08. Dezember 2019 / 18:36 Uhr

VfL Wolfsburg in Freiburg: Spiel verloren, Vertrauen verloren

VfL Wolfsburg in Freiburg: Spiel verloren, Vertrauen verloren

Andreas Pahlmann und Alexander Flohr
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Frustriert: Die Wolfsburger um Jeffrey Bruma gingen mit hängenden Köpfen vom Platz.
Frustriert: Die Wolfsburger um Jeffrey Bruma gingen mit hängenden Köpfen vom Platz. © dpa
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Nach dem 0:1 des VfL Wolfsburg sind Glasner und Schmadtke sauer wie nie - und zweifeln an der Einstellung der VfL-Profis. Die Spieler, so schien es, haben ihr Vertrauen ins eigene Tun verloren. Oder in ihren Mut. Oder in ihre Fähigkeiten. Oder sogar in die Ideen ihres Trainer?

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Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg hat am Samstag eine Menge verloren – das Spiel beim SC Freiburg 0:1 (0:0), den Anschluss an die vorderen Tabellenplätze und viel Vertrauen, nach außen wie nach innen. Diese Niederlage in einer ganz schwachen Partie, die vor 23.800 Zuschauern im Schwarzwald-Stadion durch einen Freistoß von Jonathan Schmid entschieden wurde, hallt nach.

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Denn verloren ging offenbar zuerst einmal das Vertrauen in die Leistungswilligkeit der Spieler. „Vielleicht sind einige noch in der letzten Saison hängengeblieben. 80 Prozent vom Kader sind vor zwei Jahren fast abgestiegen. Man muss sich jedes Jahr aufs Neue beweisen. Der eine oder andere ist nicht bereit, etwas nachzusetzen“, so Trainer Oliver Glasner, der nach der Partie seinen Unmut deutlich und sauer wie noch nie öffentlich machte. Die Einstellung passte ihm nicht, „weil wir ungefähr so ins Spiel gegangen sind: Ja, schauen wir mal, es wird schon, und es passiert schon nichts.“

Die Stimmen zum Spiel VfL Wolfsburg - SC Freiburg:

Jeffrey Bruma: Es war schwierig. Wir waren nicht so griffig. Wir müssen da noch mal draufschauen. Wir müssen daran arbeiten, eine gute Balance zwischen Offensive und Defensive zu haben. Es ist noch eine lange Saison, aber klar ist, dass wir wieder Punkte holen müssen. Zur Galerie
Jeffrey Bruma: "Es war schwierig. Wir waren nicht so griffig. Wir müssen da noch mal draufschauen. Wir müssen daran arbeiten, eine gute Balance zwischen Offensive und Defensive zu haben. Es ist noch eine lange Saison, aber klar ist, dass wir wieder Punkte holen müssen. " ©

VfLer ohne Ideen

Wer das Spiel sah, verlor allerdings auch viel Vertrauen – in Glasners Spielidee und in die Fähigkeit dieses VfL-Kaders, im neuen 3-4-3-System auch nur halbwegs gefährliche Offensivaktionen zu kreieren. Wie schon oft in dieser Saison sorgten weder Aufbauspiel noch die eigentlich gewünschten Balleroberungen in gefährlichen Zonen für ausreichend Torgefahr. Auch die Spieler, so schien es, haben ihr Vertrauen ins eigene Tun verloren. Oder in ihren Mut. Oder in ihre Fähigkeiten. Oder sogar in die Ideen ihres Trainer?

Glasner selbst befeuerte die letzte Frage mit einem Beispiel: „Wir haben Anstoß und landen beim Torwart, der den Ball ins Aus schlagen muss. Da geht’s darum: Bin ich bereit, mich nach vorn zu orientieren?“ Ähnliches hatte er bereits nach dem 2:3 gegen Bremen moniert. „Wir haben es angesprochen“, sagt er – und wirft damit unfreiwillig die Frage auf, ob ihm die Mannschaft nicht zuhört, ob sie es nicht umsetzen will oder ob sie es nicht umsetzen kann.

Für Manager Jörg Schmadtke ist die Einstellung das Problem – und er findet ebenfalls deutliche Worte:  „Wir spielen vorn oftmals zu langsam und zu spät. Wir können nicht ins Spiel gehen und glauben, dass wir nur mit fußballerischen Mitteln den Gegner besiegen. Es ist mir von allem ein bisschen zu wenig.“ Und: „Ich glaube, dass wir in dieser Saison ein paar Dinge liegen gelassen haben, die wir mit mehr Konsequenz hätten mitnehmen können. Das ist ziemlich ärgerlich.“

Die Wölfe in Noten: Das ist die Einzelkritik zum Spiel des VfL Wolfsburg beim SC Freiburg

<b>Koen Casteels:</b> Hielt das, was er halten konnte. Situationen, in denen er sich wirklich auszeichnen konnte, gab es aber selten - Note: 3. Zur Galerie
Koen Casteels: Hielt das, was er halten konnte. Situationen, in denen er sich wirklich auszeichnen konnte, gab es aber selten - Note: 3. ©

Deutliche Kritik von Glasner

Glasner versucht nun, mit bewusst öffentlich geäußerter Kritik, das Team wieder auf Kurs zu bringen. „Letztes Jahr“, so der Österreicher, „als einem das Wasser bis zur Oberkante stand, war man bereit, an die Leistungsgrenze zu gehen. Dann ging es gut“, aber „jetzt legt der eine oder andere wieder die Beine hoch. Sowas werde ich aber nicht dulden.“

Ob’s hilft? In dieser Woche stehen zwei Spiele an: Erst die Europa-League-Partie gegen St. Etienne am Donnerstag (21 Uhr), dann geht‘s am Sonntag (15.30 Uhr) gegen Tabellenführer Borussia Mönchengladbach. Glasner: „Es geht darum: Bin ich bereit, jeden Tag an meine Grenzen zu gehen? Oder sage ich: Nein, mir geht es gut, es passt so. Diese Frage gilt es von jedem Spieler zu beantworten.“ Und damit auch die Frage nach dem Vertrauen – in seine Spieler und in seine Idee vom Fußball.

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