31. März 2021 / 22:51 Uhr

Wolfsburg-II-Urgestein Klamt beendet nach 20 VfL-Jahren seine Karriere!

Wolfsburg-II-Urgestein Klamt beendet nach 20 VfL-Jahren seine Karriere!

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Beendet seine Karriere nach 20 VfL-Jahren: Wolfsburg-II-Urgestein Julian Klamt. 
Beendet seine Karriere nach 20 VfL-Jahren: Wolfsburg-II-Urgestein Julian Klamt.  © Boris Baschin
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Nach 20 Jahren beim VfL Wolfsburg beendet U23-Kapitän Julian Klamt im Sommer im Alter von 32 Jahren seine aktive Karriere und wird fortan in der Akademie des Fußball-Bundesligisten tätig sein. Ein Ende, das geplant war - aber das trotzdem wehtut.

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20 Jahre lang hat er das VfL-Trikot getragen, 20 Jahre lang hat er sich für Wolfsburgs Nachwuchs-Fußballer aufgerieben, sich in den Dienst seiner Mannschaften gestellt, Schweißperlen vergossen, mit seinen Teams Titel gewonnen, aber auch Enttäuschungen erlebt. Doch jetzt ist Schluss: Julian Klamt beendet im Sommer seine Karriere und wird künftig in der VfL-Akademie tätig sein. "Ich werde nächste Saison nicht mehr spielen", sagte der U23-Kapitän dem SPORTBUZZER. Überraschend kommt dieser Schritt nicht, dennoch tut er dem 32-Jährigen aus zweierlei Gründen weh.

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Schon im September vergangenen Jahres hatte Klamt überlegt, nach dieser Spielzeit aufzuhören, legte sich da aber noch nicht fest. Zu fit fühlt er sich eigentlich noch. Ein zweijähriges Angestelltenverhältnis in der Akademie hatte er zu diesem Zeitpunkt schon sicher - und wird diesen Schritt nun gehen. "Es soll im Sommer einen Umbruch geben. Was die Spieler angeht, wird sich der Verein dann anders aufstellen", sagt Klamt, der sein Fußball-Wissen demnächst an junge Talente weitergeben möchte. "Wie genau das aussieht, ist noch nicht beschlossen", sagt der scheidende Mannschaftsführer der Zweiten.

Im ersten Jahr soll der Fokus auf dem Trainerwesen und der Büro-Arbeit liegen. Aber Klamt betont auch: "Ich sehe mich nicht in der Cheftrainer-Rolle. Ich habe alle Jugendmannschaften, die es in der Akademie gibt, durchlaufen. Daher denke ich, dass ich da am besten helfen und Werte vermitteln kann." Ein Engagement als Co- oder Individual-Trainer kann sich der gebürtige Wolfsburger aber auch vorstellen.

Klamt freut sich auf seine neue Aufgabe. Was ihn allerdings etwas traurig macht, ist, "wie es zu Ende geht. Das ist für mich enttäuschend. Das ist nicht der Entscheidung geschuldet, sondern zum einen der Saison, die nicht so gut für uns lief und zum anderen wegen der Corona-Krise. Aber das kann niemand ändern." Denn gerade einmal neun Regionalliga-Spiele fanden in dieser Saison statt, acht davon mit Klamt, sein letztes am 24. Oktober. Seitdem ruht der Spielbetrieb aufgrund der Covid-19-Pandemie, der Saison-Abbruch steht bevor, auch wenn in der Regionalliga noch ein wenig Hoffnung besteht.

Eine Abschiedsfeier fällt demnach auch flach, könnte aber nachgeholt werden. Denn klar ist: Die Fußballschuhe hängt er an den Nagel, "woanders zu spielen, kam für mich nie infrage", so Klamt. "Ich wollte es beim VfL durchziehen." Zudem lebt er mit Ehefrau Kira und den beiden Töchtern Nika und Luna in Wolfsburg. "Ich bin hier zu Hause, ich will keine Experimente mehr." Dabei gab's unter anderem eine Anfrage von Oberligist Lupo/Martini Wolfsburg. Klamt: "Das habe ich ausgeschlossen. Ich will meine hundertprozentige Energie in etwas Neues beim VfL stecken."

Zu sehr verbunden ist Klamt diesem Verein. 2001 war der Abwehrspieler im Alter von fast zwölf Jahren vom SC Weyhausen zum VfL gewechselt, durchlief fortan sämtliche Jugendmannschaften und schnupperte im März 2008 erstmals Luft im Herrenbereich. Für die Zweite bestritt er in all den Jahren insgesamt 335 (!) Partien. Es gab Höhen und Tiefen. Gern erinnert sich Klamt an die U17 zurück, als er mit der B-Jugend Regionalliga-Meister wurde und anschließend gegen 1860 um die Deutsche Meisterschaft spielte. Aber auch an die Zeit bei der U19, als er im ersten Jahr - zwar ohne Einsatz - mit dem VfL im DFB-Pokal-Finale stand und im zweiten A-Jugend-Bundesliga-Meister wurde, auch wenn das DM-Finale in der VW-Arena verloren ging.

Auch die drei Meister-Titel mit der U23 bleiben in Erinnerung. "Die aber auch immer mit der Enttäuschung der Relegationsspiele verbunden sind". Über allem steht aber sein einziges Mal, als er im Profi-Kader stand: Beim 1:1 im Europa-League-Achtelfinale bei Rubin Kazan am 11. März 2010 flog Klamt mit nach Russland, saß aber 90 Minuten auf der Bank. "Da kann man von dem größten Highlight sprechen."

Viele Trainer hat Klamt in seiner VfL-Zeit erlebt. Unter anderem Lörenz-Günther Köstner ("Von ihm habe ich am meisten gelernt, er hat auf mich gesetzt"), Bernd Hollerbach ("Das war die härteste Zeit"), Valérien Ismael ("Bei ihm habe ich taktisch den größten Schritt gemacht. Ich habe auch gelernt, was es heißt, Kapitän zu sein") und zuletzt Rüdiger Ziehl ("Da habe ich mich mehr mit nach vorn eingeschaltet und eine neue Facette von mir kennengelernt") begleiteten Klamts Weg.

Doch bald ist Schluss, es geht in die Akademie. "Es wird bestimmt erst mal komisch sein", glaubt Klamt. "Aber ich denke, dass der Verein ein Stück Identifikation dazugewinnt. Ich kann das, was den VfL und die Stadt Wolfsburg ausmacht, an die jungen Spieler weitergeben." So wie er es bisher in der Mannschaft gemacht hat. Und seinem Team wünscht er für die Zukunft alles Gute, "eine stabilere Saison als diese und dann, dass wir den VfL II bald wieder unter den ersten und nicht unter den letzten Drei sehen." Und: "Dass alle Jungs ihre Ziele erreichen, dass sie sich entwickeln und den Sprung in den Profi-Bereich schaffen – am besten beim VfL."