29. April 2018 / 15:54 Uhr

VfL Wolfsburg: Fans bepöbeln Profis beim Training

VfL Wolfsburg: Fans bepöbeln Profis beim Training

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Schon nach dem Spiel gegen den HSV haben die Wolfsburger Fans ihrem Ärger gegenüber den VfL-Profi Ausdruck verliehen.
Schon nach dem Spiel gegen den HSV haben die Wolfsburger Fans ihrem Ärger gegenüber den VfL-Profi Ausdruck verliehen. © Boris Baschin
Anzeige

Nach dem 1:3 gegen den Hamburger SV kippt die Stimmung beim VfL Wolfsburg: Einige wenige Fans pöbelten beim Sonntagstraining der VfL-Profis. Trainer Bruno Labbadia dazu: "Wenn du keine Ergebnisse lieferst, hast du wenig Argumente."

Am Sonntagmorgen wurde es während der Trainingseinheit der VfL-Profis immer mal wieder lauter. Nicht, dass es sonderlich viele Kommandos gegeben hätte, dafür war die Stimmung nach der 1:3-Schmach gegen den Hamburger SV zu gedämpft. Die übernahmen stattdessen einige wenige Fans. Immer wieder pöbelten sie. Es fielen Sätze wie "Ihr seid Absteiger", "Wir sind Wolfsburger - und ihr nicht", Beleidigungen à la "Scheiß Millionäre" oder nicht ganz so nett gemeinte Maßnahmen wie "Rauf mit euch auf den Hügel". Felix Magath hatte dieses schweißtreibende Trainingselement mal etabliert. Doch damit nicht genug. Als die Einheit beendet war, machten jene Anhänger ihrem Ärger weiter Luft. "Bruno, tolles Training" riefen sie an die Adresse von Trainer Labbadia, und weiter: "Das kann ja wohl nicht alles gewesen sein", "jetzt könnt ihr euch wieder schlafen legen" und "so wie ihr trainiert, möchte ich mal Urlaub machen". Der VfL-Coach konnte den Unmut zumindest nachvollziehen. „Wenn du keine Ergebnisse lieferst, hast du wenig Argumente, dann kommen leider solche Sachen, dann sollte man auch nicht viel dazu sagen, weil es keinen Sinn macht.“

Anzeige

Die Spieler des VfL Wolfsburg gegen den Hamburger SV in der Einzelkritik:

Koen Casteels: Der Belgier entschied sich beim Elfmeter von Wood für die falsche Ecke. Beim 0:2 chancenlos. Verhinderte zwar noch eine höhere Niederlage. Den zweiten Elfmeter hält er, der Nachschuss sitzt dann aber. Ist als Torwart einer desaströsen VfL-Mannschaft aber sonst einfach nur machtlos.  - Note: 4  Zur Galerie
Koen Casteels: Der Belgier entschied sich beim Elfmeter von Wood für die falsche Ecke. Beim 0:2 chancenlos. Verhinderte zwar noch eine höhere Niederlage. Den zweiten Elfmeter hält er, der Nachschuss sitzt dann aber. Ist als Torwart einer desaströsen VfL-Mannschaft aber sonst einfach nur machtlos. - Note: 4  ©

Schon direkt nach dem Spiel hatte es Ärger gegeben, ein Platzsturm drohte! In der Nordkurve waren schon viele wutentbrannte VfL-Fans über die Balustrade gestiegen. Vor ihnen hatten sich Ordner positioniert, während am Mittelkreis die Profis des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten zusammenkamen. Sie hatten gerade den Keller-Knaller gegen den Hamburger SV mit 1:3 verloren und dabei – wie so oft in dieser katastrophalen Saison – wie gelähmt gewirkt. Ein Anhänger schaffte es schließlich, in Richtung Maximilian Arnold und Co. zu rennen, wurde dabei aber von Nico Schmidt, einem Mitarbeiter aus der Medienabteilung, gestoppt.

