17. Juli 2021 / 06:42 Uhr

Wolfsburgs Arnold ist "froh und dankbar", dass der VfL ihn zu Olympia lässt

Wolfsburgs Arnold ist "froh und dankbar", dass der VfL ihn zu Olympia lässt

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Freut sich auf Olympia: Maximilian Arnold vom VfL Wolfsburg.
Freut sich auf Olympia: Maximilian Arnold vom VfL Wolfsburg. © dfb
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Das Olympia-Interview: Maximilian Arnold vom VfL Wolfsburg über das Abenteuer Japan, den DFB-Kader und die  lange Trennung von der Familie

Das Abenteuer Olympia hat begonnen. Seit dieser Woche bereitet sich Maximilian Arnold vom VfL Wolfsburg mit der Auswahl des DFB in Wakayama im Süden der japanischen Hauptinsel Honshu, wo heute um 10 Uhr ein Testspiel gegen Honduras ansteht, auf das Turnier vor. Wenn die Spiele in Tokio am kommenden Freitag offiziell beginnen, haben Arnold und Co. ihren ersten Auftritt schon hinter sich – am Donnerstag (13.30 Uhr/ARD und Eurosport) ist Brasilien der Gegner. In der Gruppenphase geht es außerdem noch gegen Saudi-Arabien (25. Juli, 13.30 Uhr/ARD und Eurosport) und gegen die Elfenbeinküste (28. Juli, 10 Uhr, ZDF und Eurosport). Im AZ/WAZ-Interview spricht Arnold über das olympische Turnier, den DFB-Kader und die lange Trennung von der Familie.

Irgendwann kam der Anruf mit der Nominierung für Olympia. Wie muss man sich so ein Telefonat mit Trainer Stefan Kuntz eigentlich vorstellen?

Das war ganz lustig. Er hat gar nicht richtig gefragt: ,Willst du mit?‘ Er hat es einfach vorausgesetzt und nur gesagt: ‚Lass uns mal die Mannschaft durchgehen...‘ Und da war ich dann mit dabei... (schmunzelt). So, wie man Stefan Kuntz aus dem Fernsehen kennt, so ist er auch, er ist authentisch. Ein guter Trainer. Bei den vergangenen drei U21-Europameisterschaften war er mit seinen Teams immer im Finale – das ist schon verrückt.

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Sie haben 2017 beim EM-Sieg mit der deutschen U21-Nationalelf die Kapitänsbinde getragen – werden Sie jetzt auch die Binde tragen?

Das weiß ich nicht, aber klar ist: Das wäre eine Ehre für mich.

Stefan Kuntz und Sie kennen und schätzen sich...


Ja, aber ich mag das nicht, wenn das immer so betont wird. Weil der eine oder andere vielleicht denken könnte: Der Arnold ist nur dabei, weil er gut mit dem Kuntz kann. Ja, wir schätzen uns, aber dass ich jetzt dabei sein darf, hängt mit meinen Leistungen zusammen. Ich habe mir das erarbeitet.

Kuntz hat Kritik an einigen Bundesliga-Klubs wegen der mangelnden Unterstützung bei der Zusammenstellung der Olympia-Mannschaft geübt – wie gehen Sie damit um?

Ich kann es einerseits nachvollziehen, dass der eine oder andere Verein so entschieden hat. Wenn wir in Japan ins Finale kommen, dann bin ich nach unserem DFB-Pokalspiel erst wieder zurück. Es gibt halt keine Abstellungspflicht für die Klubs. Aber aus Spieler-Sicht ist Olympia schon ein Highlight. Ich bin froh und dankbar, dass der VfL bei mir so entschieden hat und weiß auch, dass ich mich in den nächsten Wochen, während meine Kollegen beim VfL in der Vorbereitung schwitzen, nicht zurücklehnen darf. Aber so bin ich auch nicht.

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Der Kader ist klein, es fahren nur 18 Spieler mit. Wie gut ist dieser Kader? Und worauf wird es beim Turnier ankommen?

Wir haben schon ein paar gute Spieler dabei. Es wäre mehr möglich gewesen, wenn alle Klubs mitgezogen hätten. Aber das war eben nicht so. Es wird bei uns stark darauf ankommen, dass wir als ein Team auftreten. Anders wird es nicht gehen.

Es sind einige Ex-VfLer dabei, darunter Max Kruse. Wie sehen Sie ihn?

Über Max’ Qualitäten auf dem Platz müssen wir nicht reden. Und ich glaube, er hat so richtig Bock aufs Turnier.

