30. Dezember 2019 / 10:00 Uhr

VfL-Torhüter Koen Casteels im Interview: "Wolfsburg ist meine Heimat geworden"

VfL-Torhüter Koen Casteels im Interview: "Wolfsburg ist meine Heimat geworden"

Alexander Flohr
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wolfsburg, SPORT, Fußball-Bundesliga, VfL Wolfsburg - SC Paderborn, 31.08.2019, Volkswagen Arena, 1:1, 3.Spieltag, Foto: Boris Baschin
Wolfsburg, SPORT, Fußball-Bundesliga, VfL Wolfsburg - SC Paderborn, 31.08.2019, Volkswagen Arena, 1:1, 3.Spieltag, Foto: Boris Baschin © Boris Baschin
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Im SPORTBUZZER-Interview blickt Wolfsburgs Nummer 1 Koen Casteels auf ein Jahr voller Höhen und Tiefen zurück und spricht über die hinterlassenen Fußstapfen von Diego Benaglio, Wolfsburg als Heimat sowie die Nationalmannschaft.

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Koen Casteels – er ist eine der Konstanten beim Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg. In den vergangenen Jahren hat sich der 27-Jährige zu einem der besten Torhütern in Deutschland entwickelt. Im Dezember hatte er dann seinen Vertrag in Wolfsburg verlängert. Im SPORTBUZZER-Interview mit Sportredakteur Alexander Flohr blickt Wolfsburgs Nummer 1 auf ein Jahr voller Höhen und Tiefen zurück und spricht über die hinterlassenen Fußstapfen von Diego Benaglio, Wolfsburg als Heimat sowie die belgische Nationalmannschaft. 

Herr Casteels, Sie hatten in diesem Jahr zwei schwere Verletzungen – erst eine Muskelverletzung, dann einen Haarriss im Wadenbein. Ihre Schulnote für 2019 dürfte nicht gut ausfallen…

Ich gebe nicht gerne Noten (schmunzelt). Ich hatte zwei größere Verletzungen. Das wünscht man keinem. Das gehört aber leider zum Fußball dazu. Ich hatte davor aber auch fünf Jahre gar nichts. Ich hoffe, dass es damit erst mal vorbei ist und ich im neuen Jahr ohne Verletzungen spielen kann.

Wie ging es Ihnen während dieser Pausen?

Du kannst liegen bleiben und jammern oder du stehst schnell wieder auf und schaust nach vorn. Ich denke, dass man es zu oft vergisst, wenn man gesund ist, wie viel Spaß es macht, ohne Schmerzen zu trainieren und zu spielen. Während der Verletzungen habe ich das schnell schätzen gelernt. Eine schnelle Rückkehr war immer meine Motivation. Ich wollte einfach meine Reha mit einem Lächeln und guter Laune bestreiten.

Das klingt leichter gesagt als getan…

Na ja, du hast ja keine andere Option. Das einzige, was dich positiv stimmen kann, ist der Gedanke an eine schnelle Rückkehr.

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Wie wichtig ist es, in solchen Phasen auch mal auf andere Gedanken zu kommen?

Meine Familie hat mir da schon geholfen. Wenn ich von der Reha nach Hause gekommen bin, dann war das Thema auch beendet und wir haben andere Dinge gemacht. Ich wollte mich mit der Verletzung ja nicht 24 Stunden pro Tag beschäftigen – zumindest nicht mit dem Kopf. Ich habe einen Teil der Reha auch in Belgien gemacht, habe da auch meinen Opa und meine Oma besucht und bin auf andere Gedanken gekommen. Wenn da jeder ständig nachgefragt hätte, dann wäre ich verrückt geworden. Es ist wichtig, dass der Kopf auch mal frei ist. 

Inwieweit hat Sie das Thema Vertragsverlängerung mental beeinflusst?

Gar nicht. Ich habe immer gesagt, dass ich mich hier wohlfühle. Ich habe auch nie gesagt, dass ich woanders hingehen will.

Und trotzdem zogen sich die Verhandlungen in die Länge. Waren Sie im Kopf irgendwann mal weg aus Wolfsburg?

Nein, nie.

Was war am Ende ausschlaggebend für Ihre Verlängerung?

Wie gesagt: Ich fühle mich hier einfach sehr wohl. Diesen Weg, den der Verein geht, will ich mitgehen. Zudem ist Wolfsburg für mich und meine Familie auch unsere Heimat geworden. Wenn wir nach Belgien fahren, fühlt es sich mittlerweile eher an wie Urlaub. Ich könnte hier nicht über Jahre leben, wenn ich mich nicht wohlfühlen würde.

