13. September 2020 / 21:39 Uhr

Wolfsburgs Aushilfs-Tor-Heldin Jakabfi: "Ich kenne meine Rolle"

Wolfsburgs Aushilfs-Tor-Heldin Jakabfi: "Ich kenne meine Rolle"

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Treffsicher: Zsanett Jakabfi, seit 2009 beim VfL Wolfsburg.
Treffsicher: Zsanett Jakabfi, seit 2009 beim VfL Wolfsburg. © AP
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Seit 2009 ist Zsanett Jakabfi schon beim VfL Wolfsburg, oft kommt sie nur als Joker zum Einsatz. Beim 4:1 in Hoffenheim wurde sie wieder einmal von Beginn an gebraucht - und war am Ende die Tor-Heldin des Spiels.

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Der letzte Dreierpack? Zsanett Jakabfi war überfragt. Die Stürmerin des hatte beim 4:1-Sieg des VfL Wolfsburg in Hoffenheim die Antwort auf die Stürmer-Frage beim Meister gegeben, in Sachen Statistik musste sie passen. Wichtiger: Jakabfi, sonst nicht immer erste Wahl beim VfL, ließ die Ausfälle von Ewa Pajor (Knie-OP) und Fridolina Rolfö (Gehirnerschütterung) zumindest in diesem Spiel mit drei Toren und einer Vorlage für Alexandra Popp vergessen.

Für die Ungarin waren es die Treffer 60, 61 und 62 im 173. Liga-Spiel für den VfL. Nach der Partie in Hoffenheim gab sie sich bescheiden: "Ich habe ja am Anfang direkt zwei dicke Chancen liegen gelassen. Ich denke, daran sollten wir arbeiten. Wir sollten die Chancen direkt nutzen und effizienter werden. Wir haben am heutigen Spielverlauf wieder gesehen, wie wichtig das ist."

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Der VfL erwischte den besseren Start, auch wenn Jakabfi vom Wetter etwas überrascht war, denn "plötzlich war es warm, doch das soll keine Ausrede sein". Die Sinsheimerinnen kamen durch VfL-Kandidatin Nicole Billa zwischenzeitlich noch einmal zurück. "Quasi aus dem Nichts", findet Jakabfi. Der VfL legte aber kurz vor der Pause nach. Das Allerwichtigste "war fast das 3:1, denn so konnte man ruhiger in die Pause gehen, das ist psychologisch sehr wichtig." Doch: "Ich bin unterm Strich wirklich sehr zufrieden mit dem Ergebnis, auch wenn es spielerisch vielleicht teilweise noch etwas Luft nach oben gibt. Wir haben verdient gewonnen."

Seit 2009 ist die 30-Jährige schon beim VfL und eine echte Identifikationsfigur im Wolfsburger Frauenfußball - auch wenn sie in den vergangenen Jahren oft nur als Joker zum Einsatz kam. Oder eben als Tor-Heldin aushelfen muss. "Ich kenne meine Rolle in dieser Mannschaft", so Jakabfi, "und ich versuche, immer mein Bestes zu geben und dem Team zu helfen." Und da sei es ganz egal, ob es "Tore schießen, vorbereiten oder einfach nur kämpfen ist."

Pernille Harder (erzielte am Sonntag beim 9:0-Sieg gegen Bristol ihr erstes Chelsea-Tor) ist nicht mehr da, Pajor und Rolfö fehlten wie schon im Liga-Auftakt gegen Essen. Trainer Stephan Lerch ließ sich was Neues einfallen, stellte Kapitänin Alexandra Popp mal wieder in die Spitze, dahinter agierte Jakabfi zusammen mit Svenja Huth und Felicitas Rauch in einem Offensiv-Trio. Es funktionierte - weil Jakabfi treffsicher war.

"Sie hat", so Kapitänin Popp, "einfach ihre Qualität, das wussten wir schon immer. Ganz egal, ob sie von Anfang an spielt oder von der Bank kommt, sie ist immer da. Es freut mich für sie persönlich sehr, dass sie das so bestätigen kann, auch den Trainern gegenüber." Zu bemängeln sei aber, dass der VfL vor der Pause "gerade in den Konter-Situationen von Hoffenheim nicht wach genug" war und dass in der zweiten Halbzeit dann "das eine oder andere Törchen mehr hätte fallen müssen". Zum Ende hin habe man gemerkt, dass "wir gerade bei der angestiegenen Temperatur etwas müder waren. Aber Kompliment an die Mannschaft - wir haben drei weitere Punkte eingefahren und können aufatmen."

Auch Lerch merkte an, dass sein Team nach dem 1:1 "teilweise Glück" hatte, aber: "Im zweiten Durchgang konnten wir nachlegen und sind am Ende dann doch souverän als Sieger vom Platz gegangen." Jetzt geht es in die Länderspiel-Pause, für den VfL ist das erste Etappenziel erreicht, der Meister hat (wie Bayern, Frankfurt und Leverkusen) nach zwei Spielen sechs Punkte auf dem Konto.

"Man muss betonen, was unsere Mannschaft in den letzten Wochen erreicht hat", findet Lecrh. "Es gab nur zwei Mannschaften die bis zum 6. Juli noch im Einsatz waren: Essen und wir. Anschließend hatten nur Bayern und wir eine kurze Vorbereitungszeit und waren dann beim Turnier in Spanien - wir bis zum Schluss. Da muss ich ein Kompliment an mein Team aussprechen, wie sie das alles gehandhabt haben. Auch wenn man die Verletzungen bedenkt. Dass wir nun mit sechs Punkten in die Abstellungsphase gehen, gibt uns viel Selbstvertrauen und ein gutes Gefühl."

Die VfL-Nationalspielerinnen reisen jetzt zu ihren Auswahlteams, unter anderem Popp, Huth, Rauch, Kathrin Hendrich und Lena Oberdorf zur DFB-Mannschaft. In der EM-Quali stehen die Partien in Essen gegen Irland (19. September, 14 Uhr live im ZDF) und auswärts in Montenegro (22. September, 16 Uhr live in der ARD) an. Gegen Montenegro allerdings werden Popp, Huth und Hendrich aufgrund der vielen Spielzeit in den letzten Wochen geschont.

TSG: Dilfer - Rall, Wienroither, Naschenweng (76. Görlitz) - Waßmuth (64. Brand), Harsch, Dongus, Krumbiegel (83. Fühner) - Lattwein - Beuschlein (63. Hagel), Billa (75. Steinert).

VfL: Kiedrzynek - Wedemeyer (74. Gräwe), Janssen, Goeßling, Rauch (62. Wolter) - Engen (62. Dickenmann), Oberdorf (86. Cordes) - Jakabfi, Huth (77. Blässe), Rauch - Popp.

Tore: 0:1 (12.) Jakabfi, 1:1 (28.) Billa, 1:2 (44.) Jakabfi, 1:3 (45.+2) Popp, 1:4 (53.) Jakabfi

Zuschauer: 230.

Schiedsrichterin: Wacker (Marbach am Neckar).