30. März 2019 / 19:38 Uhr

Fragwürdiger Freistoß, Mauer zu weit weg: VfL Wolfsburg flucht über erstes Gegentor

Fragwürdiger Freistoß, Mauer zu weit weg: VfL Wolfsburg flucht über erstes Gegentor

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Die Wolfsburger Spieler belagerten Referee Markus Schmidt nach dem 0:1.
Die Wolfsburger Spieler belagerten Referee Markus Schmidt nach dem 0:1. © 2019 Getty Images
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89 Minuten lang hatte der VfL Wolfsburg beim 0:2 (0:0) Borussia Dortmund ein ordentliches Spiel gemacht - doch am Ende stand die Ernüchterung. Ausschlaggebend war der Freistoß, den BVB-Star Paco Alcacer kurz vor dem Schlusspfiff zur Führung ins Tor des Fußball-Bundesligisten hämmerte - und über den ärgerten sich die VfLer anschließend maßlos.

Geackert, gekämpft und sich selbst Torchancen herausgespielt: Beim Tabellenführer zeigten die Wolfsburger ein richtig gutes Auswärtsspiel. Doch die Belohnung für einen aufopferungsvollen Auftritt gab es nicht. Im Blickpunkt: Schiedsrichter Markus Schmidt.

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"Wenn man das Spiel gesehen hat, sieht man, dass Dortmund schnell gefallen ist. Und dann in der 90. Minute so einen Freistoß zu geben...", sagte Maximilian Arnold. Gemeint ist das vermeintliche Foul von John Anthony Brooks an Alcacer, der die leichte Berührung dankend annahm. "Der Stürmer wollte das Foul ziehen, den muss man nicht geben", sagte VfL-Coach Bruno Labbadia. Das sah auch Arnold so: "Ich rede ungern über den Schiedsrichter, weil man das nicht macht. Jeder hat mal einen schlechten Tag. Aber Hut ab, dann noch mit so einem Selbstverständnis weiterzumachen..."

VfL Wolfsburg beim BVB: Die Stimmen zum Spiel

<b>Daniel Ginczek:</b> Es wäre sogar mehr als ein Punkt drin gewesen. In den ersten 30 Minuten haben wir nichts zugelassen. Dann war klar, dass Dortmund Druck macht, aber wir haben richtig gut gestanden. Negativ ist lediglich, dass wir selbst nicht so oft vor das gegnerische Tor gekommen sind.  Zur Galerie
Daniel Ginczek: Es wäre sogar mehr als ein Punkt drin gewesen. In den ersten 30 Minuten haben wir nichts zugelassen. Dann war klar, dass Dortmund Druck macht, aber wir haben richtig gut gestanden. Negativ ist lediglich, dass wir selbst nicht so oft vor das gegnerische Tor gekommen sind.  ©

"Jeder kann sich mal vertun, aber das war eine wichtige Situation"

Doch mit dem Pfiff nicht genug: Der Ärger nahm seinen Lauf, als der Unparteiische die Mauer stellte. "Ich weiß nicht, was der Schiri macht, aber die Mauer stand nur fünf Meter vorm Tor. Und wenn der Freistoß außerhalb des Sechzehners ist, ist das viel zu weit. Das verstehe ich nicht", ärgerte sich VfL-Torwart Koen Casteels und ergänzte: "Jeder kann sich mal vertun, aber das war eine wichtige Situation. Dann lasse ich mir doch eine Minute länger Zeit und messe es noch mal ab. Ich habe noch geschrien, dass die Mauer viel zu weit weg ist."

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Bilder zum Bundesligaspiel Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg

Wout Weghorst hadert nach einer vergebenen Chance. Zur Galerie
Wout Weghorst hadert nach einer vergebenen Chance. ©

Schiri-Experte Merk stützt Wolfsburger Kritik

Arnold ärgerte sich massiv: "Die Mauer stand gefühlt zwölf Meter weg. Wir haben so viele Möglichkeiten, Videobeweis, etc. Das ist alles viel zu viel. Wir wissen schon gar nicht mehr, wann wir den einsätzen und wann nicht. Wir sollten uns mal wieder aufs Wesentliche konzentrieren."

Doch aller Protest der Wolfsburger half nichts. "Ich habe mich schon gewundert, wieso die Mannschaft immer wieder aus der Mauer geht. Aber der Abstand war viel zu groß", sagte Labbadia, der nach dem Schlusspfiff auch noch mal das Gespräch mit dem Schiedsrichter suchte. "Ich habe noch mal ganz normal mit ihm geredet, das macht ja auch niemand absichtlich." Schiedsrichter-Experte Markus Merk hielt den Wolfsburger Ärger für berechtigt und pflichtete dem VfL-Coach bei. "Bruno Labbadia hat vollkommen recht. 10,50 Meter sind zu viel", sagte er bei Sky.

Die "Wölfe" in Noten: So waren die Spieler des VfL Wolfsburg in Dortmund in Form

Koen Casteels: Der Torhüter verlebte eine ruhige erste Halbzeit, diente vor allem als Anspielstation für seine Vorderleute. Nach der Pause war öfter gefordert und löste die Situationen souverän. Beim ersten Gegentor mit unglücklicher Figur, beim zweiten machtlos. - Note: 4 Zur Galerie
Koen Casteels: Der Torhüter verlebte eine ruhige erste Halbzeit, diente vor allem als Anspielstation für seine Vorderleute. Nach der Pause war öfter gefordert und löste die Situationen souverän. Beim ersten Gegentor mit unglücklicher Figur, beim zweiten machtlos. - Note: 4 ©

Labbadia stellt Mannschaft ein Lob aus

Schmidt korrigierte sich aber nicht und es kam, wie es kommen musste. Alcacers Freistoß fand den Weg durch die Mauer ins Tor. "Dass der Ball dann noch abgefälscht wird ist bitter. Renato versucht, den Ball zu blocken, aber er geht von seiner Hüfte seitlich weg", so Casteels. Und: "Wenn er nicht abgefälscht worden wäre, wäre es kein Problem gewesen. Aber wenn der Ball mit dieser Geschwindigkeit noch die Richtung verändert, ist es schwer zu halten."

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So war die Pleite besiegelt. Labbadia stellte seinen Jungs dennoch ein gutes Zeugnis aus: "Die Mannschaft es top gemacht. Wir waren dem Sieg am Ende soger näher als Dortmund. Das ist eine extrem bittere Niederlage."