08. Juni 2020 / 22:58 Uhr

Goeßlings zweite Pokal-Rückkehr in die Heimat: Schade, dass keiner gucken kann...

Goeßlings zweite Pokal-Rückkehr in die Heimat: Schade, dass keiner gucken kann...

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Lena Goeßling trifft im Pokal auf Arminia Bielefeld mit Sarah Grünheid
Lena Goeßling trifft im Pokal auf Arminia Bielefeld mit Sarah Grünheid
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Der VfL Wolfsburg tritt am Mittwoch im DFB-Pokal der Frauen bei Zweitligist Arminia Bielefeld an. Lena Goeßling, Ex-Nationalspielerin des VfL, ist gebürtige Bielefelderin - und freut sich über selbstbewusste Töne aus ihrer Heimat.

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Der DFB-Pokal ist für Lena Goeßling eine Reise in die Vergangenheit. Im Viertelfinale trat die Ex-Nationalspielerin mit dem VfL Wolfsburg bei ihrem Ex-Verein FSV Gütersloh an, im Halbfinale geht's am Mittwoch (14 Uhr, Stream auf sportschau.de) in ihre Heimatstadt Bielefeld. Im SPORTBUZZER-Interview spricht die 34-Jährige über Erinnerungen und über die Lage nach dem Re-Start der Liga.

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Bielefelds Stürmerin Sarah Grünheid hat bisher alle acht Tore der Arminia im Pokal geschossen und sagt jetzt vor dem Duell mit dem VfL, dass gegen Wolfsburg alles möglich und alles offen ist...

Das ist sehr, sehr selbstbewusst. (lacht) Sie haben ja auch gar nichts zu verlieren, können selbstbewusst in dieses Spiel gehen. Warum soll man immer tiefstapeln? Ich finde es toll, dass eine Spielerin des Gegners so auftritt - in der Liga vermisse ich das ein bisschen.

Wie fühlt sich für Sie der Fußball seit dem Re-Start der Liga an?

Es war schon komisch. Gerade das erste Spiel gegen Köln brauchten wir, um reinzukommen. Wir haben ja vorher gar kein Vorbereitungsspiel gehabt und konnten im Training nicht elf gegen elf spielen, das hat man auch teilweise noch ein bisschen gemerkt. Die Tönnies-Arena in Gütersloh kannte ich noch nicht, das war auch etwas anders mit dem Kunstrasen. Gegen Frankfurt hat man jetzt aber gesehen, dass wir als Mannschaft wieder einen Schritt in die richtige Richtung gemacht haben.

Lena Goeßling: Karriere in Bildern

In der U 17 spielte Goeßling erstmals für Deutschland, später gehörte sie auch zur U-19-Nationalmannschaft Zur Galerie
In der U 17 spielte Goeßling erstmals für Deutschland, später gehörte sie auch zur U-19-Nationalmannschaft ©

Was fühlt sich denn mehr an wie zu Hause, ihr Ex-Verein Gütersloh, für den sie von 2003 bis 2006 gespielt haben oder ihre Heimat Bielefeld?

Irgendwie ist beides gleich. Ich habe aber mittlerweile mehr Bezug zu Bielefeld als zu Gütersloh, was auch daran liegt, dass ich viele Freunde in Bielefeld habe und öfter mal da bin.

Die sind jetzt sicherlich auch traurig. Da kommen Sie schon zweimal in die Heimat…

...und dann ist es einfach schade, dass keine Zuschauer dabei sein können, ja. Denn dann wäre es irgendwie schon cooler, „zu Hause“ zu spielen. Meine Familie und meine Freunde wären sehr gerne dabei gewesen, meine Mutter hat mir beispielsweise auch direkt geschrieben, als es feststand, dass wir gegen Arminia Bielefeld spielen. Das ist so ein kleiner, trauriger Nebeneffekt. Gefühlt hat man so eine Situation einmal in der Profikarriere, da ist das schon ärgerlich. Aber man muss sich jetzt damit auseinandersetzen, wenigstens kann man es im Livestream verfolgen.

Angefangen hat ihre kleine Heimkehr mit dem 3:0-Erfolg im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Gütersloh am vergangenen Mittwoch. Können Sie sich denn noch daran erinnern, welchen Stellenwert der Frauenfußball zu Ihrer Zeit in Gütersloh hatte?

Das ist eine gute Frage. Ich habe da erst in einer Mädchen- und später in der Frauenmannschaft gespielt, wir haben des Öfteren um den Aufstieg gekämpft, wir haben auch mal gegen Wolfsburg gespielt. Aber das ist schon so lange her, da kann ich mich nicht mehr an die Situation im Frauenfußball erinnern – aber es war definitiv nicht so, wie es jetzt ist.

Mit Sponsor Tönnies könnte sich jetzt in Gütersloh einiges tun.

Sie machen gute Jugendarbeit, auch Lina Magull hat dort mal gespielt. Ohne finanzielle Unterstützung ist es aber immer schwierig, die starken Spielerinnen zu halten. Mit ein bisschen Investition in die Frauenmannschaft - beispielsweise durch Tönnies - wäre da wahrscheinlich auch mehr realisierbar.

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Sie sind in Bielefeld geboren. Wie groß ist denn die Verbindung zu Arminia Bielefeld, Ihrem Halbfinal-Gegner?


Ich selbst habe nie bei Arminia gespielt, aber natürlich gibt es eine Verbindung. Es war damals alles in gewisser Weise direkt vor der Haustür, und ich war häufiger mal „auf der Alm“, wie man es damals nannte. Ich muss aber gestehen, dass ich Männermannschaft, die gerade vor der Rückkehr in die Bundesliga steht, mehr verfolge als die Bielefelder Frauen, von denen man ja leider auch nicht so viel mitbekommt.

Das hat sich ja jetzt geändert, da sie nach Eintracht Braunschweig mit dem MSV Duisburg und dem SC Sand zwei Erstligisten aus dem Pokal geworfen haben.

Wir sind gewarnt. Sie kommen über Kampf und über Mentalität, das hat man gesehen, als sie 0:1 gegen Sand zurück gelegen haben. Da dachte ja keiner, dass die das noch packen. In der 2. Liga waren sie Tabellenletzter, im Pokal schafften sie das Unmögliche. Man weiß ja auch nicht, was auf einen zukommt, wie der Platz ist, wie die Bedingungen vor Ort sind. Wir müssen da schon fokussiert in dieses Spiel gehen.