11. März 2021 / 16:09 Uhr

Wolfsburg gegen den Letzten: Das Spiel mit der größten Fallhöhe

Wolfsburg gegen den Letzten: Das Spiel mit der größten Fallhöhe

Andreas Pahlmann und Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Auf einen legte sich der Trainer fest: Josuha Guilavogui kehrt gegen Schalke in die VfL-Startelf zurück.
Auf einen legte sich der Trainer fest: Josuha Guilavogui kehrt gegen Schalke in die VfL-Startelf zurück. © Boris Baschin
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Champions-League-Kandidat gegen Quasi-Absteiger: Der VfL Wolfsburg erwartet am Samstag Schalke 04. Trainer Oliver Glasner warnt vor dem Spiel mit der größten Fallhöhe - und kündigt das Startelf-Comeback seines Kapitäns an.

VfL Wolfsburg gegen den FC Schalke 04 - in keinem anderen Spiel dieser Saison ist der VfL so klarer Favorit wie in der kommenden Partie am Samstag (15.30 Uhr) in der VW-Arena. Während die Niedersachsen trotz der Niederlage zuletzt bei 1899 Hoffenheim als Tabellendritter weiter um die Champions League spielen, ist es bei den Königsblauen wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der Abstieg aus der Fußball-Bundesliga auch rechnerisch feststeht. Heißt aber auch: In keinem anderen Spiel ist für die Wolfsburger die Fallhöhe so groß wie in diesem...

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VfL-Trainer Oliver Glasner, der auch zu Gerüchten um seine Zukunft Stellung nahm, mahnte am Donnerstag jedenfalls: "Wir sind gewarnt, wir haben im Pokalspiel gesehen, dass es kein Selbstläufer ist." Die Pokalpartie hatte Anfang Februar der VfL zwar überlegen gestaltet, brauchte zum Sieg aber einen im Nachschuss verwandelten Elfmeter. Jetzt sei das VfL-Ziel, "dass wir nach der unnötigen Niederlage in Hoffenheim zurück in die Erfolgsspur kommen".

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Die Ausgangslage ist krass: Während der VfL mit 45 Punkten die zweitbeste Saison seiner Bundesliga-Geschichte spielt (nur 2015 waren es nach 24 Spieltagen mehr Zähler), steht Schalke bei nur zehn Punkten - weniger hatte seit Bundesliga-Gründung vor 58 Jahren zu diesem Zeitpunkt der Saison nur Tasmania Berlin 1965/66. Und dass das Spiel in Wolfsburg stattfindet, macht die Ausgangslage noch extremer: Denn Schalke ist auf fremdem Platz seit 22 Spielen (!) sieglos, während der VfL in dieser Saison daheim unbesiegt ist (sieben Siege, vier Remis) und in der Rückrunde noch kein Gegentor in der VW-Arena hinnehmen musste. Insgesamt gab es für die Wolfsburger in dieser Spielzeit ohnehin erst acht Heim-Gegentore - Liga-Rekord.


Das einzige, was statistisch für Schalke spricht, ist der "Mini-Trend" - am vergangenen Freitag gab es bei der Premiere von Neu-Trainer Dimitrios Grammozis immerhin ein 0:0 gegen Mainz, den ersten Punkt nach zwei Pleiten mit insgesamt neun Gegentoren. Der VfL dagegen kassierte in Hoffenheim die erste Niederlage nach neun unbesiegten Liga-Spielen. Und steht nun vor dem nur vermeintlich leichtesten Spiel der Saison. Schalke habe, so Glasner, "gegen Mainz großes Herz gezeigt, den Strafraum zu verteidigen". Darauf müsse man sich einstellen, damit das Spiel auch nur annähernd so souverän werde könne, wie es von der Papierform her vielleicht aussieht. "Wir brauchen Lösungen und Durchsetzungsvermögen." Und: "Wenn wir denken, dass der Gegner nicht von Selbstvertrauen strotzt, wollen ihm erst gar nicht die Möglichkeit geben, Selbstvertrauen aufzubauen!"

Guilavogui spielt, drei Optionen für hinten links

Verzichten muss Glasner dabei auf Xaver Schlager, Maxence Lacroix, Paulo Otavio (alle gesperrt) und Renato Steffen (verletzt). Wer läuft stattdessen auf? "Josh Guilavogui wird von Anfang an spielen, da lege ich mich schon fest. Das hat er sich absolut verdient. Er ist der Kapitän der Truppe und hat immer Gas gegeben." Hinten links hat er die Wahl zwischen Ridle Baku und Yannick Gerhardt, zudem wäre "Kevin Mbabu auch eine Option", als Lacroix-Ersatz in der Abwehr steht Marin Pongracic bereit. Glasner: "Ich habe gar keine Bauchschmerzen, weil die Jungs die Situation so annehmen wie sie ist. Sie wissen, was auf der Position zu tun ist. Sie werden alles für den Erfolg der Mannschaft tun und von den Mitspielern unterstützt." Jerome Roussillon ist noch keine Alternative für die Anfangsformation. "Er hat am Donnerstag mit der Mannschaft trainiert, es war aber eine eher lockere Einheit. Sollte er das gut vertragen und das Abschlusstraining mitmachen können, wird er im Kader stehen", so Glasner. Ein Startelf-Einsatz käme für den Linksverteidiger "noch zu früh. Aber ich bin schon froh, wenn ich ihn für ein paar Minuten auf der Bank habe."

Personalsorgen hat vor dem Spiel auch Schalke - bis zu zwölf Ausfälle schienen unter der Woche möglich, am Ende werden es wohl elf sein, denn Amine Harit (muskuläre Probleme) kann wohl auflaufen. Grammozis schränkt allerdings ein: "Harit hat ein individuelles Programm absolviert, da müssen wir abwarten." Er sei aber "auf jeden Fall eine Option für das Wochenende".

Dass der VfL durch die nötigen Umstellungen schwächer sei als beispielsweise beim Pokal-Duell vor einigen Wochen (das Wolfsburg mit 1:0 gewann), glaubt Grammozis nicht: "Das ist eine sehr starke Mannschaft und eine eingespielte Truppe", so der fünfte S04-Coach in dieser Saison. "Sie haben genug Spieler, um das auszugleichen." Dennoch ist er sich sicher: "Wir haben die Qualität, Wolfsburg wehzutun. Wir sind nicht chancenlos."