27. September 2017 / 17:25 Uhr

VfL Wolfsburg: Camacho ist der König der Abräumer

VfL Wolfsburg: Camacho ist der König der Abräumer

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ignacio Camacho und seine Zweikampfstatistik beim VfL Wolfsburg
Ignacio Camacho und seine Zweikampfstatistik beim VfL Wolfsburg
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Es ist noch nicht lange her, da sagte Ex-VfL-Trainer Andries Jonker über Ignacio Camacho, dass der Spanier des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten "keine Angst in den Zweikämpfen" habe und dass er "keine Rücksicht auf seine Zähne" nehme, wenn er mal wieder ein Duell in der Luft anginge. "Das stimmt", sagt wiederum der resolute VfL-Mittelfeldspieler, der in der Liga der König der Abräumer ist.

Camachos Zahlen nach den ersten sechs Spielen in der Bundesliga sind beeindruckend: Der 27-Jährige hat 74,6 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen - kein anderer Spieler in der Liga ist da momentan besser. Nicht einmal Wolfsburgs ehemaliger Abwehrchef Naldo (Schalke, 72,7 Prozent) kommt da ran. Ebenfalls top ist Camacho bei der Balleroberung. 28 Mal hat er seinen Gegenspielern bislang das Leder geklaut - auch hier ist keiner besser. Der Spanier geht mit derlei Top-Statistiken ganz gelassen um. "Ich wusste das nicht", sagt er ganz unaufgeregt. Er freue sich darüber, meint er einerseits, "aber andererseits ist das meine Arbeit auf dem Platz", fügt er hinzu. "Zweikämpfe gehören zu meiner Aufgabe dazu."

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Eine Karriere in Bildern: Das ist Ignacio Camacho.

Mit der U17- und U21-Nationalmannschaft von Spanien wurde Camacho Europameister. Hier versucht er sich 2007 gegen Toni Kroos durchzusetzen. Zur Galerie
Mit der U17- und U21-Nationalmannschaft von Spanien wurde Camacho Europameister. Hier versucht er sich 2007 gegen Toni Kroos durchzusetzen. ©

Aber Camacho wäre nicht Camacho, wenn er nicht doch etwas zu meckern hätte. "Es geht alles noch besser, es ist noch nicht perfekt", so der Neuzugang, der unter Jonker in der Dreier-Abwehrkette eine Art Libero gespielt hatte. Unter Martin Schmidt räumt Cama, wie sie ihn rufen, wieder vor der Abwehr ab. Hart gegenüber sich selbst, hart gegenüber den Gegenspielern. Beim 2:2 in München hatte er einen Tritt von Arturo Vidal aufs Knie hinnehmen müssen. Aber Camacho biss auf die Zähne, machte weiter und war ein Faktor dafür, dass es im 21. Jahr Bundesliga endlich den zweiten Punktgewinn bei den Bayern gab. "Ich möchte keinem weh tun - das sieht man auf dem Platz. Ich habe erst eine Gelbe Karte kassiert, dabei hatten viele geglaubt, es würden jetzt schon mehr sein", sagt er schmunzelnd.

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Platz 5: Lamine Sané (Werder Bremen) Zur Galerie
Platz 5: Lamine Sané (Werder Bremen) ©

Zurzeit lernt er fleißig Deutsch, am Mittwoch erstmals zusammen mit seinen Kollegen beim VfL, die ebenfalls vor der Saison gekommen waren. 90 Minuten lang wurde gepaukt. Wer ist der beste Schüler? Camacho wollte es nicht verraten, er erklärte nur: "Für die belgischen Spieler ist es leichter, sie haben Vorteile gegenüber einem Spanier." Camacho grinste dabei und meinte weiter: "Mein Fußball-Deutsch wird von Tag zu Tag besser, alles andere kommt schon noch."

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"Mama sagt mir vor jedem Spiel, dass ich mit allen Zähnen wieder den Platz verlassen muss..."

Mit Schmidt für Jonker hat er schon nach kürzester Zeit beim VfL einen Trainerwechsel miterleben müssen. Mit dem Schweizer hat der VfL einen komplett anderen Typen als Jonker geholt. Einen, der über die Emotion kommt. "Er lebt alles mit an der Außenlinie, das ist sehr gut für die Intensität auf dem Platz", sagt Camacho über den 50-Jährigen, der sein Team immer wieder pusht. Bei Schmidt trägt der Ex-Kicker des FC Malaga die Kapitänsbinde. "Das ist eine große Ehre und macht mich stolz", so der Führungsspieler, der jedoch "kein Problem" damit hat, die Binde wieder an Mario Gomez abzugeben, wenn der nach seiner Verletzung wieder zurück ist.

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Koen Casteels: Bei den Gegentoren machtlos, ohne Gelegenheit, sich groß auszuzeichnen. - Note 4 ©

Bleibt noch die Frage, ob er wegen seines körperbetonten Spiels schon mal einen Zahn verloren hat. "Noch nie", sagt er schmunzelnd. "Ehrlich gesagt habe ich davor Angst, weil meine Mama dann mit mir schimpfen würde, denn sie sagt mir vor jedem Spiel, dass ich mit allen Zähnen wieder den Platz verlassen muss."