15. Oktober 2020 / 14:43 Uhr

Wolfsburg vorm Gladbach-Spiel: Primetime-Fußball und die Hoffnung auf mehr Tore

Wolfsburg vorm Gladbach-Spiel: Primetime-Fußball und die Hoffnung auf mehr Tore

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Samstagabend-Unterhaltung: Trainer Glasner tritt mit dem VfL (M. Arnold) in Mönchengladbach (l. Stindl) an.
Samstagabend-Unterhaltung: Trainer Glasner tritt mit dem VfL (M. Arnold) in Mönchengladbach (l. Stindl) an. © dpa
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Der VfL Wolfsburg tritt am Samstag um 20.30 Uhr bei Borussia Mönchengladbach an. Trainer Oliver Glasner freut sich auf Fußball zur Primetime - und hofft auf mehr Tore. Zuschauer werden wahrscheinlich nicht im Stadion sein.

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Die Länderspiel-Pause ist vorbei, die Bundesliga geht weiter. Vor dem Spiel des VfL Wolfsburg am Samstag (20.30 Uhr) bei Borussia Mönchengladbach gilt für beide Teams: So richtig einordnen kann man den bisherigen Saisonverlauf in der Liga nicht. Während Wolfsburg dreimal unentschieden spielte, kommt Gladbach bei einem Sieg (vor zwei Wochen gegen Köln), einer Niederlage (in Dortmund) und einem Remis (gegen Union) auch nur auf einen Zähler mehr als die Niedersachsen.

Erst ein Gegentor kassiert - das ist die gute Seite der VfL-Bilanz aus den ersten drei Spielen. Erst eines geschossen - das ist die nicht so gute Kehrseite. Trainer Oliver Glasner: "Wir hatten in allen Spielen genug Möglichkeiten - am wenigsten noch in Freiburg, wo wir getroffen haben. Wir werden versuchen, uns noch mehr Torchancen zu erspielen, aber das wird in Gladbach nicht einfach." Zumal man gegen das Gladbacher Tempo im Umschaltsituationen eine gute Absicherung brauche.

Für VfL-Torwart Koen Casteels ist Gladbach "ein guter Gegner, der gut Fußball spielt", da werde es "nicht einfach sein", den ersten Saisonsieg einzufahren. Aber: "Wir haben zuletzt beim 0:0 gegen Augsburg was liegengelassen, da müssen wir die Punkte irgendwo wieder aufholen..." Und: Gegen spielstarke Mannschaften zog sich der VfL zuletzt oft gut aus der Affäre. „Vielleicht, weil wir besser aus der Kompaktheit agieren und mit schnellen Umschaltmomenten spielen können“, so Casteels. „Aber wir müssen auch gegen andere Gegner Spiele für uns entscheiden - und daran arbeiten." Schon der nächste Gegner nach Gladbach - Aufsteiger Bielefeld am 25. Oktober in der VW-Arena - wird die VfL-Offensive entsprechend fordern.

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Mit Ridle Baku und Maximilian Philipp werden die beiden jüngsten VfL-Neuzugängen wohl am Samstag im Kader sein, Baku (kam aus Mainz) hat sogar gute Chancen auf seine Startelf-Premiere. Glasner: "Er kommt mit einem Erfolgserlebnis von der U21 zurück, wir haben ihm per Video gezeigt, wie wir spielen - ich denke, er ist bereit, von Anfang an zu spielen." Philipp, ausgeliehen von Dinamo Moskau, ist dagegen wohl eher als Joker eingeplant. "Er erlebt hier eine viel höhere Intensität im Training, man sieht, dass ihm das zu schaffen macht. Es ist erfreulich, jetzt mehrere Alternativen zu haben - aber wir wollen nichts übers Knie brechen." Ein Alternative könnte auch Renato Steffen sein, der nach Corona-Quarantäne seit Montag wieder im Training ist. "Die ersten beiden Tage war er ganz schön am Anschlag", berichtet Glasner, "dann wurde es besser. Ich weiß noch nicht, ob es für 90 Minuten reicht, aber er hat einen guten Eindruck hinterlassen."

Das letzte Duell im Juni gewann Mönchengladbach gegen Wolfsburg souverän mit 3:0. "Die Wolfsburger Mannschaft ist größtenteils die gleiche wie in der vergangenen Saison, auch der Trainer ist noch der gleiche", so Gladbach-Coach Marco Rose. "Wir werden die positiven Dinge aus dem Spiel von damals mitnehmen, die Wolfsburger Abläufe snd relativ klar, das muss man sauber verteidigen." Beim 3:0 habe man das "gut hinbekommen, da macht es Sinn, darauf noch mal hinzuweisen und gute Szenen aus dem Spiel noch mal zu zeigen".

In Mönchengladbach und in Wolfsburg geht's vor dem Spiel auch darum, wie gut die Nationalspieler ihre Länderspiel-Reisen verkraftet haben. Sieben Borussia-Profis und sechs VfLer waren mit ihren Auswahlteams unterwegs. Noch am Mittwoch etwa spielte Gladbachs Stefan Lainer zusammen mit den Wolfsburgern Xaver Schlager und Pavao Pervan für Österreich in Rumänien. Weil die Länderspiel-Abstellungen bis Mittwoch dauerten (und nicht wie üblich bis Dienstag), verzichtet die Liga in dieser Woche auf ein Freitagspiel. Stattdessen gibt es das Spiel am Samstagabend zur "Freitag-Uhrzeit" um 20.30 Uhr - Gladbach gegen Wolfsburg, live zu sehen beim Internet-Streamingdienst DAZN, der in der Regel die Partien am Freitag überträgt.

Auch die nächste Abstellungsperiode im November (wieder mit drei Spielen) dauert einen Tag länger als üblich, deswegen wird es auch am achten Spieltag einen Partie am Samstagabend um 20.30 Uhr geben - Hertha gegen Dortmund. Glasner mag die Anstoßzeit: "Ich finde das super - Primetime und hoffentlich schöne Samstagabend-Unterhaltung."

Das Spiel an diesem Samstagabend im Borussia-Park wird wahrscheinlich vor leeren Rängen stattfinden - statt wie erhofft vor gut 10.000 Zuschauern. Entscheidend dafür ist Inzidenzwert, der beschreibt, wie viele Neuinfektionen es pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen gab. In Gladbach stieg dieser Wert wie fast überall in Deutschland täglich und lag am Donnerstagvormittag bereits nur knapp unter dem Grenzwert von 35. Wird dieser überschritten, wird die von der Stadt erteilte Ausnahmegenehmigung für 20 Prozent der Gesamtkapazität an Zuschauern widerrufen. Glasner: "Es passiert täglich gerade sehr viel, leider in eine Richtung, die wir uns alle nicht wünschen. Die Politik wird eine Entscheidung treffen, die wir dann so akzeptieren." Die Entscheidung darüber fällt am Freitag.

Ein Geisterspiel, so Rose, wäre "schade, aber es gehört im Moment dazu. Es gibt klare Regeln und Konzepte, und das ist auch gut so. Es ist wichtig, dass wir alle gut durch die Pandemie kommen und trotzdem arbeiten können - das betrifft nicht nur den Fußball." Man merke aber, "dass der Fußball erst wieder der alte sein wird, wenn alle ins Stadion gehen können".