26. April 2021 / 14:41 Uhr

Wolfsburgs Chronik der angekündigten Abschiede: Was passiert, wenn der Trainer gehen wird?

Wolfsburgs Chronik der angekündigten Abschiede: Was passiert, wenn der Trainer gehen wird?

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Kündigten früh den Abschied aus Wolfsburg an: Wolfgang Wolf, Felix Magath und Bruno Labbadia (v. l.).
Kündigten früh den Abschied aus Wolfsburg an: Wolfgang Wolf, Felix Magath und Bruno Labbadia (v. l.). © Roland Hermstein / dpa
Anzeige

Das Trainer-Karussell der Bundesliga nimmt weiter Fahrt auf. Immer noch ist unklar, ob Oliver Glasner Trainer beim VfL Wolfsburg bleibt - oder auf dieses Karussell aufspringt. Aber ist es eigentlich ein Problem, wenn ein Übungsleiter während der Rückrunde sagt, dass er gehen wird? Ein Blick in die VfL-Geschichte zeigt: Zumindest zwei Wolfsburger Trainer feierten nach dem angekündigten Abschied einen Riesen-Erfolg.

Borussia Mönchengladbach hat's gemacht, Eintracht Frankfurt hat's gemacht, die Bayern sind gerade dabei, der VfL Wolfsburg hat's noch nicht gemacht: Angekündigte Trainerwechsel zum Saisonende haben ihre Tücken. Aktuell ist beim VfL offen, ob Oliver Glasner auch in der kommenden Spielzeit Wolfsburgs Coach ist. Der Österreicher, der über eine Ausstiegsklausel aus dem bis 2022 laufenden Vertrag verfügen soll, gibt sich weiter vage. Und die Aussage von Jörg Schmadtke, man gehe davon aus, "in dieser Konstellation in die nächste Saison" zu gehen, ist kaum mehr als der branchenübliche Hinweis auf die eigentliche Vertragsdauer.

Anzeige

Dass über Glasners Zukunft spekuliert wird, liegt vor allem am Bundesliga-Trainer-Karussell, das weiter Fahrt aufnimmt. Der FC Bayern versucht, Julian Nagelsmann von RB Leipzig loszueisen. Als möglicher Nachfolger gilt bei den Sachsen schon länger Jesse Marsch, aktuell noch bei der RB-Schwester in Salzburg auf der Bank. Und in Salzburg wiederum gehört Glaser zu den Top-Kandidaten, falls die Chefcoach-Position neu besetzt werden muss. Bisher ging man in der Mozartstadt davon aus, dass eine Marsch-Entscheidung erst nach dem Finale des ÖFB-Pokals am kommenden Wochenende fällt. Inwieweit eine neue Dynamik in der Causa Bayern/Nagelsmann diesen Zeitplan ändern könnte ist offen.

Darum wechselten die Trainer des VfL Wolfsburg

1997/98: Aufstiegstrainer <b>Willi Reimann</b> wurde im Team respektiert, herzlich war sein Umgang mit den Spielern nie. Nach der Winterpause wurden Risse sichtbar; als die WAZ enthüllte, dass Manager Peter Pander Reimanns Defizite im Umgang mit den Spielern ausgleichen sollte, war der Trainer sauer („Dann kann ich ja hinwerfen“), der VfL nahm die Aussage als Rücktritt. Uwe Erkenbrecher wurde für ein Spiel Interimscoach, dann folgte <b>Wolfgang Wolf</b>, der mit drei 1:0-Siegen in Folge startete. Zur Galerie
1997/98: Aufstiegstrainer Willi Reimann wurde im Team respektiert, herzlich war sein Umgang mit den Spielern nie. Nach der Winterpause wurden Risse sichtbar; als die WAZ enthüllte, dass Manager Peter Pander Reimanns Defizite im Umgang mit den Spielern ausgleichen sollte, war der Trainer sauer („Dann kann ich ja hinwerfen“), der VfL nahm die Aussage als Rücktritt. Uwe Erkenbrecher wurde für ein Spiel Interimscoach, dann folgte Wolfgang Wolf, der mit drei 1:0-Siegen in Folge startete. ©

Glasner, der auch schon bei den Bayern, in Leverkusen und in Frankfurt im Gespräch war (und natürlich auch ein Kandidat in Leipzig werden könnte), versucht weiterhin, das Thema nicht zu groß werden zu lassen. Schon vor dem Stuttgart-Spiel bat er um Verständnis: Angesichts des großen Ziels Champions League wolle er "den totalen Fokus auf unsere Mannschaft und die Aufgaben" richten und "keine Gerüchte mehr kommentieren".

