22. Mai 2021 / 20:26 Uhr

Wolfsburg: Glasners Saison-Fazit klang nach Abschied

Wolfsburg: Glasners Saison-Fazit klang nach Abschied

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Der VfL (l. der Jubel beim letzten Saisontor) hat die Champions League erreicht, Trainer Glasner steht vorm Abschied.
Der VfL (l. der Jubel beim letzten Saisontor) hat die Champions League erreicht, Trainer Glasner steht vorm Abschied. © Swen Pförtner/dpa
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Er möchte nicht im Mittelpunkt stehen und deshalb nicht viel zu seiner Zukunft sagen - das erklärte Oliver Glasner, Trainer des VfL Wolfsburg, nach dem 2:3 gegen Mainz. Das Saisonfazit des Österreichers klang allerdings sehr nach Abschied.

Es werde, immerhin das ist durchaus neu, demnächst Gespräche über seine Zukunft geben. Oliver Glasner, Trainer des VfL Wolfsburg gab nach dem 2:3 im Saisonfinale gegen Mainz auf diesem Weg zu, dass diese Zukunft nicht geklärt ist - obwohl sein Vertrag bis 2022 läuft. Seit Wochen steht trotz einer überragenden Saison mit dem Einzug in die Champions League, der Abschied des Österreichers im Raum. Weil er sich in der Diskussion um seine (mittlerweile abgelaufene) Ausstiegsklausel nie dazu bekannte, Trainer der Niedersachsen bleiben zu wollen. Und weil sein extrem gestörtes Verhältnis zu Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke bekannt ist. Verein und Übungsleiter verstanden es lange Zeit, der Trainerfrage auszuweichen - die sportliche Bilanz zeigt, dass das die richtige Taktik war.

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Maximilian Philipp gegen die Mainzer Danny da Costa (l) und Leandro Barreiro Martins Zur Galerie
Maximilian Philipp gegen die Mainzer Danny da Costa (l) und Leandro Barreiro Martins ©

"Wir werden das eine oder andere Gespräch führen, wenn es da ein Ergebnis gibt, werden wir das verkünden", sagte Glasner nach dem Saisonfinale unmittelbar nach dem Abpfiff gegen Mainz der ARD. Auf der dann folgenden Pressekonferenz zog der 46-Jährige dann ein Saisonfazit, bei dem der Gedanke an einen Abschied vom VfL durchklang. "Lasst uns den Erfolg in den Mittelpunkt rücken", appellierte er immer wieder und lobte Mannschaft, Betreuer- und Trainerteam. "Alle anderen haben es sich verdient, dass sie jetzt in den Mittelpunkt rücken und dass wir nicht über meine Zukunft sprechen." Und ob er Trainer dieser Mannschaft bleiben will, könne er nicht sagen, denn: „Was ich jetzt sage, sind am Ende des Tages vielleicht nicht die richtigen Worte. Ich blicke einfach mit großem Stolz und mit großer Freude auf diese Saison zurück und das andere lasse ich jetzt einfach auf mich zukommen.“

Glasner lobte besonders den Spirit des Teams, als er auf eine "mega anstrengende Saison" zurückschaute - und an den holprigen Start im vergangenen Sommer erinnerte, als die Mannschaft nach dem Urlaub erst noch das Europa-League-Rückspiel gegen Donezk in Kiew aus der Vorsaison hatte absolvieren müssen. Glasner: "Und dann hatten wir zwei Wochen Training, bevor der halbe Kader zur Nationalelf gegangen ist und dort teilweise zweimal 90 Minuten gespielt hat." Danach standen sieben Spielen in drei Wochen an. "Wir waren überhaupt nicht fit für die Bundesliga, aber wir haben uns durchgekämpft."

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In der Quali zur Europa League jedoch gab's das Aus bei AEK Athen. Hinterher habe er mit einigen Spielern und Betreuern vorm Bus gestanden. "Die Köpfe waren alle unten." Nach dem 2:2 am vorletzten Wochenende in Leipzig, das den Einzug in die Königsklasse gesichert hatte, habe es eine ähnliche Szenerie gegeben. Da habe man hinterher wieder vor dem Bus gestanden und auf die Spieler gewartet. Da habe er den "einen oder anderen Betreuer" gefragt: "Wisst ihr noch, als wir in Athen waren? Hätte uns da einer gesagt, dass wir jetzt in die Champions League einziehen?" Glasner weiter: "Das sind so die emotionalen Momente für mich, die einfach hängen bleiben." Nach dem Athen-Spiel habe sich die Mannschaft "nicht zerfleischt", sondern sei "noch enger zusammengerückt. "Wir haben uns gesagt: Wir als Gruppe zeigen, dass wir es viel besser machen können. Diesen Geist, diesen Zusammenhalt haben wir jeden Tag gelebt." Dieser Geist habe ihn begeistert. Glasner: "Jeder hat den anderen unterstützt, egal, ob mal einer wegen Corona oder wegen eines Kreuzbandrisses ausgefallen ist."