​"Haben versucht, ein bisschen zu beruhigen"

Einzig drei Spieler trauten sich hinterher, den total frustrierten Anhängern Rede und Antwort zu stehen. Max Grün, Paul Verhaegh und Eigengewächs Maximilian Arnold. "Wir haben versucht, ein bisschen zu beruhigen", so ein sichtlich enttäuschter Arnold, der sich wünscht, dass gerade jetzt alle zusammenstehen. Zwei Spieltage vor Schluss, in der größten Krise der fast 21-jährigen Bundesliga-Historie der Wolfsburger. Das Ende ist nah, der HSV ist bis auf zwei Punkte wieder dran am VfL, am Sonntag droht der Sturz auf den Relegationsplatz.

Anzeige

Der VfL muss mal wieder zittern

Der Klub befindet sich im freien Fall, auf dem Platz passte - wie schon so oft - nichts zusammen, das Team funktioniert nicht als Team, bei der Pleite gegen die Rothosen kam bis auf eine kurze Phase in der zweiten Halbzeit – nichts. Die Fans brüllten verärgert: „Wir wollen euch kämpfen sehen“ und „Wir haben die Schnauze voll!“ Trainer Bruno Labbadia: „Wir haben kein Ergebnis geliefert, deshalb müssen wir uns der Kritik stellen.“ Ähnliches äußerte Arnold: „Ich kann das alles nachvollziehen, aber in der Situation hilft uns das nicht. Wenn wir uns selbst zerfleischen, haben wir keine Chance."

Nach dem Offenbarungseid in Gladbach (0:3) nun der nächste Tiefschlag. "Wir waren in zwei Situationen vor der Halbzeit unachtsam, damit haben wir uns selbst das Genick gebrochen", analysierte Arnold, der mit sich selbst haderte, mit seiner Leistung nicht zufrieden war. Dabei war er einer der wenigen, der kämpfte und ackerte, aber eben nicht immer erfolgreich.

Und so muss der VfL mal wieder um die Bundesliga zittern, im vergangenen Jahr ging's in die nervenaufreibende Relegation. Mit solchen Vorstellungen wie gegen die Hamburger droht gar der direkte Abstieg. "Die Situation ist so wie sie ist, wir haben es nach wie vor in der eigenen Hand", meinte Arnold und forderte: "Wir müssen uns zusammenreißen und müssen die zwei Spiele jetzt so spielen, als wären es die letzten." Und: "Jeder hat das Spiel doch gesehen: Wenn jetzt nicht alle Alarmglocken läuten, dann habe ich keine Ahnung. Wir müssen uns verdammt noch mal den Arsch aufreißen."

Das sind die Bilder zum Spiel VfL Wolfsburg gegen den Hamburger SV:

Josuha Guilavogui (links) lässt Lewis Holtby aussteigen. Zur Galerie
Josuha Guilavogui (links) lässt Lewis Holtby aussteigen. ©
Mehr zum Spiel VfL Wolfsburg gegen den HSV

Spieler kritisieren Vereinsführung

In der Woche vor dem so wichtigen Heimspiel hatte es beim VfL mal wieder viel Unruhe gegeben. Zunächst war der Wechsel von Wunschkandidat Horst Heldt (für den Posten Geschäftsführer Sport) von Hannover 96 zum VfL gescheitert – dann, nur 20 Stunden vor dem Duell mit dem HSV, gab der Klub die schon seit Tagen vorbereitete Trennung von Sportdirektor Olaf Rebbe bekannt. Die Mannschaft erfuhr es im Teamhotel. Arnold: "Das soll keine Ausrede sein, aber hilfreich war das nicht." Und Keeper Koen Casteels ergänzte: "Klar ist die sportliche Situation irgendwo eine Folge dieser Entwicklungen. Die ganzen Trainerwechsel zeugen auch nicht von einer gesunden Situation, da hatten wir jetzt auch sechs in zwei Jahren. Und bei einem Managerwechsel ist das dasselbe. Es ist klar, dass uns das in unserer Situation nicht hilft."