13. Juli 2019 / 08:00 Uhr

Wolfsburgs Kevin Mbabu: "Ronaldo war einer der Gründe, weshalb ich Profi werden wollte"

Wolfsburgs Kevin Mbabu: "Ronaldo war einer der Gründe, weshalb ich Profi werden wollte"

Alexander Flohr
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Kevin Mbabu hofft, dass er beim VfL Wolfsburg den nächsten Schritt machen kann.
Kevin Mbabu hofft, dass er beim VfL Wolfsburg den nächsten Schritt machen kann. © imago images
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Kevin Mbabu spricht im SPORTBUZZER-Interview über den portugiesischen Superstar Cristiano Ronaldo, seinen Lieblingsklub Manchester United, seine schwere Zeit auf der Insel und seine Ziele mit dem VfL Wolfsburg.

Kevin Mbabu – er war bei Meister Young Boys Bern einer der Superstars im Team. Auf den persönlichen Erfolg musste der 24-Jährige jedoch lange warten. Seine Einstellung gefährdete früh seine Profi-Karriere. Im SPORTBUZZER-Interview blickt der Neuzugang von Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg auf eine bewegte Zeit in England und Schottland zurück und spricht über seine Ziele beim VfL.

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Herr Mbabu, Sie haben sich im Sommer für den VfL und gegen viele andere Klubs in Europa entschieden. Warum?

Der VfL wollte mich von allen am meisten haben. Ich hörte vom Interesse des Vereins zum ersten Mal im November oder Dezember. Die meisten anderen Klubs wollten bis zum Saisonende abwarten. Aber ich wollte vor meinem Urlaub wissen, wohin die Reise geht. Hinzu kommt, dass alle im Team sehr ambitioniert sind, genauso wie ich. Ich sehe große Chancen, um hier den nächsten Schritt machen zu können.

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Ihr Traum-Verein seit der Kindheit ist allerdings Manchester United. Träumen Sie davon, einmal dort zu spielen?

Ja. Die Premier League ist die Liga, auf die ich schon immer am meisten geschaut habe. Als Kind habe ich gesehen, wie Cristiano Ronaldo immer wieder wichtige Tore für Manchester United geschossen hat. Er war einer der Gründe, weshalb ich Profi werden wollte.

Sie haben in der Champions-League-Saison 2018/19 bereits gegen Ronaldo gespielt – im Juni in der Nations League ein weiteres Mal. Wie ist es, gegen einen Top-Star wie ihn zu spielen?

Ich hatte schon immer den Traum, einmal gegen Ronaldo und Messi zu spielen. Gegen Ronaldo hat es schon zweimal geklappt. Das erste Mal habe ich sehr gut gegen ihn gespielt. Ich habe alle Duelle gegen ihn gewonnen. Aber zuletzt mit der Schweiz hat er mich getunnelt. Ich würde sagen: Es steht jetzt 1:1 (lacht). Es ist fantastisch zu sehen, wie unglaublich fit er für sein Alter ist. Er arbeitet sehr hart und pflegt einen gesunden Lebensstil. Davon kann jeder Spieler noch etwas lernen.

Kevin Mbabu: Seine Karriere in Bildern

Kevin Mbabu wagte schon früh den Schritt auf die Insel. Mit 17 Jahren wechselte er zum englischen Klub Newcastle United. Nach vielen Verletzungen wechselte er im Februar 2015 per Leihe zum schottischen Top-Verein Glasgow Rangers. Auch dort spielte Mbabu kaum. Zur Galerie
Kevin Mbabu wagte schon früh den Schritt auf die Insel. Mit 17 Jahren wechselte er zum englischen Klub Newcastle United. Nach vielen Verletzungen wechselte er im Februar 2015 per Leihe zum schottischen Top-Verein Glasgow Rangers. Auch dort spielte Mbabu kaum. ©

