04. April 2021 / 19:02 Uhr

Wolfsburgs Fußballerinnen und der trotzige Siegeswille: "Man darf uns nicht abschreiben!"

Wolfsburgs Fußballerinnen und der trotzige Siegeswille: "Man darf uns nicht abschreiben!"

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Siegeswille: Alex Popp nach dem 1:0 (l.) und das VfL-Team nach dem Abpfiff (r.).
Siegeswille: Alex Popp nach dem 1:0 (l.) und das VfL-Team nach dem Abpfiff (r.). © Boris Baschin
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Das 2:0 im Halbfinale des DFB-Pokal war für die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg mehr als nur ein Sieg in einem wichtigen Spiel. Es war auch ein Zeichen an die Konkurrenz: Denn der amtierende Meister mag zwar nicht mehr so dominant sein wie in den letzten Jahren - aber der Siegeswille ist ungebrochen.

2:0-Sieg im Halbfinale! Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg setzten sich Ostersonntag gegen den FC Bayern durch und stehen wieder im Endspiel um den DFB-Pokal. Die Wachablösung im deutschen Frauenfußball ist damit zumindest erst einmal vertagt. "Wir haben heute gezeigt, dass nach wie vor mit uns zu rechnen ist", so Wolfsburgs Trainer Stephan Lerch nach Abpiff trotzig. Für die Bayern war es nach 26 Siegen in Serie die erste Saisonniederlage, für den VfL ein Zeichen an die Konkurrenz Lerch weiß: "Das ist eine wahnsinnige Serie und die Vorzeichen waren alles andere als gut. Aber da sind wir wieder bei dem Thema, dass man uns nicht abschreiben und unterschätzen darf. Meine Mannschaft hat heute eine ganz starke Reaktion gezeigt.

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Beim VfL-Aus im Viertelfinale der Champions League gegen Chelsea vergangenen Mittwoch waren unnötige Fehler und eine mangelhafte Chancenverwertung ein Faktor, gegen Bayern gelang es jetzt, die Konzentration auf "die einfachen Tugenden", wie Lerch befand. "Wir haben wirklich wenig Fehler gemacht, kompakt gestanden und heute zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht. Das hat uns gepusht und gezeigt: Heute sind wir da und präsent. Die Mannschaft hat sehr stark gegen den Ball gearbeitet, es war eine für die andere da und jeder hat sich füreinander eingesetzt. Jede Spielerin hat heute das Beste aus sich heraus geholt und wir haben am Ende völlig verdient gewonnen."

Auch die Unterstützung von der Bank aus war ein wichtiger Faktor. So stand Almuth Schult überraschend an Stelle von Friederike Abt (verlässt den Verein im Sommer) im Kader und pushte ihre Mannschaft von der Tribüne aus lautstark. Die Mama von Zwillingen dirigierte, motivierte und war für ihr Team da. Während sich die 30-Jährige vor Wochen mit der Entscheidung, nur Nummer 3 zu sein, zufrieden geben musste und in der U20 Spielpraxis sammelte, öffnete Lerch jetzt wieder die Tür für mehr. Ändert sich die Hierachie im Tor? "Für heute war das so. Wie es weitergeht, dazu mache ich mir in den kommenden Tagen Gedanken", bestätigte Lerch, und unterstrich: "Wir wissen alle, dass Almuth eine wichtige Persönlichkeit ist, dazu ist sie Kapitänin."

Für die Wolfsburgerinnen ging es um den siebten Pokal-Finaleinzug in Folge, für die Bayern ging es um das mögliche Triple. Im Finale trifft der VfL am 30. Mai in Köln im Rhein-Energie-Stadion auf die Frankfurter Eintracht, die bereits am Samstag durch einen 2:1-Erfolg gegen den SC Freiburg den Einzug ins Endspiel perfekt machte. "Das klingt nach einem guten Finale", so Lerch, der trotzdem sagt: "Für uns ist es natürlich zweitrangig, gegen wen es geht. Fakt ist auch, wenn man sich die Tabelle anschaut, dass wir schon als Favorit in dieses Endspiel gehen." Für den 36-Jährige aber eine Situation, "die wir schon aus den letzten Jahren kennen. Die Rolle nehmen wir an und eins ist natürlich auch klar: Wenn man im Finale steht, will man das auch gewinnen! Wir wollen unsere Serie weiter ausbauen." Jetzt zählt aber erst einmal: "Durchatmen und den Moment genießen! Das war heute eine ganz große Hürde, die wir toll gemeistert haben."

Oberdorf: "Finale wird ein Brecher"

Groß ist die Freude auch bei Lena Oberdorf, die nach zwei abgesessenen Gelb-Sperren in der Liga und Champions League wieder in der Startelf stand. Letztes Jahr schaffte sie mit ihrem Ex-Verein SGS Essen den Einzug ins DFB-Pokal-Finale, unterlag aber dramatisch dem VfL Wolfsburg im Elfmeterschießen. Dass es jetzt direkt wieder geklappt hat, "freut mich riesig und ich kann es kaum erwarten!" Die 19-Jährige weiß: "Wenn wir die Leistung von heute auch im Endspiel auf den Platz bringen, ist alles drin." Trotzdem, so die Nationalspielerin, "ist Frankfurt natürlich auch ein guter und starker Gegner, den wir jetzt schon sehr oft bespielt haben, unter anderem in der Vorbereitung. Sie kennen uns, wir kennen sie - deswegen wird das echt ein Brecher und ein hartes Spiel."

Dass die Wolfsburgerinnen die Bayern spielerisch so in Schach halten können, damit hätte Oberdorf vorweg nicht gerechnet. Aber: "Wir wissen, wo unsere Stärken liegen. Wir sind weiterhin ein Top-Klub und haben das jetzt auch gegen Bayern gezeigt! Wir haben das Spiel super dominiert, auch wenn mal ein Fehlpass und gute Umschaltmomente der Münchnerinnen dabei waren." In der Königsklasse raus, in der Liga fünf Punkte hinter den Bayern, im Pokal im Finale. Ob es wirklich nur bei einem Titel bleibt? Oberdorf ist sich sicher: "Diese Saison ist weiter alles möglich. Ich bin gespannt, was die Zukunft noch bringt. Fakt ist aber auch, dass wir jedes Spiel gewinnen müssen und weiter hart arbeiten."


VfL Wolfsburg gegen die Bayern: Die Bilder

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Carina Wenninger gegen Ewa Pajor ©

Scheuer: "Haben uns einschüchtern lassen"

Nach dem bitteren aus im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den VfL war die Stimmung bei den FCB-Frauen getrübt. "Wir wussten, dass es schwer wird, hier zu gewinnen. Die erste Halbzeit haben wir verschlafen. Wir wollten eigentlich das Spiel bestimmen, aber haben uns da von der Robustheit von Wolfsburg ein bisschen einschüchtern lassen", gab Coach Jens Scheuer zu. In der zweiten Hälfte "haben wir nochmal alles probiert und wenn da der Anschlusstreffer fällt, sind wir nochmal drin im Spiel. Aber schlussendlich war es ein verdienter Erfolg für Wolfsburg. Das müssen wir so annehmen. Eine Chance, um Titel zu holen, ist weg." Verteidigerin Marina Hegering erkannte an: "Heute hat einfach die letzte Zugkraft gefehlt. Von vorne bis hinten fehlten einfach die letzten drei, vier Prozent Entschlossenheit und Zielstrebigkeit. Der unbedingte Wille war bei Wolfsburg größer. Da kann es viele Gründe dafür geben. Trotzdem müssen wir uns an die eigene Nase fassen."