10. Januar 2021 / 12:46 Uhr

Wolfsburgs Arnold akzeptiert den Platzverweis: "Bitter - aber es ist, wie es ist"

Wolfsburgs Arnold akzeptiert den Platzverweis: "Bitter - aber es ist, wie es ist"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Die Rot-Szene: Maximilian Arnold hält Taiwo Awoniyi an der Schulter und muss anschließend vom Platz.
Die Rot-Szene: Maximilian Arnold hält Taiwo Awoniyi an der Schulter und muss anschließend vom Platz. © (c) AFP-Pool
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Maximilian Arnold, Mittelfeldspieler des VfL Wolfsburg, flog am Samstag beim 2:2  bei Union Berlin vom Platz. Ein Notbremsen-Rot, das der 26-Jährige akzeptiert. Dass die Mannschaft ohne ihn noch einen Punkt rettete, sei "gut für die Moral".

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Eine kurze Berührung des Gegenspielers an der Schulter mit der Hand, ein Pfiff das Schiedsrichters, große Aufregung - und am Ende der dritte Bundesliga-Platzverweis für Maximilian Arnold. Der Mittelfeldmann des VfL Wolfsburg sah beim 2:2 (1:1) am Samstag bei Union Berlin Rot. "Man muss es akzeptieren", sagte er am Sonntag. "Rot ist immer bitter, aber es ist, wie es ist." Schiri Robert Ittrich hatte dem VfLer schon auf dem Platz die Entscheidung erklärt: "Er hat mir gesagt, dass es keine aktive Bewegung zum Ball war, deswegen gab es Rot." Blieb die Frage, ob die leichte Berührung überhaupt ein Foul an Taiwo Awoniyi war. Arnold ehrlich: "Es war nicht viel Kontakt, aber es reicht." Dass Awoniyi dann fällt, sei normal: "Ich hätte es genauso gemacht."

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<b>Koen Casteels</b>: Hat Glück bei seinem überflüssigen Ausflug in der 2. Minute, als Becker das leere Tore nicht trifft, löste ansonsten zunächst alle Probleme - auch die, für die seine Mitspieler per Rückpass sorgten - souverän. Allerdings: Bei Flanken ein paar leichte, ungewohnte Unsicherheiten. - Note 3. Zur Galerie
Koen Casteels: Hat Glück bei seinem überflüssigen Ausflug in der 2. Minute, als Becker das leere Tore nicht trifft, löste ansonsten zunächst alle Probleme - auch die, für die seine Mitspieler per Rückpass sorgten - souverän. Allerdings: Bei Flanken ein paar leichte, ungewohnte Unsicherheiten. - Note 3. ©

Unmittelbar nach dem Spiel hatte Arnolds Mitspieler Wout Weghorst lachen müssen, als ihm Sky die Rot-Szene zeigte. "Elfmeter? Fragen Sie das wirklich? Was sagen Sie?", entgegnete er dem Reporter. "Klar hat er kurz die Hand auf der Schulter, aber bei so einem Spiel, mit so vielen Zweikämpfen und mit überall Streit auf dem Platz, kann die Szene jeder für sich beantworten..." Auch VfL-Trainer Oliver Glasner beurteilte den Platzverweis als "zu hart. Live war es für mich klarer als bei den Fernsehbildern. Für uns war entscheidend, dass die Spieler die Entscheidung akzeptiert haben."

Schiri Ittrich hatte sogar auf Elfmeter entschieden, korrigierte sich dann - Arnolds vermeintliches Foul an Liverpool-Leihgabe Awoniyi geschah kurz vor der Strafraumgrenze. Robert Andrich störte das nicht, er traf auch so zum 2:1 - und änderte damit die Dramaturgie des Spiels. Aus einer Partie, die der VfL trotz Führung zu verlieren drohte, wurde ein Spiel, aus dem die Wolfsburger dank eines von Weghorst verwandelten Foulefmeters noch einen Punkt mitnahmen.

