12. Juli 2021 / 15:55 Uhr

Wolfsburgs Durchstarter Morawietz: Die EM als Doppel-Premiere 

Wolfsburgs Durchstarter Morawietz: Die EM als Doppel-Premiere 

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Unbenannt (70)
Die Koffer sind gepackt: Stolz präsentiert Wolfsburgs neue Sprinthoffnung Tobias Morawietz offizielles Outfit (r.). Auf den deutschen U20-Meister von 2020 über 200 Meter wartet der erste Flug seines Lebens und die erste U20-Europameisterschaft. © Imago Images (1)/privat (1)
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Er ist der Durchstarter des VfL Wolfsburg, verbesserte Bestzeiten als hätte er Flügel. Nun hebt Sprinter Tobias Morawietz erstmals buchstäblich ab. Zur ersten Europameisterschaftsteilnahme. Im Interview spricht der Shootingstar über seine Ziele.

Schneller als Tobias Morawietz (18) vom VfL Wolfsburg ist selten ein Leichtathlet von Null in die europäische Spitze gerast. Vor ein paar Jahren hat er noch Fußball gespielt, erst 2019 machte er seinen ersten offiziellen Freiluftwettkampf in der Leichtathletik.

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Vergangenen Sommer wurde er deutscher Meister der U20 über 200 Meter. Am Dienstag fliegt er mit dem Nationalteam zur U20 EM nach Tallinn in Estland. Im Interview spricht Morawietz über sein Training, Aufregung und Ziele.

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Wie groß ist die Aufregung vor der Teilnahme an den ersten internationalen Titelkämpfen?
Es hält sich noch in Grenzen, das kommt wahrscheinlich wie immer dann kurz vor dem Wettkampf. Aber es kribbelt jetzt schon ein wenig. Die offizielle Ausrüstung habe ich am Samstag bekommen, das war schon speziell. Und diese Reise wird zugleich mein allererster Flug.

Wie läuft es ab?
Alle müssen nach Frankfurt. Von dort geht es nach Tallinn. Ich fliege also von Hamburg, wo ich mich zur Weiterreise mit dem Bremer Noah Olabisi treffe, nach Frankfurt. Noah kenne ich von etlichen Wettkämpfen.

Es wird also ein kleines Abenteuer. Erstmals bei so einem großen Wettkampf ist ihr Großvater und Heimtrainer Werner Morawietz nicht vor Ort, er selbst sagt, er sei ziemlich aufgeregt…
Er muss sich keine Sorgen machen. Ich war ja auch schon mal ohne ihn bei Wettkämpfen, zudem halte ich ja viel Kontakt zu ihm und meinen Eltern. Meine Mutter war ja selbst mal U20-WM-Teilnehmerin 1986. Und mit Landestrainer Björn Sterzel ist ja ein Coach vor Ort, mit dem ich regelmäßig arbeite, ich werde also in guten Händen sein.

Sie sind im vergangenen Jahr in den Bundeskader aufgerückt, hat das in den Zeiten der Pandemie positive Auswirkungen gehabt?
Auf jeden Fall. Ich konnte dadurch, wenn ich Zeit hatte, den Bundesstützpunkt in Hannover nutzen, konnte auch etwas früher als die Landeskader auf den Anlagen in Wolfsburg üben.


Das Schuljahr neigt sich dem Ende entgegen, Sie gelten als guter Schüler, der Noten schlechter als Note 2 nicht mag. Jetzt haben sie ein paar Tage Freistellung, bald sind Ferien – die Versetzung sollte also im Sack sein?
Ja. Im nächsten Schuljahr komme ich in Klasse 13 der Eichendorff-Schule, die kooperiert ja mit dem VfL. In Sachen Freistellungen läuft das super.

Wenn Sie zurückschauen… seit 2019 haben Sie ihre Bestzeit über 100 Meter um mehr als eine Sekunde auf 10,56 Sekunden verbessert – den Wechsel vom Fußball haben Sie wohl nicht bereut?
Nein, auf keinen Fall. Die Leichtathletik war die absolut richtige Entscheidung. Das was ich jetzt erlebe, etwa viele Zuschauer, und was ich jetzt erreichen kann, wäre im Fußball nicht möglich gewesen. Natürlich ist das Training härter, fordernder als beim Fußball. Und es gibt Tage, wenn die schulischen Anforderungen hoch sind, Klausurenzeit ist, da fällt die Motivation fürs Training schon mal schwerer. Aber ich schaffe es.

So ganz weg ist der Fußball aber nicht…
Das stimmt, die Freundschaften bleiben. So hat mich Lars Uhlenberg, mit dem ich seit der F-Jugend in Nordsteimke Fußball gespielt habe, mit seinem Besuch bei der Junioren-Gala in Mannheim überrascht, mich angefeuert. Er war per Bahn gekommen, ist hinterher im Bus mit zurückgefahren. Eine megacoole Aktion.

In ihrem Jahrgang zählen Sie zu den besten Deutschlands. In Ihrer Altersklasse liegen Sie mit ihrer Jahresbestzeit auf Platz fünf, in Europa rangieren sie so um Platz 25 – was sind die Aussichten und Ziele für die EM?
Ich denke, ich habe noch Luft nach oben. Eine neue Bestzeit laufen und sehen, wofür das reicht, das wäre mein Ziel für den Einzelstart, wo am Donnerstag die Vorläufe sind.

In der Sprintstaffel wollen Sie auch laufen?
Wir sind zu sechst in Tallinn, aber ich rechne mir Chancen aus, auf Position zwei, also auf der Geraden am Sonntag in der Staffel zu starten. Mein großes Ziel ist es, so aufzutreten, dass Bundestrainerin Claudia Marx zufrieden ist und ich mich für weitere Aufgaben empfehle.