13. Januar 2022 / 20:44 Uhr

Wolfsburg gegen Hertha: Ein Treffen auf großer Fallhöhe

Wolfsburg gegen Hertha: Ein Treffen auf großer Fallhöhe

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Sorgenkinder der Bundesliga: Der VfL Wolfsburg trifft am Samstag auf Hertha BSC.
Sorgenkinder der Bundesliga: Der VfL Wolfsburg trifft am Samstag auf Hertha BSC. © (c) Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Der VfL Wolfsburg und Hertha BSC laufen ihren Ansprüchen hinterher. Am Samstag treffen beide Klubs aufeinander. Die akute Lage bei den Niedersachsen ist dramatischer, der Weg in die richtige Spur dafür bei den Berlinern deutlich länger.

Die Fallhöhe ist bei beiden hoch, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Der VfL Wolfsburg muss sich am vierten Platz der Vorsaison messen lassen, Hertha BSC am Anspruch, ein Hauptstadtklub mit internationaler Perspektive sein zu wollen, im Buhlen um die Aufmerksamkeit in einer Millionen-Metropole vielleicht sogar sein zu müssen. Es kriselt vor dem direkten Duell am Samstag (15.30 Uhr) in der VW-Arena auf beiden Seiten - weil 20 Punkte auf Wolfsburger und 21 Punkte auf Berliner Seite bei weitem nicht reichen, den eigenen Ansprüchen auch nur nahezukommen.

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Und auf beiden Seiten stellt sich die Trainerfrage. In Wolfsburg, weil keiner weiß, wann die Kurve kommt, die Florian Kohlfeldt nach acht Pflichtspiel-Niederlagen kriegen muss. Und bei Hertha, weil man Tayfun Korkut, der im November Pal Dardai ablöste, nur für eine Übergangslösung bis Sommer hält. Niko Kovac taucht hier wie dort als Nachfolge-Kandidat auf, beim VfL allerdings eher in Fan-Foren als in den Überlegungen der sportlichen Führung. Die Idee, Kovac könnte Hertha-Trainer werden, klingt da schon gehaltvoller, weil der vermeintliche Kandidat Berliner ist, für die Hertha spielte und weil ihn mit dem jetzigen Hauptstadtklub-Macher Fredi Bobic eine gemeinsame Erfolgsgeschichte in Frankfurt verbindet. Dass nun zu hören ist, Kovac würde nach seinem Aus bei der AS Monaco keinesfalls in die Bundesliga zurückkehren wollen, dürfte die Diskussion nur so lange bremsen, bis in Wolfsburg, Berlin oder anderswo wirklich ein Trainerposten frei wird.

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Bis dahin gibt es die branchenüblichen Rückendeckungsversuche, die ab einer gewissen Häufigkeit eher gegenteilige Wirkung haben. Korkut, so lobte Bobic in dieser Woche im SPORTBUZZER-Interview, habe eine "verbindliche und ehrliche Art", könne "sich Situationen anpassen" und sei jemand, der "positiv denkt, der frei im Kopf ist". Und: "Die Art, wie er Fußball spielen lassen möchte, mit einer offensiven Orientierung, ohne starr daran festzuhalten, gefällt mir." Sätze, die auch nicht falsch klängen, würde man sie über Kohfeldt sagen.


Bei aller Gemeinsamkeit und aller Nähe in der Tabelle: Der große Unterschied zwischen Wolfsburg und Berlin besteht darin, dass die akute Lage des VfL deutlich dramatischer ist als bei der Hertha, wo Korkut aus den letzten fünf Ligaspielen immerhin sieben Punkte und damit sieben mehr als Kollege Kohfeldt holte. Und weil die Niedersachsen als Champions-League-Teilnehmer ambitionierter in diese Saison gestartet sind als der Samstags-Gegner, klaffen Wirklichkeit und Anspruch beim VfL zumindest kurzfristig weiter auseinander als in Berlin.

Mittelfristig allerdings ist der Weg zum eigenen Anspruch für Bobic und Co. deutlich länger als in Wolfsburg, wo man in dieser Saison womöglich wieder zu der Erkenntnis kommt, dass die Bundesliga-Zugehörigkeit einer jungen 130.000-Einwohner-Stadt keineswegs selbstverständlich ist, VW hin, 2009 her. In der Millionen-Metropole Berlin dagegen müssen die Ansprüche zwangsläufig höher sein, auch wenn das Attribut "Big City Club" mittlerweile nur noch als Spott-Vorlage taugt. "Wir sind in einer großen Stadt, ja, und wir sind ein Klub in dieser großen Stadt. Das war es aber auch erst mal", sagt Bobic und stört sich weniger an großen Zielen als vielmehr am Ausposaunen selbiger zum falschen Zeitpunkt. "Ich habe schon ein paar Mal gesagt: Hier wurde in der Vergangenheit oft zu laut kommuniziert", sagt er. Sein Motto sei eher: "Keine großen Sprüche, sondern erst einmal arbeiten, abliefern und lieber im Anschluss darüber reden, wenn man etwas geschafft hat, wie man es geschafft hat."

Die Sorgen in Wolfsburg sind derweil etwas naheliegender - und die Aussagen entsprechend profaner. "Unsere Aufgabe ist es", so Sportdirektor Marcel Schäfer, "den Fokus darauf zu haben, dass wir uns stabilisieren." Denn sonst, das gilt nun wieder für beide, geht es nicht mehr um Ziele, sondern nur noch um den Abstand zu den Tabellenplätzen 16 und 17. Und die Landung dort ist, ganz unabhängig von der Fallhöhe, immer hart.