Auf was freuen Sie sich am meisten?

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Da gibt es jetzt nichts Spezielles, ich möchte einfach alles aufsaugen, was geht. Ich freue mich auf dieses Flair, auf das Miteinander mit den anderen Athleten, soweit es möglich ist. Gleichwohl muss ich sagen: Der Abschied von der Familie ist mir sehr schwergefallen. Das hätte ich nicht gedacht, weil ich es ja eigentlich gewohnt bin, unser Zuhause zu verlassen, weil wir ja mit dem VfL viel unterwegs sind.

Aber diesmal sind Sie länger weg, als sonst.

Genau das ist der Punkt. Ich bin es nicht gewohnt, so lange von meinen Kindern getrennt zu sein. Ich hatte sie jetzt sieben Wochen jeden Tag – und jetzt werde ich sie eine ganze Weile nicht sehen können.

Was hat Ihnen die Familie mit auf den Weg gegeben?

Meine Frau hat einfach nur gesagt: ,Komm‘ gesund zurück, das ist die Hauptsache!’ Das ist ja auch nachvollziehbar. Meinen Kindern ist es egal, ob ich mit einer Medaille nach Hause komme oder nicht. Sie wollen einfach, dass der Papa da ist.

Und wie schön wäre es, mit einer Medaille nach Hause zu kommen?

Darüber müssen wir nicht reden, das wäre natürlich cool. Meine Frau hat gesagt: ,Wenn du zu Olympia fährst, muss sich das schon lohnen!‘ Und so ist es ja auch. Ich fahre jetzt nicht dahin, um sagen zu können, ich war bei den Olympischen Spielen dabei. Ich will Spiele gewinnen – und sollte ich das Gefühl haben, dass wir einen dabei haben, der nur das Ganze mal miterleben möchte, dann würde ich das eine oder andere Wort sagen. Man fährt ja dahin und will das Ding gewinnen.

Olympia-Sieger Brasilien, Saudi-Arabien und die Elfenbeinküste – das sind die Gruppengegner des deutschen Teams. Was wissen Sie über die Gegner?

Nicht so viel, aber gleich zum Auftakt Brasilien zu haben, das ist schon ein Brett. Da müssen wir uns teuer verkaufen. In diesem Spiel wird sich gleich zeigen, was für uns möglich ist. Die anderen beiden Gegner kann ich nicht so richtig einschätzen.

Haben Sie schon als Kind vorm TV bei den Olympischen Spielen mit den Athleten mitgefiebert?

Ja, das kann man so sagen. Speziell, wenn es Wettbewerbe mit deutscher Beteiligung gab. Und jetzt darf ich selbst dabei sein. Ich kann nur sagen: Damit geht für mich ein Traum in Erfüllung.

Und wie gut ist Ihr Japanisch?

Konnichi wa… (lacht). Das heißt ,Hallo‘ und ist uns allen bekannt. Sonst habe ich mich jetzt noch nicht so viel mit der japanischen Sprache auseinandergesetzt. Ich glaube, wir werden vor Ort auch nicht so viel Japanisch brauchen, weil ja auch alles auf Englisch beschrieben sein wird.

Haben Sie sich also nicht mit VfL-Markenbotschafter Pierre Littbarski, der ja lange in Japan gespielt hat, im Vorfeld der Spiele unterhalten?

Nein, jetzt vor der Abreise nicht. Aber ich habe mich dieser Tage an ein langes Gespräch mit ihm erinnert, da waren wir mit dem VfL in China und Litti hat mir in einem Gespräch am Flughafen was über Japan erzählt. Seitdem weiß ich über dieses Land alles (grinst). Er hat mir davon erzählt, wie höflich die Menschen dort sind und dass die Kultur besonders ist.

Zuschauer dürfen wegen Corona nicht in die Stadien. Wie traurig macht Sie das?

Wenn man jetzt an das Finale der Fußball-Europameisterschaft denkt und sich das volle Stadion in Erinnerung ruft – dann muss ich sagen: Ich verstehe es nicht, dass jetzt keine Zuschauer reindürfen. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Sie werden dem VfL lange fehlen: Was hat Ihnen der neue Trainer Mark van Bommel vor der Abreise gesagt?

Sowohl der Trainer als auch unser Manager Jörg Schmadtke haben gesagt, dass ich gesund wiederkommen soll. Und dass ich am besten nach der Vorrunde zurückkommen soll… (lacht). Aber das will ich nicht. Ich will ins Finale.