechanismus funktioniert: Der Verein ist für die Fans da, nicht umgekehrt. Es sollte für einen Profi nie eine Mühe sein, ein Autogramm zu geben oder ein Foto mit einem Fan zu machen.


...die mögliche Rettung bei einem Sieg gegen Gladbach: "Es macht keinen Sinn, darauf zu schauen, dazu war die Liga in dieser Saison einfach zu verrückt. Die Lehre aus den letzten Wochen ist: Du musst es selbst machen – und darum ist es gut, dass wir alles in eigener Hand haben.

Das komplette Interview lesen Sie in der Samstag-Ausgabe der Wolfsburger Allgemeinen und der Aller-Zeitung