17. Oktober 2020 / 07:23 Uhr

Hecking vorm Duell seiner Ex-Klubs: „Ich hole mir Rat von Eberl und Schmadtke“

Hecking vorm Duell seiner Ex-Klubs: „Ich hole mir Rat von Eberl und Schmadtke“

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Seit drei Monaten Sportvorstand in Nürnberg: Ex-Gladbach und Ex-Wolfsburg-Trainer Dieter Hecking.
Seit drei Monaten Sportvorstand in Nürnberg: Ex-Gladbach und Ex-Wolfsburg-Trainer Dieter Hecking.
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Das Bundesliga-Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem VfL Wolfsburg am Samstagabend ist das Duell seine letzten beiden Erstliga-Klub. Im SPORTBUZZER-Interview sagt Dieter Hecking: "Ich glaube, dass Gladbach offensiv vielleicht ein klein wenig stärker besetzt ist."

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Wäre er mit dem HSV aufgestiegen, wäre Dieter Hecking womöglich immer noch Trainer. Nun aber ist er seit drei Monaten Sportvorstand des Zweitligisten 1. FC Nürnberg – und das Bundesliga-Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem VfL Wolfsburg ist am Samstagabend (20.30 Uhr, live bei DAZN) das Duell seine letzten beiden Erstliga-Klub. Im SPORTBUZZER--Interview spricht der 56-Jährige über seinen neuen Job und seine alten Vereine.

Herr Hecking, Mönchengladbach und Wolfsburg sind Ihre bisher letzten Stationen als Erstliga-Trainer. Wie wichtig ist Ihnen dabei das Wörtchen „bisher“?

Ob ich für alle Zeiten mit dem Trainer-Dasein abgeschlossen habe, will und kann ich heute nicht beantworten. Ich habe erst einmal drei Jahre Vertrag beim Club und hoffe, dass ich diesen Job als Sportvorstand so erfolgreich machen kann wie zuvor den als Trainer. Als Trainer war mehr und mehr Routine dabei - und ich habe mich irgendwann gefragt: Will ich meinem Kopf noch mal etwas Gutes tun, ihn fordern und etwas ganz anderes machen? Dann kam das Angebot aus Nürnberg, und kurz gesagt: es passte.

Vermissen Sie die Arbeit als Trainer nicht wenigstens ein klein wenig?

Nein - und das ist ehrlich gesagt auch für mich ein bisschen überraschend. Wenn ich beim Spiel auf der Tribüne sitze, kommt schon manchmal das Trainer-Gen durch, da denke ich auch mal für einen Moment: Wie würde ich es jetzt machen? Aber das ist selten, ich konnte da insgesamt schnell umschalten - und das zeigt auch, dass ich wahrscheinlich den richtigen Moment für einen neuen beruflichen Weg erwischt habe.

Sie haben schon zu Ihrer Wolfsburger Zeit immer mal angedeutet, dass Sie sich auch einen Schreibtisch-Job vorstellen können.

Aber als ich das dann wirklich gemacht habe, haben das einige Leute sogar in meinem engeren Umfeld als große Überraschung empfunden. Nach drei Monaten in Nürnberg kann ich sagen: Ich habe es keinen Moment bereut - und ich habe nie das Gefühl: So, jetzt ist es 16 Uhr, jetzt müsste ich eigentlich raus auf den Trainingsplatz. Ich habe jetzt eine Aufgabe, bei der ich mehr mitgestalten kann, als ich es als Trainer konnte.

Dieter Hecking: Seine Trainer-Karriere in Bildern

Die Anfänge einer Karriere: Der neue Lübeck-Trainer Dieter Hecking (r.) 2001 mit VfB-Macher „Molle“ Schütt. Zur Galerie
Die Anfänge einer Karriere: Der neue Lübeck-Trainer Dieter Hecking (r.) 2001 mit VfB-Macher „Molle“ Schütt. © Wolfgang Maxwitat

Dafür sind Sie jetzt aber wieder weiter von Ihrem Heimatort Bad Nenndorf weg...

