18. Oktober 2021 / 21:25 Uhr

VfL und Bayern patzen: Darum ist die Frauen-Bundesliga spannend wie lange nicht

VfL und Bayern patzen: Darum ist die Frauen-Bundesliga spannend wie lange nicht

Andreas Pahlmann und Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
 Niederlagen: Bayern und der VfL Wolfsburg haben verloren, Ralf Kellermann rechnet mit anhaltender Spannung an der Liga-Spitze.
Niederlagen: Bayern und der VfL Wolfsburg haben verloren, Ralf Kellermann rechnet mit anhaltender Spannung an der Liga-Spitze. © imago images/foto2press
Anzeige

Der VfL Wolfsburg verlor 1:2 in Hoffenheim, der FC Bayern 2:3 gegen Frankfurt: An der Spitze der Frauenfußball-Bundesliga ist es dadurch spannend wie lange nicht. Das kommt überraschend - hat aber Gründe.

Dass es an der Spitze der Frauenfußball-Bundesliga seit dem vergangenen Spieltag so spannend wie nie zugeht, ist gut - für die Sportart. Klar war aber immer: Damit's spannend wird, müssen die Top-Teams schwächeln. Und genau das ist am Wochenende passiert: Der VfL Wolfsburg verlor in Hoffenheim, der FC Bayern gegen Frankfurt - beides faustdicke Überraschungen, beides bittere und unnötige Niederlagen. Aber so ganz unerwartet passierte es nicht. Zumindest nicht für Ralf Kellermann. "Dass die Champions-League-Teilnehmer eventuell Probleme bekommen, hatte ich erwartet", so der Sportliche Leiter der VfL-Frauen.

Anzeige

Nach sechs Spieltagen trennen den Tabellenführer und den Tabellenvierten gerade einmal drei Punkte - in der seit Jahren vom FC Bayern (amtierender Meister) und von Wolfsburg (zuvor viermal Meister in Folge) dominierten Liga ist das eine ungewöhnliche Konstellation. Neben den drei deutschen Champions-League-Teilnehmerinnen VfL, Bayern und Hoffenheim tummeln sich dort auch Leverkusen, Frankfurt und Potsdam. "Es war zu erwarten, dass Mannschaften hochgespült werden, die nicht in der Champions League spielen", so Kellermann, "und dass sich Mannschaften, die in diesem Jahr nicht in der Champions League spielen, Hoffnungen machen dürfen, dort in der nächsten Saison dabei zu sein." Um in der Königsklasse zu starten, muss man einen der ersten drei Plätze belegen. Kellermann: "Das wird schwierig genug."

Mehr zu den VfL-Frauen

Durch die neue CL-Gruppenphase und Nationalmannschafts-Abstellung sei die Belastung aktuell sehr hoch. "Wir haben ausschließlich englische Wochen. Das macht es schwierig, auf dem Trainingsplatz etwas zu entwickeln." Das gelte für alle drei Top-Klubs, beim VfL kommt noch dazu, dass mit Ewa Pajor (Knie-OP) und Alexandra Popp (Knorpelabriss im Knie) zwei ganz wichtige Leistungsträgerinnen fehlen. Besserung ist nicht in Sicht, in die einzige "normale" Trainingswoche wurde das Pokal-Achtelfinale beim SC Freiburg auf Montag, 1. November (18.30 Uhr), gelegt - wegen der erneuten Liveübertragung auf Sky.

Auch die Bayern "hätten ohne die englischen Wochen jetzt nicht gegen Frankfurt zwei Tore in den letzten Minuten kassiert", ist sich Kellermann sicher. Und: Hoffenheim habe zwar am Sonntag gegen den VfL gewonnen, zuvor aber in der Liga beim 0:0 in Essen Punkte gelassen und war in der Champions League beim 0:4 beim FC Arsenal chancenlos.

Nun ist erst mal Länderspielpause, danach kommen entscheidende Wochen: Der VfL bekommt es nach dem Pokal-Achtelfinale im Breisgau in der Liga mit Frankfurt zu tun (5. November, 19.15 Uhr) und empfängt in der Königsklasse nur vier Tage später Juventus Turin (21 Uhr) im AOK-Stadion. Danach muss die Mannschaft von VfL-Trainer Tommy Stroot am 13. November zum Top-Duell in der Liga beim FC Bayern antreten (14 Uhr). Die Münchnerinnen treffen im Pokal-Achtelfinale nach der Abstellungsphase erneut auf Frankfurt (30. Oktober, 13.30 Uhr), mit Essen (6. November, 13 Uhr) in der Liga und Olympique Lyon in der Gruppenphase am 10. November (21 Uhr) hat Coach Jens Scheuer ein ähnlich schweres Programm vorm direkten Aufeinandertreffen zu meistern.

Ist die Liga danach immer noch spannend? "Ja", sagt Kellermann - der allerdings dem FC Bayern zutraut, trotz des jüngsten Rückschlags die Liga zu dominieren. In diesem Fall werde es "aber trotzdem oben und unten weiter eng zugehen". Bayern-Coach Scheuer hofft, dass seine Spielerinnen "gesund wieder von der Nationalmannschaftsbelastung zurückkommen. Dann haben wir im Pokal gegen Frankfurt etwas gutzumachen und wollen in der Liga eine neue Siegesserie starten!"


Mit Marina Hegering, Sydney Lohmann, Ivana Rudelic und Lineth Beerensteyn ist auch der Meister derzeit geschwächt. Der DFB gab derweil bekannt, dass Wolfsburgs Lena Oberdorf die kommenden WM-Quali-Spiele mit der deutschen Nationalmannschaft aufgrund von Beschwerden an der Schulter absagen musste. Die Niedersächsinnen gehen nicht von einem langfristigen Ausfall aus und rechnen nach der Länderspielpause wieder mit der 19-Jährigen.

Mit Torfrau Almuth Schult, Kathrin Hendrich, Lena Lattwein, Svenja Huth, Tabea Waßmuth und Felicitas Rauch setzt Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg in den beiden Spielen gegen Israel am 21. (18 Uhr) und 26. Oktober (16.05 Uhr) aber weiter auf sechs Wolfsburgerinnen. Für Schult ist es die erste Berufung seit zwei Jahren, ihr letztes großes Pflichtspiel hatte die Zwillings-Mama im Tor der DFB-Elf beim WM-Aus Ende Juni 2019 in Frankreich gegen Schweden absolviert. Rauch wiederum hatte seit Anfang August nicht zur Verfügung gestanden, feierte kürzlich nach neunwöchiger Verletzungspause aber endlich ihr Comeback für den VfL. Mit Pia-Sophie Wolter (Kreuzbandriss) und Sara Doorsoun (kam gerade erst nach muskulären Problemen zurück) muss Voss-Tecklenburg jedoch auf zwei Akteurinnen verzichten.