07. Juni 2018 / 19:00 Uhr

VfL Wolfsburg: Das große Abschiedsinterview mit Max Grün

VfL Wolfsburg: Das große Abschiedsinterview mit Max Grün

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Foto: Roland Hermstein, Berlin, Olympiastadion, Fußball, DFB-Pokal, Pokal-Finale, Endspiel, Borussia Dortmund-VfL Wolfsburg, Ergebnis 1:3,
Verlässt den VfL nach fünf Jahren: Max Grün.
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Max Grün – nach fünf Jahren VfL wurde der Vertrag des Torhüters nicht verlängert. Zwölfmal spielte er für den VfL, kassierte dabei 15 Gegentore und spielte dreimal zu null. Obwohl er beim Wolfsburger Fußball-Bundesligisten nie zur Nummer 1 im Tor aufsteigen konnte, war er fürs Team unglaublich wichtig. Sein Wort (er gehörte zum Mannschaftsrat) hatte Gewicht. Im Abschieds-Interview mit WAZ-Sportredakteur Engelbert Hensel spricht er über den Pokalsieg, De Bruyne und die Liebe zur Region.

In der vergangenen Woche wurde Ihnen mitgeteilt, dass Ihr auslaufender Vertrag beim VfL nicht verlängert wird – viele Fans können es nicht verstehen. Was macht das mit Ihnen, wenn Sie das in den sozialen Netzwerken lesen?
Ob pro Grün oder kontra Grün – ich will mich da nicht zu sehr beteiligen. Für den Verein ist es wichtig, jetzt mal Ruhe reinzubekommen und einen guten Saisonstart hinzukriegen. Da kommt es nicht auf Einzelne an. Klar ist es schön, solch positives Feedback zu bekommen, aber im Sport ist es manchmal so, dass sich die Wege trennen. Trotzdem: Ich hatte hier eine super Zeit – die Entscheidung, im Sommer 2013 nach Wolfsburg zu wechseln, war hundertprozentig richtig.

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Sie haben sich mit Klub,  Stadt und Region identifiziert...
...wir als Familie konnten hier in Ruhe leben, unsere Kinder konnten in Ruhe aufwachsen, wir haben hier ein Umfeld gefunden, das sehr lebenswert ist, zudem haben wir Menschen kennengelernt, die für uns wichtig geworden sind. Wir haben in der Region ein Haus gekauft, haben da viel Liebe reingesteckt. Wir werden es nicht verkaufen. Wir wollen zumindest die Chance haben, immer wieder zurückkommen zu können.

Sie waren jetzt fünf Jahre beim VfL, aber nie die Nummer 1. Warum nicht?
Da müssen sie den Trainer fragen...

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Da müssten wir einige fragen...
Klar hatte ich die Ambition, hier mal die Nummer 1 zu sein. Aber am Ende entscheidet der Trainer – und das hast du zu akzeptieren. So ist der Fußball.

Fünf Jahre Wolfsburg – an welche VfL-Spieler denken Sie gern zurück?
Ivan Perisic und Kevin De Bruyne waren spezielle Typen, auf dem Platz wiederum waren sie Weltklasse. Tempo, Zug zum Tor – sie stehen in meinen Augen für den Fußball, den man einfach mögen muss. Andererseits denke ich auch gern an Spieler wie Diego Benaglio und Marcel Schäfer. Mit beiden habe ich lange hier zusammengespielt, das war eine Ehre für mich.

Gab es einen VfL-Profi, der Sie im Training besonders geärgert hat?
Anfangs war es Marcel Schäfer, mit dem ich mir einen kleinen Kampf geliefert habe. In den vergangenen zwei Jahren habe ich mich mit Maximilian Arnold gefoppt. Er ist ein Spieler, der braucht nach einem Training immer noch ein paar Bälle extra. Er hat ja einen ordentlichen Schuss. Es gab neben ein paar Sprüchen immer eine Zielvorgabe...