In den zweieinhalb Jahren bei Newcastle United und Glasgow Rangers haben Sie diesen Fokus nicht gehabt – und auch deshalb nur 26 Pflichtspiele in dieser Zeit absolviert…

Also erst mal war mein Körper damals physisch einfach noch nicht bereit für die hohe Intensität, die dort gefordert war. Außerdem war mein Lebensstil einfach nicht gut. Ich war nicht professionell genug: Ich habe schlecht gegessen, Partys gefeiert und nicht auf meinen Schlafrhythmus geachtet. Jetzt weiß ich, was gut für mich ist und was nicht. Solche Fehler mache ich nicht noch mal. Als ich nach England ging, war ich ein Kind, das die große Welt des Fußballs entdeckt hat. Jetzt bin ich ein Mann mit viel mehr Erfahrung.


Hatten Sie in dieser Zeit Angst um Ihre Karriere?

Es gab Momente, in denen ich gedacht habe, ich würde kein professioneller Fußballer werden – auch durch meine vielen Verletzungen.

Womit hatten Sie zu kämpfen?

Ich hatte viele muskuläre Verletzungen, sieben an der Zahl. Außerdem eine große Knöchelverletzung.

Wer hat Ihnen in dieser Phase Ihres Lebens geholfen?

Wenn ich Probleme hatte, dann habe ich mit niemandem darüber gesprochen. Ich habe das immer mit mir selbst ausgemacht. Das hat diese Zeit noch schwieriger für mich gemacht. Jetzt liegen diese Dinge aber hinter mir. Ich bin dadurch sehr, sehr stark geworden.

War Ihre Familie für Sie da?

Auf jeden Fall. Familie ist das Wichtigste in meinem Leben. Es ist schön, wenn man Menschen um sich hat, auf die man sich immer verlassen kann. Den Kreis meiner Engsten halte ich aber sehr begrenzt. Ich habe nur vier bis fünf sehr gute Freunde – die kenne ich, seitdem ich ein Kind war. Wenn du in der Öffentlichkeit stehst und es gut läuft, dann wollen sich viele mit dir beschäftigen. Da muss man genau hinschauen, wer einem wirklich guttut.

Die meisten Bundesliga-Spiele für den VfL Wolfsburg

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Die VfL-Dauerbrenner in der Bundesliga ©

Die Zeit hat Sie verändert. Was für ein Mensch sind Sie heute?

Ich rede nicht gern über meine Gefühle. Ich würde lieber über die Gefühle von anderen reden und ihnen bei ihren Problemen helfen. Abseits des Fußballs bin ich sehr ruhig und gemütlich. Viele Leute denken auf dem ersten Blick, dass ich sehr extrovertiert bin. Aber so bin ich nicht. Unter Freunden mache ich viele Witze, aber ich bin eher ein introvertierter Typ. Auf dem Platz ist das Gegenteil der Fall – dort laufe ich viel und bin sehr aggressiv.

Wann haben Sie gemerkt, dass sie etwas verändern müssen, um ein erfolgreicher Fußballer zu werden?

Ich glaube, in der Zeit, als ich in die Schweiz zurückgekehrt war. Zuerst wollte ich nicht zurück. Ich dachte, jeder in der Schweiz würde sagen, dass ich gescheitert bin. Ich hatte zu viel Stolz und wollte eigentlich woanders hin wechseln. Aber dann habe ich gesagt: Ich muss alles ändern. Dann habe ich angefangen, mit einem Personal-Trainer zu arbeiten. Seitdem ich mit ihm arbeite, hatte ich keine muskulären Verletzungen mehr. Außerdem bin ich viel schneller geworden, weil ich meine Technik verbessert, Fett verloren und Muskeln aufgebaut habe. Alle zwei bis drei Wochen schaut er für fünf Tage, wie es mir geht.

Wenn Sie eine Sache in Ihrer Fußball-Karriere ändern könnten: Welche wäre es?

