22. April 2021 / 22:45 Uhr

Wolfsburg bleibt sparsam: Keine Stars für die Champions League

Wolfsburg bleibt sparsam: Keine Stars für die Champions League

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Auch für die Champions League: Statt an Stars wie Draxler (l.) denkt der VfL eher an Perspektivspieler wie Omeragic, van de Ven oder Beto (r. von oben).
Auch für die Champions League: Statt an Stars wie Draxler (l.) denkt der VfL eher an Perspektivspieler wie Omeragic, van de Ven oder Beto (r. von oben). © Boris Baschin
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Ab in die Champions League - und dann den Kader ordentlich aufrüsten? Der VfL Wolfsburg will im Falle einer Königsklassen-Qualifikation diesen Weg nicht gehen. Manager Jörg Schmadtke mahnt: "Wir dürfen uns nicht in Abhängigkeiten begeben."

Der Einzug in die Champions League wird für den VfL Wolfsburg immer realistischer. Bei einem Sieg am Samstag gegen Borussia Dortmund würde der Puffer auf acht Punkte anwachsen - bei dann noch drei ausstehenden Spielen. Und selbst bei einer Niederlage würde der VfL immer noch mindestens als Vierter in die restlichen Saisonpartien gegen Union Berlin, in Leipzig und gegen Mainz gehen. Da drängt sich die Frage auf: Muss man langsam für die Königsklasse planen? VfL-Manager Jörg Schmadtke winkt erst einmal ab. "Das würde ja bedeuten, dass unsere Planungen mit Champions League grundsätzlich anders wären als ohne. Und dem ist nicht so." Heißt: Auch wenn der VfL im Konzert der ganz Großen mitspielen sollte, wird der Kader nicht mit teuren Neuzugängen aufgepäppelt.

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Vor sechs Jahren schaffte der VfL zuletzt den Sprung in die Champions League - und hantierte zu der Zeit noch mit ganz anderen Transferumsätzen als heute. Kevin De Bruyne ging für knapp 80 Millionen Euro zu Manchester City, außerdem verließ mit Ivan Perisic eine weitere Offensiv-Stammkraft den Klub. Geholt wurden drei Stars, die den Kader auf europäisches Niveau hieven sollten: Julian Draxler aus Schalke, Max Kruse aus Gladbach, Dante von den Bayern. Und es kam Nicklas Bendtner, dessen fußballerische Qualität deutlich unter seinem Bekanntheitsgrad lag - und dort auch blieb.

Draxler, Kruse, Dante - alle drei waren nach spätestens eineinhalb Jahren wieder weg, alle wurden mit Verlust verkauft, der VfL freute sich vor allem über die gesparten Gehälter. Als Folge dieser nicht nachhaltigen Transferpolitik gerieten die Wolfsburger in sportlich und wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser, schafften zweimal nur über die Relegation den Klassenerhalt, obwohl der Kader auch ohne Draxler und Co. immer noch teuer war.

Seit Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer das sportliche Sagen haben, will man von Star-Einkäufen beim VfL nicht mehr viel wissen. Und das soll sich auch nicht ändern. "Unsere Planungen sind nicht von Kurzfristigkeit geprägt", sagt Schmadtke. Natürliche verändere die Teilnahme an der Champions League "die Einnahmenseiten", wie er sagt. Schon die Gruppenphase kann durch Start- und Siegprämie leicht über 20 Millionen Euro einbringen, beim Erreichen der K.o.-Runde kann es schnell doppelt so viel werden. Aber: "Wir werden keinen teuren Apparat aufblasen, nur weil wir einmal in der Champions League sind", so Schmadtke. "Sonst würden wir uns schnell in die Bredouille bringen, das wir das jedes Jahr erreichen müssen - nur, um unseren Kader bezahlen zu können."

Statt Stars also lieber weiter Spieler, die sich in Wolfsburgs zu Stars entwickeln können. Dass das angesichts der möglicherweise übermächtigen Champions-League-Kokurrenz ein Spagat werden könnte, weiß Schmadtke natürlich. Trotzdem müsse man vor allem "aufpassen, dass man sich nicht in Abhängigkeiten begibt, die den Klub in schwieriges Fahrwasser führen". Sprich: Dass man keine Spieler mit hohen Gehältern nach Wolfsburg lockt - und dann diese Gehälter nur noch mit Mühe oder gar nicht refinanzieren kann.

Für Schmadtke ist dieser Ansatz keine Lehre aus der Wolfsburger Vergangenheit, sondern "eher eine eigene Grundüberzeugung". Dass sich dieser VfL-Ansatz bereits rumgesprochen hat, zeigt ein Blick in die Transfergerüchte-Küche. Dort geht es trotz der Wolfsburger Königsklassen-Perspektive vor allem um eher unbekannte Spieler, denen eine starke Entwicklung zugetraut wird. Becir Omeragic (19) etwa, Verteidiger vom FC Zürich, gehört dazu, oder auch Micky van de Ven (20, ebenfalls Verteidiger) vom holländischen Zweitligisten FC Volendam und Stürmer Beto (23) von Portimonense SC in Portugal. "Es wird offenbar erkannt, dass das, was wir erzählen, zu dem passt, was wir tun", sagt Schmadtke. Was nicht heißt, dass die genannten jungen Spieler allesamt heiße Kandidaten für einen Wechsel nach Wolfsburg sind. Interessant sind sie für Wolfsburg allemal - aber "im Moment", so der Manager, "steckt da noch mehr Fantasie drin als Realität".