Davon bekam Arnold zunächst nichts mit. "Der Fernseher in der Kabine ging nicht an", schildert er die Minuten nach dem Platzverweis. "Und ich war auch erst einmal mit mir beschäfigt." Der Punkt sei dann am Ende okay gewesen: "Bei Union ist es ja nicht einfach zu gewinnen, das haben andere auch schon mitbekommen. Es war nicht unser bestes Spiel, aber der Punkt ist gut für die Moral."

Die Sperre für Arnold wird nun voraussichtlich ein Spiel betragen - so wird in der Regel entschieden, wenn aus der Notbremsen-Aktion unmittelbar ein Tor folgt. "Natürlich schade, dass ich das Spiel gegen Leipzig jetzt verpasse", so der gebürtige Sachse, für den es "wünschenwert" wäre, dass es bei dem einen Spiel bleibt. "Ich habe ihn ja nicht verletzt."

Für Arnold war es der dritte Platzverweis in der Bundesliga. Den ersten hatte er 2013 am ersten Spieltag in Hannover kassiert, den zweiten 2017 (ebenfalls wegen einer Notbremse) in Augsburg. Rot Nummer 3 war für Wolfsburgs Nummer 27 nun der vorläufige Höhepunkt turbulenter Wochen. Am 19. Dezember, einen Tag vorm Spiel gegen den VfB Stuttgart, wurde bei dem 26-Jährigen eine Corona-Infektion festgestellt, später machte er Schlagzeilen, weil er vor dem positiven Test mit drei Mannschaftskameraden einen gemeinsamen Fußballabend verbracht haben soll - der Grund dafür, dass Xaver Schlager, Maximilian Philipp und Tim Siersleben in Vorsorge-Quarantäne mussten und wie Arnold das Stuttgart-Spiel und die Pokalpartie gegen Sandhausen verpassten.

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Gegen Dortmund, im ersten Spiel nach der kleinen Weihnachtspause, war Arnold dann wieder dabei. "Ich hatte nur sehr leichte Symptome", schildert er, aktuell seien lediglich Geschmacks- und Geruchssinn noch ein wenig eingeschränkt. Was viel bitterer war: Arnold musste die Weihnachtsfeiertage wegen der Quarantäne-Bestimmungen allein verbringen, während seine Frau und die beiden Kinder bei den Schwiegereltern waren. "Es gibt Schlimmeres, manche verlieren im Moment geliebte Menschen. Aber Weihnachten allein, das möchte ich nicht noch einmal erleben. Man kann zwar facetimen, aber ganz ehrlich: Das hat mich dann irgendwann auch nicht mehr glücklich gemacht." Was er positiv sieht: "Es ist ein Privileg, dass wir so regelmäßig getestet werden. Ich habe auch Risikopatienten in der Familie, da ist es gut, dass bei uns Infektionen so schnell festgestellt werden können."

Zu den Covid-Fällen beim VfL hatte im Herbst auch Marin Pongracic gezählt, der am Samstag mit einem Fehlpass den Ausgleichstreffer der Berliner vor der Pause einleitete. Der Wolfsburger Innenverteidiger zeigte davor und danach bereits Konditions- und Konzentrationsschwierigkeiten, musste zur Pause runter. "Marin hatte große Probleme mit der Luft, er ist noch nicht bei 100 Prozent. Nach 15 Minuten hatte er schon das erste Mal die Hände an den Knien", erklärte Trainer Oliver Glasner, der bereits vor dem Spiel eingeräumt hatte, dass der Kroate nicht fit genug für 90 Minuten ist. Nach Wiederanpfiff war dann die neu formierte Abwehrkette mit VfL-Kapitän Josuah Guilavogui noch nicht richtig sortiert, als ein Steilpass auf Awoniyi zu Arnolds Platzverweis-Szene führte.