08. April 2021 / 18:41 Uhr

Wolfsburg in Frankfurt: Das Duell der begehrten Österreicher

Wolfsburg in Frankfurt: Das Duell der begehrten Österreicher

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Erfolgreich und begehrt: Oliver Glasner und sein Landsmann Adi Hütter.
Erfolgreich und begehrt: Oliver Glasner und sein Landsmann Adi Hütter. © dpa
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Mit Eintracht Frankfurt und dem VfL Wolfsburg stehen sich am Samstag die beiden Überraschungsteams der Bundesliga gegenüber. Die Trainer sind Landsleute, schätzen sich sehr - und über beider Zukunft wird seit Wochen munter spekuliert.

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Es ist wie bei den fallenden Dominosteinen. Der DFB sucht einen neuen Bundestrainer, den Job könnte einer übernehmen, für den man dann wieder einen Nachfolger braucht, Salzburg verliert seinen Übungsleiter vielleicht an die deutsche Bundesliga, Gladbach ist auf jeden Fall auf Trainersuche, Bayern womöglich demnächst auch, Leverkusen und Hertha könnten dazukommen. Und welchen Stein man auch immer zuerst umschmeißt, bei den dann denkbaren Kettenreaktionen landet man immer irgendwann bei Oliver Glasner und Adi Hütter. Die beiden einzigen Österreicher auf den Trainerstühlen der Liga sind vor dem Spiel des VfL Wolfsburg bei Eintracht Frankfurt am Samstag (15.30 Uhr) begehrt - weil sie die größten Überraschungsteams der Saison trainieren.

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Frankfurt und Wolfsburg sind auf Champions-League-Kurs und belegen in der Rückrunden-Tabelle hinter Bayern die Plätze zwei und drei. Die beiden Trainer kennen und schätzen sich, stehen auch immer mal wieder im Kontakt. „Aber es ist nicht so, dass wir jetzt vor dem Spiel die Aufstellungen austauschen - so eng sind wir doch nicht“, erzählt Glasner schmunzelnd. Hütter und er haben einen gemeinsamen Freund, einen Hotelier in Oberösterreich, und sind sich auch privat schon häufiger mal über den Weg gelaufen - unter anderem bei einem Charity-Golf-Turnier. Wer ist der bessere Golfer? Glasner grinsend: „Wir sind beide blutige Anfänger. Wenn Urlaub kommt, werden wir an unseren Handicaps arbeiten...“

Und danach eine neue Aufgabe antreten? Seit bekannt wurde, dass Glasner eine Ausstiegsklausel aus dem bis 2022 laufenden Vertrag besitzen soll, verweigert er ein Bekenntnis zu seiner VfL-Zukunft. Von Hütter gibt es eine solche Aussage („Ich bleibe!“), sie ist rund sechs Wochen alt. Erst danach kamen Gerüchte über einen Wechsel nach Mönchengladbach auf - dort war auch Glasner bereits als möglicher Nachfolger von Marco Rose (wechselt nach Dortmund) im Gespräch. Weil Hütter seitdem eher ausweichend auf Fragen nach seinem Vertrag (bis 2023) antwortet, hören die Spekulationen um den 51-Jährigen, der einst Glasners Vorgänger als Trainer bei der SV Ried war, nicht auf. Und: Auch Hütter soll eine Ausstiegsklausel haben - mit einer fixen Ablösesumme, die nach einigen Berichten bei 5 Millionen Euro, nach anderen sogar bei 7,5 Millionen Euro liegen soll.

„Ich habe nicht immer wieder Lust, dass sich viele Menschen Gedanken machen und mir Ratschläge geben, was ich tun soll“, sagte Hütte am Donnerstag leicht genervt. „Fakt ist, dass ich mich auf das Wesentliche konzentriere.“

Und das ist das bevorstehende Duell mit dem VfL und das Wiedersehen mit Landsmann Glasner. Der 46-Jährige hat mit seiner Aussage im SPORTBUZZER-Interview („Fakt ist, dass ich einen Vertrag bis 2022 habe – also einen Vertrag auch für die nächste Saison“) vor zwei Wochen die Spekulationen um seine Person zwar nicht beendet, aber immerhin ein bisschen beruhigt. Dass sein Name wie der von Hütter sofort fällt, wenn über Trainerjobs in Leverkusen (wo Hannes Wolf nur bis Saisonende bleiben soll), in Salzburg (wo Jesse Marsch auch als Bayer-Kandidat gilt) oder - wer weiß - womöglich sogar beim FC Bayern (wo Hansi Flick auf dem Absprung Richtung Bundestrainer-Posten stehen soll) spekuliert wird, lässt sich kaum vermeiden, dazu ist Erfolg zu groß.

Dass der eine womöglich sogar den Job des anderen übernehmen könnte, ist bisher noch nicht Bestandteil öffentlicher Diskussion - aber auch das kann ja noch kommen. Gönnen, davon kann man ausgehen, würden sich Hütter und Glasner gegenseitig jeden interessanten Job. „Wir kennen uns schon ewig und haben ein sehr gutes Verhältnis. Er macht eine hervorragende Arbeit“, sagt Hütter über Glasner, der übrigens seinen VfL-Vertrag vor zwei Jahren genau an dem Tag unterschrieb, an dem Hütter mit der Eintracht in Wolfsburg spielte. „Er ist ein sehr angenehmer, netter Kerl“, sagt wiederum Glasner über seinen Kollegen. Allein: Die Bilanz in direkten Duell der beiden Trainer ist aus Wolfsburger Sicht noch ausbaufähig: Vier Hütter-Siege stehen ein Unentschieden und drei Glasner-Erfolge gegenüber. Das achte Duell nun wird, zumindest darüber muss man nicht spekulieren, auch in der Heimat der beiden genau verfolgt. Glasner: „Das Spiel wird für die eine oder andere Schlagzeile in Österreich sorgen.“ Und angesichts der sportlichen Bedeutung und der offenen Zukunft der beiden Trainer möchte man hinzufügen: nicht nur dort.