...und die hat er immer erfüllt?
(lacht) Was denken Sie? Nö, hat er nicht...

Fünf Jahre Wolfsburg, fünf Trainer – zu wem haben Sie noch Kontakt?
Zu Dieter Hecking und Dirk Bremser, auch mit Martin Schmidt habe ich zuletzt ab und an geschrieben.

Sie waren beim VfL die Nummer 2 oder gar die Nummer 3 im Tor – und dennoch waren Sie in Wolfsburg ein Publikumsliebling. Wie geht das?
Wenn die Menschen hier das so sehen, berührt das einen und macht mich stolz. Dafür möchte ich Danke sagen. Ich habe mich halt nie verstellt. Nummer 2 oder Nummer 3 zu sein, ist nie leicht für einen, aber auf der Torhüter-Position gibt es eben eine viel klarere Hierarchie als auf anderen Positionen. Vor einer Saison legt der Trainer halt fest: Du bist die 1, die 2 oder die 3. Ja, ich war nie die Nummer 1 beim VfL, aber ich habe trotzdem immer Vollgas gegeben. Ich habe immer am Limit trainiert und versucht, meine Mitspieler zu pushen. Vielleicht haben das die Leute immer gesehen und geschätzt an mir.

Ihr schönstes Erlebnis mit dem VfL?
Ganz klar der Pokalsieg. Obwohl ich im Pokalfinale in Berlin nicht gespielt haben, sondern nur in der ersten Runde in Darmstadt.

Sie sagen „nur“ – dabei hatten Sie großen Anteil am Weiterkommen...
Ja, ich denke, ich war im Elfmeterschießen ein Faktor mit zwei gehaltenen Dingern. Das macht mich ein Stück weit stolz. Wir hatten damals eine Super-Truppe, für die Mannschaft hat’s mich sehr gefreut, dass wir den Pott geholt haben, aber auch für unsere Fans und die Stadt war das Finale ein Riesenerlebnis.

Und auf welches Erlebnis hätten Sie gern verzichtet?
Da gibt es nicht das eine,  ich denke da an die vergangenen zwei Jahre mit der Relegation.

Inwieweit zieht das einen auch mental runter?
Wenn man gewinnt, ist es immer leicht, zur Arbeit zu gehen. Es ist doch klar, dass sich so etwas keiner wünscht. Da ist der Druck extrem groß. Aber bei mir ist es so: Wenn ich auf dem Platz stehe, blende ich alles drumherum aus. Ich versuche es zumindest.

Wie und wo geht es für Sie jetzt weiter?
Mein Berater prüft gerade ein paar Dinge.


In der Vergangenheit waren Sie auch mal bei Huddersfield Town ein Thema. Reizt Sie das Ausland?
Ja, ich habe immer gesagt, dass ich mir das vorstellen kann. Wenn es da eine passende Option geben sollte, höre ich mir das an. Ich dränge nicht darauf, aber ich wäre nicht abgeneigt.

Saison 2014/15: Der Weg des VfL Wolfsburg zum DFB-Pokalsieg

Die erste Runde: Der VfL gewann bei Darmstadt 98 mit 5:4 nach Elfmeterschießen. Zur Galerie
Die erste Runde: Der VfL gewann bei Darmstadt 98 mit 5:4 nach Elfmeterschießen. ©

Sie sind jetzt 31 Jahre alt, wie lange wollen Sie noch spielen?
Sieben Jahre gehen noch, wenn der Körper mitmacht.

Warum gerade sieben Jahre?
(lacht) Ich habe in meiner Karriere ja nicht so viel gespielt... Und dennoch: Mir macht der Fußball großen Spaß, mir macht es Spaß, mich jeden Tag zu quälen und Gas zu geben. Daher: Wenn ich das noch sieben Jahre machen kann, dann werde ich das auch machen.

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Möglicherweise kehren Sie ja nach der Karriere noch mal zum VfL zurück...
Wie sagt man so schön: Man sieht sich immer zweimal im Leben.