23. Januar 2022 / 18:29 Uhr

Wolfsburg in Not: Kohfeldt bekommt und spürt weiter Vertrauen

Wolfsburg in Not: Kohfeldt bekommt und spürt weiter Vertrauen

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Niederlage in Leipzig: Nach dem 0:2 des VfL Wolfsburg erneute Sportdirektor Marcel Schäfer (r.) die Rückendeckung für Trainer Florian Kohfeldt.
Niederlage in Leipzig: Nach dem 0:2 des VfL Wolfsburg erneute Sportdirektor Marcel Schäfer (r.) die Rückendeckung für Trainer Florian Kohfeldt. © (c) dpa-Zentralbild
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Wieder kein Tor, wieder kein Sieg - und in der Tabelle wird es immer enger. Beim VfL Wolfsburg spitzt sich nach dem 0:2 die Krise zu. Trainer Florian Kohfeldt bekommt weiter Rückendeckung, aber die nächste Partie wird auch für ihn zum Schlüsselspiel.

Die Frage, ob Trainer Florian Kohfeldt auch beim nächsten Spiel noch Trainer des VfL Wolfsburg sein wird, beantwortete Marcel Schäfer mit einem schlichten "Ja" - wohl wissend, dass der Druck immer größer wird. Denn beim 0:2 am Sonntag bei RB Leipzig zeigte der VfL zwar vor allem kämpferisch und defensiv eine insgesamt sehr ordentliche Leistung, die verheerende Bilanz aber bleibt: Elf Pflichtspiele nacheinander haben die Wolfsburger jetzt nicht gewonnen, neun davon verloren und zuletzt viermal auf Reihe kein Tor erzielt.

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Im Tabellenkeller ist es jetzt immer enger für den VfL, der auf dem 15. Rang liegt - zwei Punkte vor Relegationsplatz 16 und drei Zähler vor Abstiegsplatz 17. Das Heimspiel in zwei Wochen gegen Schlusslicht Fürth dürfte eine Weichenstellung sein - auch für die Zukunft von Trainer Kohfeldt, der erneut betonte, dass er "maximales Vertrauen" spüre und "einen extrem guten Austausch" mit seinen Vorgesetzten habe.

Es sei klar, so Schäfer, "dass nach so einer Serie sehr viel infrage gestellt wird", aber es bleibe weiter so, "dass wir gemeinschaftlich durch diese Phase durchgehen wollen". Gemeinschaftlich heißt: mit den Spielern, mit Kohfeldt und auch mit Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke, dessen Zukunft Aufsichtsrats-Chef Frank Witter in der vergangenen Woche offen gelassen hatte.

Den VfL-Profis bliebt derweil wenig mehr übrig als mangels guter Ergebnisse wenigstens die guten Erlebnisse zu betonen. "Auf den Leistungen gegen Hertha und jetzt in Leipzig können wir aufbauen", sagte Maximilian Arnold einen Satz, der nicht unwahrer wird, nur weil er wie eine Plattitüde klingt. In Sachen Defensiv-Organisation und Zweikampf-Intensität gehörte die Partie in Sachsen zu den besten der Kohfeldt-Amtszeit - auch wenn es offensiv so mangelhaft bleibt, dass eine unglückliche Szene hinten alles entscheiden kann. "Die Einstellung stimmt", so Arnold, "von daher bin ich überzeugt, dass wir die Kurve kriegen." Und: "Die Lage wird zwar sicher dramatischer, aber am 20. Spieltag ist noch nichts entschieden."

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Der VfL Wolfsburg in Leipzig - Dier Bilder

Leipzigs Trainer Domenico Tedesco (l) und Wolfsburgs Trainer Florian Kohfeldt begrüßen sich vor dem Spiel. Zur Galerie
Leipzigs Trainer Domenico Tedesco (l) und Wolfsburgs Trainer Florian Kohfeldt begrüßen sich vor dem Spiel. ©

Ähnlich sieht es Torwart Koen Casteels. "Alle haben alles gegeben, alles auf dem Platz gelassen. Aber am Ende steht ein 0:2, das ist sehr, sehr bitter." Und ohne Tore wird der Weg raus aus der Krise eben nicht möglich sein. "Um ein Fußballspiel zu gewinnen, braucht man auch wieder Tore. Wir sind defensiv stabiler geworden, wir sehen, dass wir uns da jede Woche verbessern. Aber es geht um die Punkte. Und die sind jetzt nicht da."

Auch in Leipzig fehlte mal wieder das viel zitierte "Erfolgserlebnis", von dem auch Schäfer sprach. "Gerade in unserer Phase" brauche man auch einmal so ein Erfolgserlebnis während des Spiels. Der Vierfach-Abschluss kurz vor der Pause hätte so ein Erlebnis sein können - aber Aster Vranckx, Luca Waldschmidt und Yannick Gerhardt brachten den Ball nicht über die Linie.

So tapfer der VfL in Leipzig versuchte, wenigstens einen Punkt mitzunehmen, so tapfer beschwört auch der Trainer den richtigen Weg, auf dem sich sein Team befinde. "Ich weiß", so Kohfeldt, "dass jeder sagt ,Der erzählt immer, wir brauchen Zeit', aber man hat gesehen, welche Schritte die Mannschaft macht. Und jetzt haben wir wieder zwei Wochen Zeit, die nächsten Schritte zu gehen." Dass die Leistung in Leipzig nicht dazu führte, was Zählbares mitnehmen zu können, fühle sich "beschissen" an, es sei auch darum gut, "dass wir jetzt die zwei Wochen haben". Bis zur 75. Minute habe sein Team defensiv „eine unglaublich gute Leistung gebracht“, offensiv sei es okay gewesen. „Wenn wir zur Hälfte 1:0 oder 2:0 führen, kann sich keiner beschweren“, meinte Kohfeldt.

Zwei Wochen ohne Spiel, in denen keine fehlt, auch Jay Brooks reist wohl nicht zur US-Nationalmannschaft. Ein Trainingslager im Süden, wie es zunächst mal angedacht war, wird es nicht geben, auch ein Testspiel wird nach aktuellem Stand nicht geplant. Stattdessen wird der VfL mit intensiven Einheiten und gezielt eingestreuten freien Tagen an mentaler Frische und fußballerischem Fortschritt arbeiten. Denn dass die Partie gegen Fürth eine fast erdrückende Wichtigkeit bekommt, ist beim Blick auf die Tabelle klar. Schäfer: "Die Herausforderung nehmen wir an."

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