10. Oktober 2021 / 17:24 Uhr

Wolfsburg-Fans sauer auf Ex-VfL-Trainer Glasner: "Respektlos und undankbar"

Wolfsburg-Fans sauer auf Ex-VfL-Trainer Glasner: "Respektlos und undankbar"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Sorgt für Unmut: Ex-VfL-Wolfsburg-Trainer Oliver Glasner.
Sorgt für Unmut: Ex-VfL-Wolfsburg-Trainer Oliver Glasner. © Roland Hermstein
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In Wolfsburg habe Fußball "mit den geringsten Stellenwert" in der Bundesliga. Mit dieser Aussage in einem Interview hat Ex-VfL-Wolfsburg-Trainer Oliver Glasner die Anhänger der Niedersachsen verärgert.

Oliver Glasner, Ex-Trainer des VfL Wolfsburg, hat sich fünf Monate nach seinem Abschied aus Niedersachsen den Unmut vieler VfL-Anhänger zugezogen. In Wolfsburg, so hatte der jetzige Eintracht-Frankfurt-Coach in einem Bild-Interview erklärt, habe Fußball "mit den geringsten Stellenwert" in der Bundesliga.

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Und auch wenn die Aussage, gemessen nur an Zuschauer- und Fan-Zahlen, sachlich gar nicht so falsch ist, wirkt sie doch so kurz nach dem Abschied vom VfL wie Nachtreten. Unter den Wolfsburger Anhängern und Anhängerinnen kam sie jedenfalls so an. Fan-Blogger und Wölferadio-Macher Lenny Nero beispielsweise twitterte: "Wie wär's, wenn Oliver Glasner endlich anfängt, seine Klappe zu halten?!" Und in weiteren Tweets von VfL-Fans heißt es derweil: "Hoffe, Oliver Glasner rutschen beim Händewaschen die Ärmel runter!" (@Trobbbyyy) oder "Wie kann man nur so respektlos und undankbar sein wir Oliver Glasner?" (@Flo1945_)

Nach der vergangenen Saison hatte Glasner den VfL verlassen, obwohl sein Vertrag in Wolfsburg noch bis 2022 lief. Im zweiten seiner beiden Jahre war es zu atmosphärischen Störungen mit der sportlichen Führung gekommen - weil Glasner Kritik an der Kaderplanung geäußert hatte und weil er nach Bekanntwerden einer Ausstiegsklausel ein Bekenntnis zum VfL vermied.

Dass sein Verhältnis zur Mannschaft trotz des sportlich glänzenden Abschneidens (Platz vier) nicht das allerbeste war, wurde nach seinem Wechsel nach und nach deutlicher. Xaver Schlager etwa verriet, dass er vom Abschied seines österreichischen Landsmanns nicht von ihm selbst, sondern aus den Medien erfahren habe. Und Josuha Guilavogui, unter Glasner sogar noch Kapitän, sagte sogar: "Ich bin froh, dass Glasner weg ist."

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Zumindest das Miteinander ist aus Glasners Sicht in Frankfurt offenbar anders als beim VfL. Nachdem er als Eintracht-Coach lange auf den ersten Sieg warten musste, so verrät er in dem Interview, sei Vorstandschef Axel Hellmann auf ihn zugekommen und habe gesagt: "Komm‘, lass Dich mal drücken. Ich glaub‘, Du brauchst das jetzt.‘ Ich habe hier überall einen sehr großen Vertrauensvorschuss gespürt, das macht es einfacher.“

Den Stellenwert des Fußballs in Wolfsburg und Frankfurt setzte er auch in Beziehung zum Stellenwert des Fußballs in seinem Heimatland: "So etwas wie hier habe ich noch nie erlebt. In Österreich hat der Fußball bei weitem nicht diesen Stellenwert wie in Deutschland. In Wolfsburg hat er innerhalb Deutschlands mit den geringsten und in Frankfurt mit den größten. Das habe ich gleich gespürt. Da kam zum Beispiel eine ältere Frau auf mich zu und sagte: ‚Willkommen in Frankfurt, und passen Sie mir auf unsere Eintracht auf.‘ Und dabei sind die Menschen überhaupt nicht aufdringlich.“


Dass diese Aussagen die VfL-Fans so sauer machen, erklärt Nero so: "Es ist bedauerlich, dass Oliver Glasner seit seinem unrühmlichen Weggang offenbar verstärkt versuchen muss, sich beim Frankfurter Anhang lieb Kind zu machen. Anders kann man sich diese wiederholten negativen Äußerungen nicht erklären. Da er sich in seiner Zeit hier nicht gerade Fan-nah gezeigt hat, zweifle ich an, ob er den Stellenwert des Fußballs in Wolfsburg überhaupt beurteilen kann oder Vergleiche anstellen sollte."

Schon Glasners Hinweise auf die vermeintlich deutlich besseren finanziellen Möglichkeiten des VfL, waren bei den Wolfsburger Anhängern als eine Spitze gegen den ehemaligen Klub verstanden worden. "Wolfsburg hat keinen Spieler verkauft und für 50 Millionen Euro eingekauft. Das kannst du machen, wenn ein Konzern dahinter steht", hatte Glasner Anfang September betont - und gemeint: "Wenn ich es einfach gewollt hätte, wäre ich in Wolfsburg geblieben."