27. Februar 2022 / 19:26 Uhr

Wolfsburg in Gladbach: Warum das Spiel aufregender war als das Ergebnis

Wolfsburg in Gladbach: Warum das Spiel aufregender war als das Ergebnis

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Maximilian Philipp vergab in Gladbach eine Top-Chance, Wolfsburg-Trainer Florian Kohfeldt sprach von einem wichtigen Punkt.
Maximilian Philipp vergab in Gladbach eine Top-Chance, Wolfsburg-Trainer Florian Kohfeldt sprach von einem "wichtigen Punkt". © imago images/regios24
Anzeige

2:2 am Samstag zwischen Mönchengladbach und dem VfL Wolfsburg, für beide Teams nur einen Punkt. Trotzdem können die Borussen und die Niedersachsen nun ein bisschen unaufgeregter auf die Tabelle schauen als vorher.

Wenn zwei Teams aus den weniger schönen Regionen der Tabelle unentschieden spielen, ist man geneigt zu sagen: Die Punkteteilung hilft keinem so richtig. Für das 2:2 (1:2) am Samstag zwischen Borussia Mönchengladbach und dem VfL Wolfsburg gilt das nicht. Denn weil Bochum, Bielefeld und Hertha verloren - und Augsburg zumindest nicht gewann -, hat dieser Zähler durchaus Wert. Gladbach und der VfL können ein bisschen unaufgeregter auf die Tabelle schauen, als vor dem Spieltag. Das Duell selbst bot dafür reichlich Aufreger - nicht nur, weil Wolfsburg nach einer 2:0-Führung durch Treffer von Jonas Wind und Sebastiaan Bornauw das Spiel noch aus der Hand gab. Sondern, weil die Partie vor 10.000 Fans so viel Diskussionsstoff bot wie kaum eine VfL-Partie in dieser Saison.

Anzeige

Entgegen seiner Gewohnheit war darum sogar VfL-Manager Jörg Schmadtke an den Spielfeldrand geeilt, diskutierte heftig mit dem verletzten Gladbacher Lars Stindl, beide kennen sich aus gemeinsamen Hannover-Zeiten. Schmadtke (57) hinterher: „Ich finde mich ja jung genug, dass ich mich da noch mal reinstürzen kann...“

Mehr zum VfL Wolfsburg

Gleich drei höchst strittige Szenen gab’s, zweimal wurde per Videobeweis entschieden, einmal zum Nachteil des VfL (bei der Roten Karte gegen Maxence Lacroix), einmal zum Wolfsburger Vorteil (beim nicht gegebenen Gladbach-Treffer in der Nachspielzeit). Für den größten VfL-Frust sorgte aber eine Szene, bei der der VAR nicht eingriff - es aber nach Meinung der Wolfsburger hätte tun sollen.

Anzeige

Es war die 66. Minute, der VfL führte noch 2:1, als Gladbachs Manu Koné den VfL-Angreifer Max Kruse im Strafraum klar am linken Knöchel traf. Kruse hält sich noch auf den Beinen, versucht einen Abschluss, fällt erst drei Schritte später. Schiri Tobias Reichel lässt weiterspielen, Video-Assistent Günter Perl in Köln greift nicht ein. Kruse ist schon unmittelbar nach dem Abpfiff außer sich: „Ich frage mich, was die im Keller machen! Klarer als er mich trifft, geht’s gar nicht! Das kann ja nicht der Fairplay-Gedanke sein, dass ich da direkt zu Boden gehe. Dann muss ich immer direkt fallen, dann gibt’s Elfmeter.“

Später legt Kruse via Instagram nach, zeigt ein Foto von seinem lädierten Knöchel und schreibt ironisch dazu: „Nee, war kein klarer Elfmeter...“ Immerhin: Der Knöchel sieht zwar ramponiert und geschwollen aus, aber nach erster Diagnose zog sich der 33-Jährige lediglich eine Prellung zu. Trainer Florian Kohfeldt pflichtete seinem Schützling bei: „Da gibt es gar keine Diskussion, da hat Max absolut recht. Punkt aus, glasklarer Elfmeter.“

Kein Elfmeter und damit keine 3:1-Führung, nachdem Maximilian Philipp kurz vor der Pause schon eine glasklare Chance auf den dritten VfL-Treffer vergeben hatte (Kohfeldt: „Müssen wir machen!“). Später kam dann der Lacroix-Platzverweis dazu, diese drei Szenen dürfen allesamt als Schlüsselmoment dafür gelten, dass der VfL den möglichen Sieg nicht nach Hause brachte. „Bei Elf gegen Elf hätte das Spiel schon entschieden sein müssen“, so Kohfeldt.

Weil’s das aber nicht war, hat der VfL nun insgesamt schon 14 Punkte nach Führung in dieser Saison abgegeben. Es sei „ein sehr turbulentes, emotionales Spiel bis zum Schluss“ gewesen, so Sportdirektor Marcel Schäfer. „Wir haben leider die Zwei-Tore-Führung nicht über die Ziellinie gebracht, hätten in der einen oder anderen Situation das dritte machen müssen. Und in den entscheidenden Momenten waren wir nicht griffig genug, vor allem im Defensivverhalten.“ Kruse wurde noch deutlicher, bezeichnete die Gladbacher Treffer als „zwei dumme Gegentore“. Und dann habe Wolfsburg „Glück, dass es nur 2:2 ausgeht“, weil Matthias Ginters Tor in der Nachspielzeit nicht zählte.

Auf der anderen Seite, so Kohfeldt, habe seine Mannschaft in Unterzahl „bis zum Ende aufopferungsvoll gekämpft“, um zu retten, was der Trainer einen „verdienten, guten und wichtigen Punkt“ nannte. Weil’s eben ein Punkt war, von dem man am Ende des Spieltages wusste: Ein bisschen hilft er doch weiter.