14. August 2020 / 23:42 Uhr

Wolfsburgs Fußballerinnen auf Trainersuche: Macht's Hingst?

Wolfsburgs Fußballerinnen auf Trainersuche: Macht's Hingst?

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Stephan Lerch und Ariane Hingst
Stephan Lerch und Ariane Hingst © Britta Schulze
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Trainer Stephan Lerch wird die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg am Saisonende verlassen. Die Nachfolge-Suche läuft und wird nicht leicht - aber Zeitdruck verspürt der Sportliche Leiter Ralf Kellermann nicht.

Eine der besten Frauenfußball-Mannschaften Europas ist ab sofort auf Trainersuche: Erfolgscoach Stephan Lerch wird das Team des VfL Wolfsburg nach der kommenden Saison verlassen. Er habe sich "dazu entschieden, im Sommer 2021 und nach dann acht wunderbaren Jahren eine neue Herausforderung anzunehmen", so Lerch, der seinen Entschluss am Donnerstagabend der Mannschaft mitgeteilt hat.

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Lerch, der gerade seinen Fußball-Lehrer-Lehrgang beim DFB absolviert, ist seit 2013 beim, war VfL-II-Coach, Nachwuchschef und Co-Trainer der Bundesliga-Mannschaft, ehe er nach dem Wechsel von Ralf Kellermann in die Sportliche Leitung das Team übernahm. Nach Bernd Huneke und Kellermann war er der dritte Coach der Frauenmannschaft nach deren Wechsel 2003 vom WSV Wendschott zum VfL. Der 36-Jährige gewann mit seinem Team dreimal in Folge das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal und erreichte das Champions-League-Finale 2018.

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Auch in der Corona-Krise treiben die Vereine der Frauenfußball-Bundesliga ihre Personalplanungen für die neue Saison voran. Der SPORTBUZZER fasst die wichtigsten Transfers zusammen. ©

Sein Abschied hatte sich intern angedeutet, schon im vergangenen Jahr stand ein Wechsel im Raum. Damals, so Lerch, "habe ich mich mit den VfL-Verantwortlichen gezielt auf eine Laufzeit bis 2021 verständigt, weil dieser Gedanke schon eine Rolle spielte". Aktuell sei es nun "für mich offen, wo es ab Sommer 2021 weitergehen wird".

Gut für den VfL: Durch die frühzeitige Entscheidung bleibt nun reichlich Zeit für die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin. "Und es trifft uns nicht ganz unvorbereitet", so Kellermann, der den Markt der Trainer und Trainerinnen längst im Blick hat. "Wir brauchen jemanden, der die nötige Sozialkompetenz mitbringt und der zum Spielstil der Mannschaft passt."

Eine naheliegende Lösung wäre Ariane Hingst. Die Ex-Nationalspielerin (174 Länderspiele) ist seit 2016 Co-Trainerin des VfL und bringt aus ihrer aktiven Karriere reichlich Erfahrung auf allerhöchstem Niveau mit. Kellermann will diese Möglichkeit nicht ausschließen, sagt aber auch: "Es ist zu früh, darüber konkret zu reden oder gar zu spekulieren. Möglicherweise ist eine interne Lösung sinnvoll, vielleicht ist aber auch frischer Wind von außen hilfreich." Letzteres könnte für Thomas Wörle sprechen. Der Ex-Coach des großen Rivalen FC Bayern ist seit einem Jahr ohne Verein und hat gerade seine Fußballlehrer-Ausbildung absolviert.

Klar ist: Die Aufgabe für den Lerch-Nachfolger wird nicht leicht. Die Latte liegt nach den Erfolgen der letzten Jahre hoch, die Konkurrenzsituation mit aufstrebenden Klubs aus England, Frankreich, Italien oder Spanien wird gerade international immer schwieriger - und schon jetzt fällt es dem VfL schwer, Top-Spielerinnen zu halten. Sara Gunnarsdottir und Noelle Maritz verließen Wolfsburg in diesem Sommer, für das nächste Jahr stehen die Abschiede von Pernille Harder, Fridolina Rolfö und Ingrid Engen im Raum. "Das alles", so Kellermann, "ist sehr herausfordernd."


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Der Fokus liegt nun aber erst einmal auf den aktuellen Zielen. Aktuell befinden sich Lerch und das Team im Kurztrainingslager in Harsewinkel, bereiten sich dort auf das Endturnier der Champions League vor, das am 21. August in San Sebastian im Baskenland startet. Der VfL trifft dann erst einmal im Viertelfinale auf den schottischen Vertreter Glasgow City FC. Der VfL, daraus macht Kellermann keinen Hehl, hätte "die überaus erfolgreiche Zusammenarbeit mit sechs Titelgewinnen seit 2017 natürlich sehr gerne fortgesetzt", er sei aber "sehr zuversichtlich, dass wir in der verbleibenden gemeinsamen Zeit weitere Erfolge feiern können“.

Ähnlich sieht es Lerch: „Es ist für mich nach wie vor eine sehr große Ehre und Herausforderung, mit dem VfL ein absolutes Top-Team im Frauenfußball unter herausragenden Bedingungen trainieren zu dürfen", darum gelte die gesamte Konzentration "ausschließlich dem Erreichen aller mit dem VfL gesteckten Ziele - und ich freue mich auf die vielfältigen Herausforderungen in der neuen Saison!“