05. April 2021 / 21:29 Uhr

VfL Wolfsburg: Die Mannschaft verteidigt, Trainer Glasner greift an

VfL Wolfsburg: Die Mannschaft verteidigt, Trainer Glasner greift an

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Blick nach vorn: VfL-Trainer Oliver Glasner (M.) schielt auf die Vize-Meisterschaft.
Blick nach vorn: VfL-Trainer Oliver Glasner (M.) schielt auf die Vize-Meisterschaft. © Swen Pförtner/dpa
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Vor dem Spiel bei Verfolger Eintracht Frankfurt hat der VfL Wolfsburg elf Punkte Vorsprung auf einen Nicht-Champions-League-Platz, vier auf die Hessen. Doch Trainer Oliver Glasner schaut eher nach oben als nach unten - und schielt auf die Vize-Meisterschaft.

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Nein, alle Rekorde habe er nun auch nicht im Kopf, musste VfL-Trainer Oliver Glasner nach dem Sieg gegen Köln im TV-Interview zugeben. Verständlich, zumal gerade ein neuer dazugekommen war: Das 1:0 (0:0) gegen die Domstädter war am Samstag das fünfte Wolfsburger Zu-null-Heimspiel in Folge, das hat es zuvor in der Bundesliga-Geschichte des VfL nie gegeben. Die Glasner-Elf bleibt Dritter, kein Team in der Liga hat weniger Gegentore, kein Team hat mehr Rückrunden-Punkte geholt.

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Gegen Köln reichte das Tor von Josip Brekalo, weil hinten mal wieder nichts anbrannte. Die Wolfsburger Bestmarken in dieser Saison sind vor allem defensive Bestmarken - offensiv ist der VfL ordentlich, 46 Saison-Treffer sind allerdings eher gehobene Mittelklasse als Luxusausführung. Dafür zeigt der Trainer bisher eher ungekannte Angriffsstärke. Statt wie in den letzten Wochen üblich Fragen zur näherrückenden Qualifikation für die Champions League mit Von-Spiel-zu-Spiel-Floskeln abzuwehren, ging er in den Attacke-Modus. „Warum sollen wir immer nach hinten schauen?“, fragte Glasner. „Wir sind drei Punkte hinter Leipzig...“ Sprich: Der Österreicher blickt gar nicht so sehr auf den Vorsprung auf Nicht-Champions-League-Platz fünf - er will Vizemeister werden!

<b>Koen Casteels</b>: Der Torhüter hatte in der ersten Halbzeit kaum etwas zu tun, musste aber wachsam bleiben, weil Köln immer wieder in die Nähe seines Kastens kam. - Note: 3 Zur Galerie
Koen Casteels: Der Torhüter hatte in der ersten Halbzeit kaum etwas zu tun, musste aber wachsam bleiben, weil Köln immer wieder in die Nähe seines Kastens kam. - Note: 3 ©

Warum auch nicht? Die Ausgangslage für den Tabellendritten Wolfsburg hat sich eine Woche vor dem Duell mit Verfolger Frankfurt dramatisch verbessert. Denn auf den Fünften Dortmund hat der VfL jetzt sieben Spieltage vor Schluss elf (!) Punkte Vorsprung. Und Glasner erklärt recht plausibel, warum er lieber auf Platz zwei schielt als auf Rang fünf: „Wenn du nach hinten schaust, ist die Gefahr zu stolpern viel größer als wenn du auf dich schaust - und auf das, was vor dir kommt. Das bringt viel mehr als die Rechnerei, wer wann wie viele Punkte hinter uns ist.“ Was außerdem für Glasners Überlegung spricht: Seit Samstag hat Wolfsburg die Vize-Meisterschaft sogar in eigener Hand – denn das direkte Duell mit RB Leipzig steht noch aus.

Allerdings: Um Platz zwei anzugreifen, sollte sich der VfL nicht mehr oft so eine Halbzeit leisten wie im ersten Durchgang gegen Köln. Entsprechend energisch hatte Glasner am Samstag an der Seitenlinie agiert, wirkte verärgert, phasenweise sogar aufgebracht. Nach dem Halbzeitpfiff musste er sich beruhigen. „Ich habe immer noch den Weg in die Kabine, um mich wieder zu fassen“, sagte er. „Die Spieler sind selbstkritisch. Es ging darum, ein paar Kleinigkeiten an das Kölner Spiel anzupassen. Wir mussten uns besser positionieren, in den Zweikämpfen präsenter sein – und das haben wir in der zweiten Halbzeit gemacht.“

Nun steht am kommenden Samstag das Duell mit der Mannschaft an, die in dieser Spielzeit ähnlich überrascht wie der VfL. Glasners Elf kann die Partie bei Eintracht Frankfurt allerdings noch entspannter angehen als der Tabellennachbar - denn schon jetzt steht fest, dass Wolfsburg auch im Falle eine Niederlage vor den Hessen bleibt - während Champions-League-Dauergäste wie Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen dem VfL die Daumen drücken müssen, damit wenigstens Frankfurt noch einholbar bleibt.

Wolfsburg und Frankfurt - das Duell ist auch deswegen spannend, weil beide nicht nur einen österreichischen Trainer, sondern auch ein paar weitere Gemeinsamkeiten haben - gute Transfers in den letzten Jahren und einen sichtbaren und erfolgreich umgesetzten Plan ihres Trainers. Bei Adi Hütter ist es ein abschlussorientiertes Angriffsspiel, bei Glasner ein Pressing mit enormer Intensität und riesiger Defensiv-Disziplin.

Diese verschiedenen Ansätze versprechen ein äußerst interessantes Duell – in einem Spiel, das noch vor wenigen Wochen ein Showdown um Königklassen-Plätze zu werden schien. Jetzt ist es zumindest für Wolfsburg eher ein spannendes Schaulaufen – mit defensiver Stärke und verbaler Offensive. Es geht nicht mehr (nur) darum, etwas zu verteidigen, sondern um ein neues Angriffsziel. Der Fünfte Borussia Dortmund spielt am Samstagabend in Stuttgart, aber wenn Glasner Recht behält, ist das Ergebnis der Leipziger (spielen zeitgleich mit dem VfL in Bremen) womöglich viel spannender...

Am Dienstag geht's mit Training weiter

Nach dem Sieg gegen Köln bekamen die Wolfsburger Profis zwei freie Ostertage, heute geht es mit zwei Trainingseinheiten weiter, am Samstag steht das Spiel in Frankfurt an, ehe mit der Partie gegen die Bayern die letzte englische Woche für den VfL beginnt – erst kommt der FCB (17. April), dann geht’s am Mittwochabend zum VfB Stuttgart (21. April), bevor Wolfsburg gegen den BVB ran muss.

Personell ist die Lage beim VfL unverändert: Renato Steffen fällt noch länger aus, Paulo Otavio muss ein Spiel seiner Rot-Sperre abbrummen – und mit einem Comeback des an der Wade verletzen Admir Mehmedi ist noch nicht zu rechnen. Trainer Glasner: „Es ist immer schwierig bei einer Muskelverletzung, die genaue Ausfalldauer zu prognostizieren. Natürlich setzen wir alles daran, ihn so schnell wie möglich wieder auf den Platz zu bekommen.“