02. Juni 2021 / 19:27 Uhr

Wolfsburg-Boss Schmadtke: Van Bommel hat mehr Erfahrung als man glaubt

Wolfsburg-Boss Schmadtke: Van Bommel hat mehr Erfahrung als man glaubt

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Mark van Bommel war der Wunschtrainer von Wolfsburg-Manager Jörg Schmadtke (l.).
Mark van Bommel war der Wunschtrainer von Wolfsburg-Manager Jörg Schmadtke (l.). © Armando Franca/AP/dpa
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Seine Trainer-Vita ist überschaubar - und doch ist Mark van Bommel genau der Richtige für den VfL Wolfsburg, findet Manager Jörg Schmadtke. Denn: "Er hat sich länger mit Trainerfragen beschäftigt als der eine oder andere vielleicht glaubt."

Die Überraschungen liegen ja oft im Detail. Dass Mark van Bommel neue Cheftrainer des VfL Wolfsburg wird, war klar - vom Verein gab es gestern die offizielle Vollzugsmeldung. Dass Kevin Hofland in der Rolle des Co-Trainers zu seinem alten Verein zurückkehrt, hatte sich ebenfalls angebahnt, dass zudem Alex Abresch und Vincent Heilmann vom PSV Eindhoven nach Wolfsburg wechseln, war auch keine wirkliche Neuigkeit mehr. Dass aber auch Michael Frontzeck Co-Trainer des VfL wird, überraschte dann doch.

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Der Chef hat mehr Erfahrung als Spieler als er als Trainer hat, kennt zudem Wolfsburg (noch) nicht - das gleichen Frontzeck und Hofland aus. Van Bommel selbst war, das zeichnete sich früh ab, die Wunschlösung von Manager Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer. Schon als rund um den letzten Liga-Spieltag der Abschied von Oliver Glasner Richtung Frankfurt konkreter wurde, war die Verpflichtung des Niederländers quasi perfekt - oder, wie Schmadtke es ausdrückt, "die Wahrscheinlichkeit sehr hoch", dass der ehemalige Bayern-Star nach Wolfsburg kommt.

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Denn Gespräche mit ihm gab es schon seit geraumer Zeit. Zunächst, so versichert Schmadtke, eher allgemein, denn: "Wir machen uns immer Gedanken, sprechen immer mal wieder mit Trainern, um zu schauen, wie sie drauf sind, wie sie den Fußball sehen, welche Ideen sie haben." Und das nicht nur, um bei nächster Gelegenheit einen VfL-Trainervertrag zu zücken, sondern "um eigene Dinge zu hinterfragen, vielleicht mal eine andere Sichtweise zu hören. Unter diesem Aspekt haben wir uns mit Mark beschäftigt."

Nun bekommt der VfL einen Chefcoach, der sich sein Standing als solcher erst noch erarbeiten muss. Seine Übungsleiter-Vita ist überschaubar: Bei der PSV Eindhoven, für die er selbst gespielt hatte, legte er er eine gute Saison 2018/19 hin (Vizemeisterschaft), nach einem mauen Start in die Spielzeit danach musste er gehen. Zuvor war er Nachwuchscoach und Co-Trainer der Nationalmannschaften von Saudi-Arabien und Australien, jeweils unter seinem Schwiegervater Bert van Marwijk als Chef. Ein überschaubarer Erfahrungsschatz? Das täuscht, meint Schmadtke: "Er hat im Jugend- und Seniorenbereich gearbeitet, war Co-Trainer bei seinem Schwiegervater und hat sich mit ihm auch schon während seiner aktiven Zeit ausgetauscht. Er hat sich länger mit Trainerfragen beschäftigt als der eine oder andere vielleicht glaubt."

Als Niederländer steh van Bommel bis zum Beweis des Gegenteils erst einmal für Offensivfußball, gern im 4-3-3-System. Eine fehlende Balance zwischen Angriff und Abwehr wurde ihm in Eindhoven immer mal wieder vorgehalten. "Er muss", findet Sky-Experte und Landsmann Erik Meijer, seinen attraktiven niederländischen Fußball-Ansatz nun "mit deutscher Soße übergießen", sprich: "Nicht nur attraktiv, sondern auch effektiv" spielen lassen.

Erklären sollte er es gut können: 2010 verlieh ihm die Freie Universität Amsterdam einen Sprachenpreis - weil er von niederländischen Nationalspielern die beste Rhetorik habe und auffallend wenig Floskeln verwende. Wichtiger so Schmadtke, sei aber die Erfahrung einer erfolgreichen Profi-Karriere in Eindhoven, Barcelona, München und Mailand: "Er kennt die Situation in der Kabine sehr gut - und er kann die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Es gibt ja auch welche, die ihr fußballerisches Potenzial nicht in einen Lehrauftrag umsetzen können, diese Gefahr sehen wir bei ihm überhaupt nicht."


Und so stehe unterm Strich das, was Schmadtke am Mittwoch um 12 Uhr, dem Zeitpunkt der Verkündung durch den VfL, via Hommage als sein Statement übermittelte, das keine Überraschungen mehr enthielt: „Wir haben uns intensiv mit Mark van Bommel beschäftigt und die persönlichen Gespräche haben unseren Eindruck bestätigt, dass er perfekt zu unserer Philosophie passt. Er ist ein international anerkannter Fußball-Fachmann und weiß, was ihn in der Bundesliga erwartet. Zudem hat er einen enormen Ehrgeiz, der ihn schon in seiner langjährigen Spielerkarriere ausgezeichnet hat. Mark van Bommel ist unsere Wunschlösung und wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam mit ihm und seinem Trainerteam den erfolgreichen Weg des VfL weitergehen können."