13. November 2020 / 21:04 Uhr

Ex-Nationalspielerin Schweers: So sehe ich den Frauenfußball-Classico

Ex-Nationalspielerin Schweers: So sehe ich den Frauenfußball-Classico

Verena Schweers
Das wird wieder eng: Dominique Janssen und Sara Doorsoun im Duell mit Jovana Damnjanovic – vorm Classico schreibt Ex-Nationalspielerin Verena Schweers über die Aussichten ihrer beiden Ex-Klubs.
Das wird wieder eng: Dominique Janssen und Sara Doorsoun im Duell mit Jovana Damnjanovic – vorm Classico schreibt Ex-Nationalspielerin Verena Schweers über die Aussichten ihrer beiden Ex-Klubs. © imago images/foto2press
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Verena Schweers spielte für den VfL Wolfsburg und für die Bayern, kennt beide Top-Teams im deutschen Frauenfußball also bestens - und sie schreibt im SPORTBUZZER, was sie vom Classico erwartet.

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Von 2010 bis 2016 beim VfL Wolfsburg und ab 2016 bis 2020 beim FC Bayern München: Kaum eine Spielerin kennt die beiden Top-Teams im deutschen Frauenfussball so gut wie Ex-Nationalspielerin Verena Schweers (geb. Faißt). In Wolfsburg reifte sie vom Jungspund zur gestandenen Bundesliga-Akteurin und absolvierte wettbewerbsübergreifend 123 Partien im VfL-Dress, für den FCB lief sie 74 Mal auf, ehe sie diesen Sommer im Alter von nur 31 Jahren ihre Karriere beendete - mittlerweile arbeitet sie als Erzieherin. Für den SPORTBUZZER schreibt sie über das Duell der Spitzenteams am Sonntag.

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Meine Zeit beim VfL und bei den Bayern

In Wolfsburg hatte ich meine erfolgreichste und längste Zeit im Profi-Fußball. Eine wunderbare Zeit, die ich extrem genießen konnte. Ein einschneidendes Erlebnis war dabei ganz klar der Triple-Gewinn 2013, das war ein irres Jahr und kam vor allem so völlig unerwartet.

Beim FC Bayern hatte ich hingegen direkt eine ganz andere Rolle im Team. Ich war sofort Führungsspielerin und im Mannschaftsrat vertreten, da lagen meine Aufgaben auch viel im organisatorischen Bereich. Die ganz großen sportlichen Erfolge blieben leider aus, auch weil Wolfsburg es in den vergangenen vier Jahren herausragend gut gemacht hat. Aber tolle Erlebnisse hatte ich trotzdem ganz viele. Das Trikot des FC Bayern tragen zu dürfen war jedenfalls immer eine große Freude.

Da ich mit meinem Mann weiterhin in München wohne, habe ich zu den Mädels hier noch engen Kontakt und bin auch weiterhin ein Fan der Mannschaft. Aber klar, ich freue mich auch immer auf bekannte Gesichter aus Wolfsburg und über den Austausch von guten und lustigen alten Storys.

So stark sind die Teams

Beide Teams profitieren meiner Meinung nach von ihrer Kaderstärke, sie sind in allen Mannschaftsteilen und auch in der Breite qualitativ super besetzt. Das Mittelfeld der Bayern ist in dieser Saison sehr ausgewogen und kreativ, Sydney Lohmann ist für mich Bayerns Schlüsselspielerin - sie ist jung, unbekümmert und extrem robust. Dazu in diesem Jahr auch noch sehr torgefährlich.

Am VfL bin ich nicht mehr so nah dran, er wirkt hinten aber immer extrem stabil, erfahren und ruhig. In der Offensive bin ich gespannt, was die Wolfsburgerinnen auf die Strecke bringen können. Als Schlüsselspielerin fällt Alexandra Popp aus, Almuth Schult ist noch nicht so weit. Von daher bin ich gespannt, wer die tragende Rolle übernimmt und den VfL in diesem schwierigen Spiel leiten kann.

Die Form und der Trend

Die Tabellenkonstellation spricht für sich: Beide Teams sind, wie es eigentlich zu erwarten war, gut und ungeschlagen in die Saison gestartet. Bayern noch ohne Gegentor, Wolfsburg überraschend mit Punktverlust in Freiburg. Dieser ist aber sicherlich noch nicht so gravierend, auch Bayern wird nicht alle Spiele gewinnen. In beiden Teams haben in den letzten Spielen viele unterschiedliche Spielerinnen getroffen, was die Qualität in beiden Mannschaften unterstreicht. Es scheint wirklich ein Spiel auf Augenhöhe zu werden. Am Wochenende kommt für beide Teams der erste und womöglich einzige Gradmesser um Platz eins, das verspricht Hochspannung.

Wer hat die besseren Spielerinnen?

Bayern wirkt als Team gefestigt. Der Kader ist top besetzt und aus meiner Sicht aktuell schwer auszurechnen. Auch dass sie noch ohne Gegentor sind, spricht für sich.

Wolfsburg hat mit Pernille Harder und Sara Gunnarsdottir zwei wichtige Säulen verloren. Die Ausfälle von Ewa Pajor und Pauline Bremer wiegen zudem sehr schwer, obwohl Zsanett Jakabfi sie sehr gut vertritt. Fridolina Rolfö ist noch nicht bei 100 Prozent und Alexandra Popp fällt aus. Das sind natürlich wichtige Spielerinnen, die weggefallen sind oder jetzt verletzungsbedingt ausfallen. Die Qualitäten von Harder sind schwer zu ersetzten, aber das Team des VfL Wolfsburg hat gerade gegen Potsdam ein Ausrufezeichen vor dem Spitzenspiel gesetzt. Es ist auch für den VfL, trotz Verletzungssorgen, alles drin.

Die Ausgangslage

Meiner Meinung nach liegt mehr Druck beim VfL Wolfsburg, der sich zum ersten Mal seit vier Jahren, zumindest laut dem Tabellenstand, mal wieder in der Verfolgerrolle sieht. Vielleicht tut den Bayern der erste Platz und das Gefühl, nicht gewinnen zu müssen, um eventuell an Wolfsburg dranzubleiben, ganz gut. Wichtig sind die Punkte natürlich für beide Teams. Wolfsburg könnte Bayern überholen, der FC Bayern könnte ein dickes Ausrufezeichen setzen und mit fünf Punkten erst einmal wegziehen. Das wird spannend.

Die Lage der beiden Klubs

Was ich spannend finde, ist, zu beobachten, wie die Arbeit in Wolfsburg läuft, wo man doch weiß, dass im Sommer ein neuer Trainer kommt. Wir hatten in München mal vor zwei Jahren eine ähnliche Situation und uns hat es beflügelt. Daher bin ich gespannt, wie es weiterhin in Wolfsburg laufen wird. Vor allem, wenn mal richtig Druck entsteht - besonders dann, falls der VfL nach dem Spiel am Sonntag fünf Punkte hinter den Bayern wäre.

Beide Vereine haben sehr große Ambitionen und Ziele. Beide wollen am Ende zu den Top-Teams zählen, beziehungsweise das Top-Team in Europa sein. Bayern strebt einen Titel an. Das finde ich gut und richtig. Bei Wolfsburg ging und geht es immer um alle drei Titel, da sind die Ambitionen klar. Ich freue mich auf zwei ambitionierte Teams. Mein Tipp für Sonntag: Ich glaube, die Bayern sind stärker und packen es in diesem Jahr mit 2:1.