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Einigen Profis ist es in den vergangenen Jahren schwergefallen, sich in Wolfsburg wohlzufühlen…

Für einige ist es vielleicht schwer, weil sie eine große Stadt erwarten oder ein Umfeld, in dem richtig viel lost ist. Wir finden es toll hier – vor allem, weil ich Privates vom Beruflichen trennen kann. Es gibt hier schöne Häuser mit Gärten, wo du deine Ruhe hast. Für mich ist es beeindruckend, wie viele Menschen von VW am Wochenende zu unseren Spielen kommen – und unter der Woche im Werk arbeiten. Wir hatten mal eine Werkstour gemacht und da sieht man, wie die Menschen arbeiten müssen. Da wird man bodenständig.

Sie haben beim VfL bis 2024 unterschrieben – wie sieht Ihr Fünfjahresplan aus?

Den habe ich nicht. Ich hatte aber mal einen Fünfjahresplan und der sah nicht vor, dass ich mal in Deutschland spiele (lacht).

Sondern?

Der Plan war, in Spanien oder in England zu spielen. Ich plane aber nicht mehr so weit im Voraus. Ich will erst mal im nächsten Jahr voll angreifen.

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Damit Sie zum Beispiel mit der belgischen Nationalmannschaft im nächsten Jahr zur Europameisterschaft fahren?

Das ist auf jeden Fall mein Ziel, bei der EM dabei zu sein. Wir wollen dort so weit wie möglich kommen. 

Sie warten immer noch auf Ihr erstes Länderspiel...

... und ich hoffe, dass es bald kommt. Dafür müssen aber meine Leistungen in Wolfsburg gut sein.

Das sind sie doch seit Jahren.

Mehr als das beizubehalten kann ich aber nicht machen. Jetzt liegt es am Trainer, zu entscheiden, ob ich mal ein Spiel bekomme. Ich gebe weiterhin Vollgas.

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Ärgert es Sie, hinter Thibaut Courtois und Simon Mignolet die ewige Nummer 3 bei den Belgiern zu sein?

Nein. Aber jeder Profi hat natürlich den Anspruch, mehr zu wollen. Ich möchte irgendwann einen Schritt nach oben machen. Das kann ich aber, wie gesagt, nicht entscheiden. Ich kann nur hier in Wolfsburg weiter zeigen, was ich drauf habe. 

In diesem Jahr haben Sie ihr 100. Bundesliga-Spiel für den VfL gemacht. Ein gewisser Diego Benaglio stand bei 259 Liga-Spielen. Können Sie in seine Fußstapfen treten?

Ich glaube nicht, dass man das vergleichen muss. Er hat hier sehr lange auf hohem Niveau gespielt. Es wäre schön, wenn ich auch so viele Spiele für den VfL machen könnte. Das würde heißen, dass ich hier auch noch einige Jahre als Nummer 1 spielen werde. Und das ist für mich absolut denkbar. Ich identifiziere mich absolut mit dem Verein.

Seit 2015 spielen Sie beim VfL, haben seither einiges erlebt. In diesem Sommer kam mit Oliver Glasner ein neuer Trainer – und schon wieder musste das Team sich verändern…

Es ist jedem bekannt, dass es im Sommer eine Umstellung gab. Wir haben sehr viel trainiert und seine Vorstellungen gut angenommen. Ich denke, dass unsere Entwicklung unter dem neuen Trainer sehr gut ist. Es gab ein paar Rückschläge, aber das ist normal. Das war im vergangenen Jahr nicht anders – und passiert jeder Mannschaft. Wichtig ist immer, wie man auf solche Phasen reagiert. Unsere Reaktion war positiv.

Mussten Sie ihr Torwartspiel unter Glasner anpassen?

Nein. Es hat sich gar nichts verändert. Ich ziehe mein Ding weiterhin durch – führe aber natürlich die Richtlinien des Trainers aus. Bislang klappt es ja ganz gut… (schmunzelt)

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Zuletzt wurde viel über das System diskutiert. Ist es für einen Torwart egal, ob der Trainer sich für eine Dreier- oder Viererkette hinten entscheidet?

Für mich ist das schon egal. Ich bin ja kein Innenverteidiger. Ich kann sowieso nicht viel ändern, sondern nur meinen Job zwischen den Pfosten erledigen. Das Coachen verändert sich dadurch nur ein wenig, ich versuche, die Verteidiger anders zu positionieren.

In der Liga hat der VfL gerade einmal 18 Gegentore nach 17 Spielen – kein Team kassierte weniger Treffer.

Darüber freue ich mich ganz besonders. Wir haben eine gute Balance zwischen Ballbesitz und einem schnellen Umschaltspiel gefunden.

Mit welchem Gefühl gehen Sie ins neue Jahr?

Mit einem guten Gefühl. Die Stimmung im Team ist weiterhin super. Auf dem Platz sieht man, dass wir versuchen, höher Druck zu machen und schneller nach vorn zu kommen. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg. 

Was wünschen Sie sich persönlich für 2020?

Ich wünsche mir ein gesundes und verletzungsfreies Jahr – das ist für mich nach den beiden Verletzungen wirklich das Allerwichtigste. Ich will in der Europa League weiterkommen und das Niveau, das ich seit Jahren habe, beibehalten – und Kleinigkeiten verbessern.

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