16. November 2020 / 18:22 Uhr

VfL-Frauen wissen, wie schnell Bayerns Vorsprung weg sein kann...

VfL-Frauen wissen, wie schnell Bayerns Vorsprung weg sein kann...

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Spitzenreiter-Jubel: Die Bayern haben jetzt fünf Punkte Vorsprung auf den VfL.
Spitzenreiter-Jubel: Die Bayern haben jetzt fünf Punkte Vorsprung auf den VfL. © 2020 Getty Images
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Fünf Punkte Vorsprung haben die Frauen des FC Bayern jetzt auf den VfL Wolfsburg - in einer Liga, in der Ausrutscher gegen untere Teams extrem selten sind, ist das sehr viel. Aber: Dass ein dicker Vorsprung auch mal schnell weg sein kann, weiß man gerade in Wolfsburg gut...

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Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg haben das Spitzenspiel beim FC Bayern München am Sonntagmittag deutlich mit 1:4 verloren. Durch den Erfolg konnten die Münchnerinnen ihren Puffer an der Tabellenspitze auf fünf Punkte ausbauen, der VfL befindet sich weiter in der Verfolger-Rolle. Einen Vorentscheid im Kampf um die Meisterschaft sehen beide Mannschaften aber nicht. Denn: Fünf Zähler klingen zwar nach viel, können aber auch schnell verspielt sein...

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"Wir wissen, dass wir jetzt fünf Punkte zurückliegen, aber es gab schon einmal eine ähnliche Situation bei uns", erinnert sich Trainer Stephan Lerch. Das beste Beispiel liefert der VfL diesbezüglich nämlich selbst: 2019 verspielte der Titelverteidiger einen Vorsprung von stolzen sieben Punkten. Nachdem die Wolfsburgerinnen gegen Potsdam und Essen nur Unentschieden gespielt und das direkte Duell mit Verfolger Bayern 2:4 verloren hatten, waren die beiden besten Vereine im deutschen Frauenfußball nach dem 14. Spieltag plötzlich mit 35 Punkten gleichauf - lediglich das bessere Torverhältnis sprach da noch für die Wolfsburgerinnen. Am Ende der Saison stemmte die damalige Kapitänin Nilla Fischer aber wieder die Schale in die Luft, da die Bayern im weiteren Verlauf gegen Potsdam und Sand patzten und der VfL keine weiteren Punkte liegen ließ.

Die VfL-Frauen bei den Bayern - Der Classico in Bildern

Münchens Carina Wenninger (l), Lina Bühl (2.v.r.) und Hanna Glas (r) kämpfen mit Wolfsburgs Karina Saevik um den Ball. Zur Galerie
Münchens Carina Wenninger (l), Lina Bühl (2.v.r.) und Hanna Glas (r) kämpfen mit Wolfsburgs Karina Saevik um den Ball. ©

Die Wolfsburgerinnen können in dieser Saison nicht mehr aus eigener Kraft Meister werden - und haben schon die nächste anspruchsvolle Hürde vor der Brust: Kommenden Freitag (19.15 Uhr, live auf Eurosport) gastiert Eintracht Frankfurt im AOK-Stadion, danach trifft der VfL auf Werder Bremen (13. Dezember, 14 Uhr) und die SGS Essen (20. Dezember, 14 Uhr). München trifft vor der Winterpause noch auf Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt und den SC Sand.

"Die Bayern haben einen Lauf, sie werden jetzt nicht anfangen zu wackeln, sagte Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Frauen nach dem 1:4 in München. "Aber sie wissen auch, dass wir wieder dran sind, wenn sie mal unentschieden spielen sollten." Und um diesen Druck aufrechtzuerhalten, müsse man "bis zur Winterpause alle Punkte holen".

Die Bayern sind darauf vorbereitet, dass der VfL den Druck hochhält. "Eine Vorentscheidung in Richtung Meisterschaft war das auf gar keinen Fall", so Lina Magull, Ex-Wolfsburgerin beim FCB. "Wir haben noch viele Spiele vor uns und müssen Woche für Woche hundert Prozent geben. Wir machen das bisher ganz gut und müssen daran weiter anknüpfen.“ Ähnlich sieht's Münchens Torfrau Laura Benkarth: "Die Saison ist noch sehr lang, deshalb dürfen wir uns auf dem Sieg nicht ausruhen." Aber: Der Sieg gegen den Meister und Dauerrivalen "sollte uns Selbstvertrauen geben, da wir jetzt fünf Punkte Puffer haben".

Popp fehlt auch in der EM-Quali

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg berief Montagmittag das 24-köpfige Aufgebot für die abschließenden EM-Qualifikationsspiele der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft am Freitag, 27. November (16 Uhr), in Ingolstadt gegen Griechenland und am Dienstag, 1. Dezember (ab 18 Uhr), in Dublin gegen Irland. Mit Lena Oberdorf, Felicitas Rauch, Kathrin Hendrich, Svenja Huth und Pia-Sophie Wolter setzt die 52-Jährige auf fünf Akteurinnen des VfL. Verzichten muss sie weiterhin auf Alexandra Popp (Kapselriss im Fuß), Sara Doorsoun (Aufbautraining) und Stürmerin Pauline Bremer (Kreuzbandriss).

Die DFB-Auswahl hatte sich Ende Oktober bereits vorzeitig für die EM in England qualifiziert. "Dass wir uns schon vor diesen beiden letzten Spielen für die EM qualifiziert haben, unterstreicht die Qualität unserer Mannschaft. Es ist ein Statement, ohne Punktverlust und Gegentor bisher durch die Gruppe gekommen zu sein", betont die Bundestrainerin, deren klares Ziel es dennoch ist "jetzt auch noch die abschließenden Partien zu gewinnen. Es darf dabei keine Rolle spielen, dass wir schon qualifiziert sind. Ich möchte Einsatzbereitschaft, Spielfreude und Leidenschaft von allen Spielerinnen sehen, wir werden aber auch Belastungen verteilen und wollen mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause gehen."