03. September 2018 / 16:51 Uhr

VfL Wolfsburg: "Es ist jetzt nicht so, dass wir hier im Dreieck springen"

VfL Wolfsburg: "Es ist jetzt nicht so, dass wir hier im Dreieck springen"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Nach dem gelungenen Saisonstart mit zwei Siegen aus zwei Spielen feiern die Wölfe ihren Auswärtserfolg über Leverkusen.
Zweites Spiel, zweiter Sieg: Die VfL-Profis haben einen Traumstart in die neue Saison hingelegt. © dpa
Anzeige

Ein VfL-Start mit zwei Siegen am Stück? Da müssen die Anhänger des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten weit zurückschauen.

In der Saison 2009/10 war das, die Spielzeit nach der Meisterschaft begann damals mit Siegen gegen Stuttgart (2:0) und in Köln (3:1). Jetzt also endlich wieder zwei Auftakt-Dreier in Folge, erst der Sieg gegen Schalke (2:1), dann das tolle 3:1 am Samstag in Leverkusen. Fußball-Deutschland reibt sich verwundert die Augen. Der Fast-Absteiger steht auf Platz zwei der Liga. Alles Zufall? Nein! Das hängt mit ganz viel Arbeit in der Vorbereitung zusammen, betont Bruno Labbadia in diesen Tagen immer wieder. Der Trainer hat aus Fast-Absteigern Stehaufmännchen gemacht. Bereits im Saisonfinale gegen Köln der vergangenen Spielzeit war das zu sehen.

Anzeige
<b>Bruno Labbadia</b> Quote: 15,00 - Labbadia wurde im September 2016 beim Hamburger SV entlassen.
Daumen hoch nach diesem Saisonstart: VfL-Trainer Bruno Labbadia. © getty

„Das war das wichtigste Spiel überhaupt – wenn du verlierst, steigst du ab. Dann machen wir das 1:0, bekommen jedoch den Ausgleich – und gewinnen trotzdem“, schaut Labbadia zurück. „In der Relegation gegen Holstein Kiel führen wir dann auch 1:0, spielen gut und aus dem Nichts fällt das 1:1 – aber wir haben trotzdem gewonnen.“ Beim Härtetest in der Vorbereitung gegen den italienischen Vizemeister Neapel war es genauso: Wolfsburg führte, der Gegner glich aus, aber den VfL haute das nicht um. Gegen Schalke wieder solch ein Spielverlauf, der VfL entschied die Partie trotzdem für sich. In Leverkusen lag das Labbadia-Team gar hinten – und stand wieder auf.

In der vergangenen Saison hätten die Wolfsburger solche Spiele noch verloren. Sang- und klanglos. Vergessen und vorbei. „Mentalität“, betont Labbadia, „ist ein großes Wort, aber was ist das genau? Mentalität bedeutet, zu wissen, ich habe die innere Stärke, das machen zu können. Ich musste die Mannschaft beispielsweise nach dem 1:1 gegen Schalke nicht aufrichten, sondern es ging sofort mit voller Attacke nach vorn. Diesen Mut wollen wir sehen, das habe ich den Spielern auch gesagt. Es kann sein, dass wir solch ein Spiel auch mal verlieren, weil wir volles Risiko gehen. Aber wenn wir jetzt nicht den Mut haben, wann haben wir den dann?“

Die Wölfe in Noten: Die Profis des VfL Wolfsburg nach dem Spiel in Leverkusen in der Einzelkritik

Pavao Pervan: Der VfL-Ersatzkeeper vertrat den wegen der anstehenden Geburt seines Kindes fehlenden Koen Casteels. Seinen ersten souveränen Arbeitsnachweis erbrachte er nach 18 Minuten bei einem Flachschuss von Weiser. Versuchte die Bälle, wenn es ging, flach herauszuspielen. Beim Gegentor nach dem strammen Schuss von Bailey eher chancenlos. Ansonsten ordentliches VfL-Debüt. Note: 3 Zur Galerie
Pavao Pervan: Der VfL-Ersatzkeeper vertrat den wegen der anstehenden Geburt seines Kindes fehlenden Koen Casteels. Seinen ersten souveränen Arbeitsnachweis erbrachte er nach 18 Minuten bei einem Flachschuss von Weiser. Versuchte die Bälle, wenn es ging, flach herauszuspielen. Beim Gegentor nach dem strammen Schuss von Bailey eher chancenlos. Ansonsten ordentliches VfL-Debüt. Note: 3 ©

Der Trainer, der sich am Anfang seiner VfL-Mission Spottgesänge hatte gefallen lassen müssen, hat einen großen Anteil an diesem Traumstart. Seine detailversessene Arbeitsweise kommt mittlerweile an bei den Spielern, die nach längerem Zögern nun bereit sind, ihm zu folgen. Fragt man ihn nach dem Erfolgsrezept, dann kommt da immer wieder ein Wort: „Arbeit.“ Die paart sich im VfL-Spiel nun mit Leidenschaft. Labbadia: „Ich habe den Spielern gesagt: ,Wir sind die Mannschaft, die an letzter Stelle steht, die Vereine hinter uns sind abgestiegen, wenn wir das mitnehmen und verinnerlichen, können wir solche Spiele abliefern’.“ Spiele wie die in Leverkusen und gegen Schalke. „Das hat Freude gemacht, das kann man ruhig mal sagen. Auch für einen Trainer ist es ein schönes Gefühl, wenn die Jungs so spielen. Ich habe mich für die gesamte Mannschaft riesig gefreut. Es gefällt ihnen ja selbst, dass sie plötzlich so Fußball gespielt haben. Der Mannschaft tut das gut. Wenn wir so dran bleiben, können wir den einen oder anderen ärgern“, sagt der 52-Jährige.

Anzeige
Mehr zum VfL Wolfsburg

Diese Spieler hat der VfL Wolfsburg in diesem Sommer verpflichtet

Kam von Hannover 96: Felix Klaus. Zur Galerie
Kam von Hannover 96: Felix Klaus. ©

Übrigens: In der vergangenen Saison gewann Wolfsburg nie nach einem Rückstand – erstmals seit Anfang März 2015 siegte der VfL in der Fremde wieder nach einem 0:1-Rückstand, drehte die Partie in Leverkusen, steht in der noch wenig aussagekräftigen Tabelle auf Rang zwei. Und weil die Saison gerade erst begonnen hat, muss  der Coach auch keines seiner Stehaufmännchen einfangen. Labbadia: „Wir freuen uns, aber es ist jetzt nicht so, dass wir hier im Dreieck springen und sagen, es ist alles super.“

Anzeige: Erlebe die gesamte Bundesliga mit WOW und DAZN zum Vorteilspreis