Trotzdem gilt: Eine Abschieds-Ankündigung seinerseits ist weiterhin denkbar. Und wäre es wirklich so schlimm, wenn sie vor dem letzten Spielen erfolgen würde? Ein Blick in die Wolfsburger Vergangenheit zeigt: Angekündigte Trainer-Abschiede können ein Problem sein - müssen es aber nicht. Dreimal gab es in der Bundesliga-Geschichte des VfL Trainer, deren Abgang zum Saisonende während der Rückrunde feststand und öffentlich verkündet wurde. Beim ersten - Wolfgang Wolf - ging das zumindest für den Übungsleiter selbst nicht gut aus. In den beiden anderen Fällen gab's große Triumphe.

Anzeige

Wolfgang Wolf: Kurz vor Weihnachten 2002 enthüllte die AZ/WAZ, dass der zum Saisonende auslaufende Trainer-Vertrag nicht verlängert wird, nach den Feiertagen gab es die Bestätigung vom Verein. Von den dann folgenden sechs Spielen gewann der VfL nur eines, nach einem traurigen 1:1 in Nürnberg musste Wolf nach fünf Amtsjahren vorzeitig gehen - auch weil er interne Machtkämpfe rund um Star-Verpflichtung Stefan Effenberg angesichts des eigenen Abschieds nicht mehr nachhaltig moderieren konnte. Nachfolger wurde Jürgen Röber. Für die Idee, Joachim Löw zu verpflichten, bekam Manager Peter Pander Vereins-intern keine Mehrheit.

Felix Magath: Noch bevor der VfL in der Saison 2008/09 auf Meisterkurs war, gab es Gerüchte um einen Magath-Abschied zum Saisonende. Per geheim gehaltener Option konnte der Trainer-Manager aus seinem bis 2010 laufenden Vertrag raus - und machte davon Gebrauch, um zu Schalke zu wechseln. Vier Wochen nach dem legendären 5:1 gegen die Bayern kamen mehr und mehr Details ans Licht, nach einem 4:0-Sieg gegen Hoffenheim wurde der Wechsel Magaths nach Gelsenkirchen offiziell. Der VfL verlor anschließend zwar 1:4 in Stuttgart, blieb aber Tabellenführer - und sicherte sich auch dank einer Jetzt-erst-recht-Stimmung im Kader in den drei restlichen Partien (3:0 gegen Dortmund, 5:0 in Hannover, 5:1 gegen Bremen) den Titel.

Bruno Labbadia: Erst rettete er den VfL, dann führte er ihn 2019 in die Europa League - auch wenn früh in der Rückrunde klar wurde, dass sein Verhältnis zu Manager Jörg Schmadtke nicht gut war. Schmadtke überließ die Entscheidung über Labbadias Zukunft dem Trainer - und der Coach teilte dem Verein am 11. März 2019 (zwei Tage nach einem 0:6 bei den Bayern) mit, dass er seinen Vertrag nicht verlängern will. Der VfL war zu dem Zeitpunkt Siebter, gewann aber fünf der restlichen zehn Saisonspiele und beendete die Spielzeit als Sechster. Das Verhältnis des Trainers zur Mannschaft blieb die ganze Zeit intakt, nach dem 8:1-Rekord-Sieg beim Saisonfinale gegen Augsburg feierten die Profis ihren scheidenden Übungsleiter ausgiebig.

Klar ist: Sollte Glasner gehen, hätte ein Nachfolger die angenehme Situation, im Sommer den neuen Job anzutreten - das ist für viele Trainer erstrebenswerter als ein Einstieg während der Spielzeit. Ein Sommer-Start ins Amt ist aber keine Garantie für eine gute Amtszeit in Wolfsburg. Glasner ist erst der fünfte Trainer, der beim VfL so beginnen durfte. Bei dreien (Holger Fach 2005, Armin Veh 2009, Steve McClaren 2010) ging es alles andere als gut aus. Einzige Ausnahme bisher: Felix Magath kam zu Saisonbeginn 2007, führte den VfL in seinem ersten Jahr in die Europa League und in seinem zweiten Jahr zur Meisterschaft. Glasner kann mit einem Einzug in die Champions League die zweite Ausnahme werden.

[Anzeige] Kein Bundesliga-Spiel verpassen: Checke hier die aktuellen Streaming-Angebote von WOW/Sky und DAZN.