Ich würde nichts ändern. Manchmal musst du Fehler machen, um zu lernen. Es ist besser, solche Fehler zu machen, wenn du noch jung bist. Ohne diese Fehler würde ich nicht da sein, wo ich jetzt bin.

"Ich habe den Fans immer gezeigt, dass ich für meine Teamkollegen durchs Feuer gehen würde. "

Nun spielen Sie beim VfL – und haben sich für die Rückennummer 19 entschieden, die Junior Malanda bis zu seinem Tod getragen hatte. Ist Ihnen die Bedeutung dieser Nummer bewusst?

Ich weiß, dass es eine besondere Nummer für die Fans und den VfL Wolfsburg ist. Ich werde alles tun, um diese Nummer gut zu repräsentieren. Ich werde kämpfen und sie mit Respekt behandeln, um zu zeigen, dass ich die „19“ verdient habe.

In Bern waren Sie Publikumsliebling, zweifacher Meister und sogar Spieler des Jahres 2018. Wie können Sie sich beim VfL einbringen?

Natürlich will ich meine persönlichen Statistiken verbessern. Ich hoffe, ich kann in dieser Saison sechs bis acht Vorlagen liefern und vielleicht mehr Tore schießen. Mein großer Traum ist zudem, einer der fünf besten Rechtsverteidiger Europas zu werden. In Bern war ich vor allem Publikumsliebling aufgrund meines Spielstils. Ich habe den Fans immer gezeigt, dass ich für meine Teamkollegen durchs Feuer gehen würde. Das will ich auch den VfL-Anhängern zeigen.

Wie passt Ihr Spielstil in die Bundesliga?

Die Bundesliga ist sehr physisch. Ich bin auch ein Spieler, der seine Stärken in der Physis und in der Geschwindigkeit hat. Ich denke, ich passe sehr gut in diese Liga.

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Was ist mit dieser Mannschaft in der neuen Saison möglich?

Das Ziel sollte es sein, besser als in der vergangenen Spielzeit zu sein. Ich persönlich möchte unter die Top Vier kommen. Ich weiß, dass die Fans sich nach den alten Zeiten sehnen. Ich denke, wir haben das Potenzial, um das zu erreichen.

Was denken Sie über den neuen VfL-Trainer Oliver Glasner?

Ich mag seine Philosophie. Er hat den gleichen Stil, den Adi Hütter in Bern hatte. Ich denke, wir können sehr attraktiven Fußball spielen.

Haben Sie schon Freunde im Team gefunden?

Ich war sehr überrascht über den Empfang meiner Kollegen. Jeder war sehr freundlich zu mir. Nach zwei bis drei Tagen habe ich mich gefühlt, als wenn ich schon immer hier gewesen wäre. Das Team ist sehr jung. Wir haben eine tolle Atmosphäre. Ich habe jetzt natürlich eine starke Verbindung zu den französisch-sprechenden Spielern. Ich hatte zum Beispiel schon tolle Gespräche mit Pavao. Er ist ein super Typ. Aber insgesamt sind alle sehr gut drauf.

Und wie gefällt Ihnen Wolfsburg?

Ich bin etwas herumgelaufen. Es gibt hier tolle Restaurants. Es ist hier ein bisschen wie in Bern: klein und ruhig. Es ist perfekt, um sich voll auf den Fußball zu fokussieren.

Haben Sie schon eine Bleibe gefunden?

Ja. Ich wohne zusammen mit meiner Freundin in einem Haus in Ehmen. Es ist sehr ruhig. Wenn ich nach den Einheiten nach Hause komme, schaue ich viele Serien. So kann ich gut abschalten.

Das klingt, als würden Sie hier Wurzeln schlagen wollen...

Wolfsburg kann mich auf das nächste Level bringen. Wenn der Verein wieder zu alter Stärke zurückfinden könnte, dann kann ich mir gut vorstellen, für eine sehr lange Zeit hier zu bleiben.

Auch, wenn Manchester United anfragt?

(lacht) Dann würde ich vor einer sehr schweren Entscheidung stehen.