Dass er die Diskussion über seine Zukunft nicht verhindern kann, solange diese nicht geklärt ist, ist ihm klar. „Ich kann hier und heute bestätigen, dass ich einen Vertrag bis 2022 habe. Alles andere wird die Zukunft zeigen“, sagte Glasner, und bestätigte erstmals, dass es da trotz dieses Vertrags Dinge zu bereden gibt - voraussichtlich mit Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer. „Natürlich werden wir uns über verschiedenste Dinge unterhalten. Sollte sich an meiner persönlichen Situation etwas ändern, werden wir das zügig mitteilen“, sagte der Wolfsburger Trainer.

Glasners Amtszeit beim VfL würde bei einem Abschied nach zwei Jahren enden. Länger saßen in der Bundesliga nur Wolfgang Wolf (1998 bis 2003) und Dieter Hecking (2013 bis 2016) auf dem Wolfsburger Trainerstuhl. Der Österreicher war seit Steve McClaren 2010 der erste Coach, der das Amt zu einem Saisonstart übernehmen konnte, in seinem ersten Jahr wurde er mit dem VfL Siebter, scheiterte anschließend in der Europa-League-Qualifikation. Im zweiten Jahr führte er Wolfsburg in die Champions League. "Was wir alle hier geleistet haben, ist außergewöhnlich", sagte er. "Wir sind auf Rang vier über die Ziellinie gegangen, mit der drittbesten Punkteausbeute in der Bundesliga-Geschichte des VfL, das dritte Mal hat sich der VfL für die Champions League qualifiziert. Und es ist meiner Meinung nach auch völlig verdient, dass wir auf diesem Platz stehen." Es sei eine "wirklich überragende Saison gewesen" und er freue sich "dass ich in dieser Saison als ein kleines Puzzleteil dazu beitragen durfte".

Darum wechselten die Trainer des VfL Wolfsburg

1997/98: Aufstiegstrainer <b>Willi Reimann</b> wurde im Team respektiert, herzlich war sein Umgang mit den Spielern nie. Nach der Winterpause wurden Risse sichtbar; als die WAZ enthüllte, dass Manager Peter Pander Reimanns Defizite im Umgang mit den Spielern ausgleichen sollte, war der Trainer sauer („Dann kann ich ja hinwerfen“), der VfL nahm die Aussage als Rücktritt. Uwe Erkenbrecher wurde für ein Spiel Interimscoach, dann folgte <b>Wolfgang Wolf</b>, der mit drei 1:0-Siegen in Folge startete. Zur Galerie
1997/98: Aufstiegstrainer Willi Reimann wurde im Team respektiert, herzlich war sein Umgang mit den Spielern nie. Nach der Winterpause wurden Risse sichtbar; als die WAZ enthüllte, dass Manager Peter Pander Reimanns Defizite im Umgang mit den Spielern ausgleichen sollte, war der Trainer sauer („Dann kann ich ja hinwerfen“), der VfL nahm die Aussage als Rücktritt. Uwe Erkenbrecher wurde für ein Spiel Interimscoach, dann folgte Wolfgang Wolf, der mit drei 1:0-Siegen in Folge startete. ©

Dass es bei den anstehenden Gesprächen mit Glasner um eine Vertragsauflösung geht, liegt mittlerweile auf der Hand. Sein Berater Andreas Sadlo (einst erster Präsident von RB Leipzig) soll bereits vor einigen Wochen in Wolfsburg gewesen sein, um über mögliche Trennungsmodalitäten zu sprechen. Und: Längst kursieren beim VfL Spekulation um mögliche Nachfolger. Für Gerüchte aus den Niederlanden, dass Mark van Bommel Top-Favorit sein soll, gibt es weiter keine Bestätigung. Und wie sich eine Vertragsaufösung mit Glasner gestalten lässt, ist ebenfalls offen. Findet sich ein Verein, der ihn gegen eine Ablöse aus seinem Vertrag herauskauft? Oder kassiert er bei einer Trennung eine Abfindung? Womöglich ist die Frage "Wer zahlt wem was?" die entscheidende in Sachen Glasner-Zukunft. Schmadtke jedenfalls hat sich beim VfL bisher als penibler Wirtschafter gezeigt, der weder auf Geld verzichtet noch freiwillig mehr ausgibt als nötig. Wann werden diese Gespräche stattfinden? Glasner: „Das wird man sehen, ich kann da keine befriedigende Antwort geben.“