06. Januar 2021 / 17:39 Uhr

Frauen-Bundesliga mit in die DFL? Kellermann-Vorschlag mittlerweile heiß diskutiert

Frauen-Bundesliga mit in die DFL? Kellermann-Vorschlag mittlerweile heiß diskutiert

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Fortschrittlich: Ralf Kellermann, Sportlicher Leister der VfL-Frauen, hatte schon vor zwei Jahren die Idee, die Frauen-Bundesliga mit in der DFL unterzubringen.
Fortschrittlich: Ralf Kellermann, Sportlicher Leister der VfL-Frauen, hatte schon vor zwei Jahren die Idee, die Frauen-Bundesliga mit in der DFL unterzubringen. © Roland Hermstein/dpa
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Organisiert bald die DFL die Vermarktung der Frauenfußball-Bundesliga? Diese Idee brachte bereits vor zwei Jahren Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Fußballerinnen, ins Spiel. Viele sehen darin Vorteile, deshalb wird sie nun heiß diskutiert.

Gut zwei Jahre ist es her, da machte Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Fußballerinnen, in einem SPORTBUZZER-Interview einen Vorschlag, der damals noch ungewöhnlich klang: "Der Frauenfußball muss mittelfristig mit in die DFL", um sich besser vermarkten zu können. Mittlerweile wird diese Idee tatsächlich intensiv diskutiert.

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Es werde, so der Noch-DFL-Chef Christian Seifert "mittelfristig sinnvoll sein können, darüber nachzudenken, dass eine Organisation wie die DFL sich um die ersten Ligen einer Sportart kümmert, also auch um den Frauenfußball". Siggi Dietrich sagte gegenüber der Sportschau, dass "Profi-Frauenfußball unter dem Dach der DFL-Lizenzvereine wegen der professionellen Strukturen, der Strahlkraft der Namen, aber auch der wirtschaftlichen Voraussetzungen das Modell der Zukunft" sei. Dietrich ist nicht nur Frauenfußball-Chef bei Eintracht Frankfurt, sondern auch Vorsitzender des Frauenfußball-Liga-Ausschusses beim DFB.

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Liegt die Zukunft der Frauenfußball-Bundesliga also nicht mehr beim großen (Amateur-)Fußball-Dachverband DFB, sondern bei dem auf Vermarktung ausgerichteten Zusammenschluss der (Männer)-Profiklubs? Klar ist: Fast alle Vereine der Frauenfußball-Bundesliga sind unzufrieden mit der Vermarkung der Liga - und vor allem mit ihrer TV-Präsenz. "Dort", so sieht es auch Tim Schumacher, der für Frauenfußball zuständige VfL-Geschäftsführer, "liegt noch sehr großes Potenzial". Dieses Potenzial durch einen Wechsel der Frauen-Liga zur DFL auszuschöpfen, sei "eine sehr interessante Möglichkeit".

Schwierige Rechte-Lage

Aktuell hat nur Eurosport regelmäßig die Frauenfußball-Bundesliga im Programm - live als "Top-Spiel" am Freitagabend. Die Rechte-Lage - auch MagentaTV und ARD bestimmen mit - sorgt aber dafür, dass sich Eurosport das Spiel nicht aussuchen darf, die attraktivsten Partien darum eher am Sonntag stattfinden und teilweise nur im Online-Stream zu sehen sind. Was Schumacher besonders ärgert: "Die Fans können nicht alle Spiele live verfolgen." Dass sei angesichts der aktuellen Geisterspiel-Situation besonders bitter. "Wegen der Rechtelage können wir in der Frauen-Bundesliga nicht einmal bei Bedarf unsere eigenen Partien in unserem Klub-TV online streamen."

Dass die Lage so ist, wie sie ist, liegt am DFB - denn der verhandelt die Rechte mit den TV-Partnern. Hinter vorgehaltener Hand wird in der Liga längst auf den Verband geschimpft: Zu wenige kompetente Mitarbeiter, so der Vorwurf, kümmern sich dort um eine vernünftige Vermarktung. Auf offenen Konfrontationskurs gehen die Vereine allerdings nicht. Denn noch sind die zwölf Klubs der Frauen-Bundesliga (von denen acht zu Vereinen mit Männer-Bundesligisten gehören) von der Liga-Vermarktung durch den DFB abhängig. Auch Schumacher betont lieber die positiven Signale: "Dass sich DFB-Präsident Fritz Keller klar zur Förderung des Frauenfußballs bekannt hat, ist ein gutes und wichtiges Zeichen."

Sichtbarkeit als wichtiges Mittel zur Stärkung

Hannelore Ratzeburg, Kellers Vize und für Frauenfußball zuständig, lässt derweil durchblicken, dass der DFB die Frauen-Liga kaum widerstandslos an die DFL übergeben wird: "Die Ausgliederung eines einzelnen Wettbewerbs" sei "kritisch zu betrachten. In einem ersten Schritt sollte offen diskutiert werden, wie DFB und DFL gemeinsam den Frauenfußball, auch im Spitzenbereich, weiterentwickeln und stärken können." Eine Diskussion, die weiter Fahrt aufnehmen wird, wenn Klubs wie RB Leipzig, Werder Bremen, der 1. FC Köln und irgendwann womöglich Borussia Dortmund oder Schalke 04 Frauenfußball mit hochgradiger Professionalität betreiben.


Aus Sicht des VfL wäre die Sichtbarkeit das wichtigste Mittel zur Stärkung: "Nur, wenn wir im Fernsehen stattfinden", so Schumacher, "sind wir interessant, insbesondere auch für große, überregionale Sponsoren." Das sei vor allem wichtig, weil man angesichts der boomenden Ligen in England oder Spanien "die Einnahmenseite verbessern" müsse. Denn vor allem für deutsche Top-Klub wie Wolfsburg oder Bayern ist Frauenfußball aktuell immer noch ein Zuschussgeschäft.

Wie Vermarkung aussehen kann und was eine professionellere Präsentation womöglich bringt, wird in der kommenden Saison zu beobachten sein - auf internationaler Ebene. Denn dann übernimmt die UEFA ab der Gruppenphase (Runde der letzten 16) die Vermarktung der Champions League zentral. "Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung", findet Schumacher, "und in Sachen Vermarktung vielleicht auch beispielgebend für nationale Ligen."