01. August 2020 / 10:31 Uhr

Vom Wolfsburg-Flop zum Mega-Transfer: Das sagt der VfL zum Osimhen-Wechsel nach Neapel

Vom Wolfsburg-Flop zum Mega-Transfer: Das sagt der VfL zum Osimhen-Wechsel nach Neapel

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Victor Osimhen hat eine irre Martkwert-Entwicklung hinter sich - VfL-Manager Jörg Schmadtke hatte den Stürmer 2018 ziehen lassen.
Victor Osimhen hat eine irre Martkwert-Entwicklung hinter sich - VfL-Manager Jörg Schmadtke hatte den Stürmer 2018 ziehen lassen. © Britta Schulze / Twitter
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Hat der VfL Wolfsburg verpennt, was für ein Juwel er da in seinen Reihen hat? Victor Osimhen, der sich in der Fußball-Bundesliga nicht durchsetzten konnte, wurde jetzt zum teuersten Einkauf in der Geschichte des SSC Neapel. "Dagegen ist man nie gefeit", sagt Jörg Schmadtke.

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Beim VfL Wolfsburg wartete man vergeblich auf seinen Durchbuch, jetzt ist Victor Osimhen zu einem Mega-Transfer geworden: Der Ex-VfL-Stürmer wechselt für mindestens 60 Millionen Euro vom OSC Lille zum SSC Neapel. Hat man in Niedersachsen sein Potenzial falsch eingeschätzt? "Solche Dinge passieren nun einmal", sagt VfL-Manager Jörg Schmadtke. "Man will als Verein nie Teil von solchen Entwicklungen sein, aber dagegen ist man nie gefeit."

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2016 schloss der VfL extra eine Kooperation mit der Ultimate Strikers Academy in Nigeria ab, damit der minderjährige Osimhen schon in Wolfsburg mittrainieren kann. Der damalige VfL-Trainer Dieter Hecking freute sich, "schließlich war ja halb Europa hinter ihm her". Unmittelbar nach seinem 18. Geburtstag bekam der Angreifer dann einen Vertrag - aber da war Hecking schon nicht mehr im Amt, und beim VfL begannen unruhige Zeiten. Viele Trainerwechsel, zweimal Relegation - keine guten Voraussetzungen, sich als Talent zu entwickeln. Verletzungsprobleme (Knie, Wade, Schulter) taten ihr Übriges.

Trikot-Historie des VfL Wolfsburg in der Bundesliga

1997 - Das Heimtrikot des VfL Wolfsburg in der Spielzeit 1997/98. Stefan Fritze Meißner gegen Schalke 04. Zur Galerie
1997 - Das Heimtrikot des VfL Wolfsburg in der Spielzeit 1997/98. Stefan "Fritze" Meißner gegen Schalke 04. ©

2018 wechselte Osimhen nach nur 14 Bundesliga-Einsätzen (davon drei in der Startelf) zum belgischen Verein Sporting Charleroi, wo er schnell überzeugte, in 36 Pflichtspielen 20 Mal traf. Für 14 Millionen Euro kaufte ihn dann 2019 der OSC Lille, von dieser Summe bekam der VfL immerhin noch einen Teil ab. Für die Franzosen spielte er vor allem in der Champions League stark auf, schnell gab es Gerüchte, nach denen Top-Klubs aus England, Spanien und Italien den Nigerianer auf dem Zettel haben. Nun bekam Neapel den Zuschlag - für 60 Millionen Ablöse plus Ersatztorwart Orestis Karnezis. Da zudem Boni vereinbart wurden, kann sich die Summe sogar noch auf gut 80 Millionen Euro erhöhen. Osimhen ist damit einer der teuersten Afrika-Fußballer aller Zeiten.

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2018, als Osimhen Wolfsburg verließ - zunächst auf Leihbasis, dann zog Charleroi eine Kauf-Option -, waren Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer gerade wenige Wochen im Amt. Eine Perspektive für den jungen Angreifer gab es damals beim VfL nicht. Seine Entwicklung, so Schmadtke, zeige nun, "dass die damaligen Umstände für den Jungen nicht so gegeben waren, dass er sein Potenzial hätte entwickeln können". Der Abschied aus Wolfsburg war darum aus Sicht des Vereins, vor allem aber aus Sicht des Spielers, ein richtiger Schritt. Dass es erst anderswo richtig klappt, "passiert schon mal, wenn ein Klub im Ungleichgewicht ist", so Schmadtke.


Welche Lehren zieht der VfL daraus? Schmadtke: "Die wichtigste Lehre ist, dass man bei manchen Transfers Geduld haben muss. Man kann nicht sagen: Wir verpflichten da einen, sorgen für Unterkunft und Verpflegung und dann funktioniert das schon. Der Stellenwert des Faktors Geduld wird manchmal unterschätzt."

Osimhen ist nach dem Mega-Transfer nun auch der teuerste Spieler in der Geschichte des SSC Neapel - er löst damit den Argentinier Gonzalo Higuaín ab, der bei seiner Verpflichtung von Real Madrid 2013 39 Millionen Euro gekostet hatte.