20. April 2021 / 21:59 Uhr

Wolfsburg oder Bayern? Warum der Frauenfußball-Titel 2021 wichtiger ist denn je

Wolfsburg oder Bayern? Warum der Frauenfußball-Titel 2021 wichtiger ist denn je

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Die Schale rückt näher: Bayern (l. Sarah Zadrazil) spielt am Mittwoch in Potsdam, der VfL (r. Alexandra Popp) am Sonntag in Duisburg.
Die Schale rückt näher: Bayern (l. Sarah Zadrazil) spielt am Mittwoch in Potsdam, der VfL (r. Alexandra Popp) am Sonntag in Duisburg. © Boris Baschin
Anzeige

Beide haben noch ein Bundesliga-Spiel, ehe das direkte Duell ansteht: Der VfL Wolfsburg und der FC Bayern München kämpfen um die deutsche Frauenfußball-Meisterschaft. Der Titel ist in diesem Jahr wichtiger als zuvor.

Holt der VfL Wolfsburg seinen fünften Meistertitel in Folge? Oder bekommt der FC Bayern zum ersten Mal seit 2016 wieder die Schale? Das Rennen in der Frauenfußball-Bundesliga ist seit der Niederlage der Münchnerinnen am vergangenen Wochenende wieder komplett offen. Und der Titel ist in diesem Jahr mehr wert denn je. Denn nur der Meister qualifiziert sich direkt für die Gruppenphase der reformierten Champions League, die ab der kommenden Saison für die Klubs deutlich lukrativer wird und dank Zentralvermarktung und neuem Format Einnahmen jenseits der Millionen-Grenze möglich macht.

Anzeige

Aktuell ist der VfL zwei Punkte hinter den Bayern Zweiter. Als Vizemeister müsste er vor der CL-Gruppenphase zu Beginn der neuen Saison eine Quali-Runde spielen. Weil diese Quali-Runde im "Champions-Weg" und "Liga-Weg" unterteilt ist, könnte Wolfsburg dann nicht auf den Meister aus einem Land mit schlechterem UEFA-Koeffizienten treffen (etwa Österreich, Rumänien oder Zypern) - sondern auf einen Zweit- oder Drittplatzierten aus den Top-Ligen. Nach den aktuellen Tabellenständen kommen da beispielsweise Königsklassen-Dauersieger Olympique Lyon, Real Madrid oder Manchester City infrage. Eine Setzliste könnte solche Knaller-Spiele in der Qualifikation verhindern - ob es die gibt, steht aber noch nicht fest.

"Diese Quali-Runde würde unter der Woche während der ersten vier Bundesliga-Spieltage ausgetragen werden", so Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Frauen. "Das ist in einer sehr herausfordernden Saison-Vorbereitung nicht ohne - vor allem, weil wir dann einen erheblich veränderten Kader und ein neues Trainerteam haben, kurz zuvor werden zudem noch einige Spielerinnen bei Olympia sein."

Anzeige

Die Teilnahme an der Gruppenphase wäre enorm wichtig - denn Kellermann erwartet, dass sich ähnlich wie bei den Männern die finanzielle Kluft zwischen Champions-League-Teilnehmern und anderen Klubs sehr viel größer werden kann. "Unser Kader ist für die Teilnahme an drei Wettbewerben zusammengestellt. Die Champions-League-Gruppenphase in einem Jahr oder sogar zwei Jahre zu verpassen, würde unsere Konkurrenzfähigkeit nachhaltig beeinträchtigen." Im Konzert der internationalen Top-Klubs mitzuspielen, sei darum "wichtiger als in den Jahren zuvor".

Und so geht der Blick am Mittwochabend nach Potsdam, wo der FC Bayern bei Turbine antritt. Am Sonntag (dann bestreitet der FCB sein CL-Halbfinal-Hinspiel gegen Chelsea) zieht dann der VfL mit der Partie bei Schlusslicht Duisburg nach, ehe eine Woche später in Wolfsburg das direkte Duell der beiden Titelkandidaten ansteht. Bringt dieses Aufeinandertreffen die Entscheidung? "Nicht unbedingt", schränkt Kellermann ein. "Wir spielen danach unter anderem noch gegen Frankfurt, die Bayern noch in Leverkusen. Das sind keine Selbstgänger."

Die Bayern haben bereits in Potsdam ein Spiel, das es in sich hat - und müssen nach einer monatelangen Siegesserie die Niederlagen im Pokal in Wolfsburg und in der Liga gegen Hoffenheim wegstecken. FCB-Trainer Jens Scheuer: „Wir haben viele Einzelgespräche geführt, damit wir alle bestmöglich analysieren konnten, was im Hoffenheim-Spiel passiert ist. Wir haben vielleicht einen Schritt zurück gemacht, aber wollen jetzt umso mehr zwei Schritte nach vorne machen!"