Aber dafür ist die Woche geregelter und ich kann mir vieles zeitlich selbst einteilen - auch wenn mir meine Frau das immer noch nicht glaubt (lacht). Jetzt spielen wir beispielsweise erst am Montag gegen St. Pauli, da mache ich eine geregelte Fünf-Tage-Woche und fahre am Freitag fürs langeWochenende nach Hause.

Wem drücken Sie am Samstagabend beim Duell Ihrer Ex-Klubs die Daumen?

Emotional ist mir Mönchengladbach schon noch etwas näher, weil da noch viele Spieler dabei sind, mit denen ich zusammengearbeitet habe. In Wolfsburg sind da nur noch Casteels, Arnold und Josh Guilavogui. Mit Josh schreibe ich ab und zu noch. Ansonsten habe ich zu den Protagonisten beider Klubs einen guten Draht - ob nun zu Max Eberl in Gladbach oder zu Marcel Schäfer und Jörg Schmadtke in Wolfsburg. Von daher kann das Spiel gern unentschieden ausgehen.

Als Sportvorstand sind Sie in Nürnberg auch Manager - haben Sie sich auch Rat von Eberl oder Schmadtke, mit dem Sie ohnehin befreundet sind, geholt?

Natürlich. Und das hätte wohl jeder gemacht. Vor der Entscheidung, das Angebot aus Nürnberg anzunehmen, habe ich auch mit beiden gesprochen.

Was haben sie gesagt?

Dass sie mir das absolut zutrauen. Ich hole mir von beiden auch weiterhin den einen oder anderen Rat.

Gladbach und Wolfsburg sind nicht nur Ihre beiden letzten Erstliga-Stationen, das sind auch die einzigen beiden Klubs, bei denen Sie als Trainer rausgeflogen sind, wenn man das so sagen darf...

Ja, das darf man so sagen. Das waren die beiden Klubs, bei denen ich vor Ablauf des jeweiligen Vertrags freigestellt wurde.

In beiden Fällen gegen Ihren Willen.

In Wolfsburg habe ich es nicht ganz nachvollziehen können, vor allem den Zeitpunkt nicht. Wir haben damals in der Hinrunde 2016 die Erwartungen nicht erfüllt - aber dennoch war es nicht so aus dem Ruder gelaufen, dass man es hätte beenden müssen. In Gladbach hätte ich sehr gern weitergemacht, aber der Verein hatte andere Pläne und hat auch, das muss man im Nachhinein schon sagen, mit Marco Rose Erfolg und darum alles richtig gemacht.

Wolfsburg hatte nach Ihnen erst einmal keinen Erfolg - kann man als Trainer so frei von Eitelkeiten sein, dass man das dann nicht auch mit ein bisschen hämischer Freude sieht?

Kann man. Ich bin zumindest so. Ich bin keiner, der sagt: Hoffentlich verlieren sie jetzt, damit jeder merkt, dass es nicht an mir lag. Natürlich hatte ich in Gladbach ein paar Wochen daran zu knabbern, nachdem mir Max Eberl gesagt hat, dass es für mich nicht weitergeht. Aber ich bin auch jemand, der sich irgendwann dann ganz gut in die Vereinseite reinversetzen kann. Max hatte eine andere Idee, und es geht - und das nehme ich auch für meine Arbeit hier in Nürnberg mit - immer um den Verein.

Wie sehen Sie Gladbach und den VfL aktuell?

Ich sehe zwei stabile Mannschaften, wobei ich glaube, dass Gladbach offensiv vielleicht ein klein wenig stärker besetzt ist, dort auch mehr Variabilität hat und darum vielleicht am Ende möglicherweise wieder zwei, drei Plätze vor den Wolfsburgern stehen werden. Der VfL ist schwer zu bespielen, zuletzt fehlte aber immer ein wenig der Lucky Punch.

Schauen Sie denn noch genau hin, wenn Ihre Ex-Klubs spielen?

Wenn es geht immer - das gilt für Gladbach, Wolfsburg und den HSV, aber auch für Hannover oder Aachen. Da schaue ich immer mit einem Auge hin und interessiere mich dafür, wie sich der Verein entwickelt, welche Spieler da sind, was sich im Nachwuchs tut. Selbst Lübeck und den SC Verl habe ich immer noch im Blick.