23. Oktober 2021 / 19:45 Uhr

Wolfsburg tiefer in der Krise, van Bommel frustriert: "Hast du Scheiße am Schuh..."

Wolfsburg tiefer in der Krise, van Bommel frustriert: "Hast du Scheiße am Schuh..."

Andreas Pahlmann und Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Frust: Gegen Freiburg kassiert van Bommels VfL das erste Gegentor wieder nach einer Standardsituation.
Frust: Gegen Freiburg kassiert van Bommels VfL das erste Gegentor wieder nach einer Standardsituation. © getty images
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Wieder verloren, wieder von allem zu wenig: Die Krise beim VfL Wolfsburg verschärft sich nach dem 0:2 gegen den SC Freiburg weiter. Trainer Mark van Bommel sagt: "Ich nehme alle Kritik an." Sportdirektor Marcel Schäfer will von einer Trainerdiskussion nichts wissen.

Als der VfL Wolfsburg bis zum Samstag zuletzt mal vier Liga-Spiele nacheinander verloren hatte, das ist neun Jahre und drei Tage her, da hatte am Ende dieser Reihe ein 0:2 gegen Freiburg gestanden, Trainer Felix Magath musste anschließend gehen. Die Geschichte wiederholt sich nun nur in Teilen. Wieder ist ein 0:2 gegen Freiburg die vierte Pleite in Folge, aber so finster die Miene von Manager Jörg Schmadtke auf der Tribüne auch wurde: Ein Trainerwechsel steht aktuell in der VW-Arena nicht an. Er werde sich, so Sportdirektor Marcel Schäfer, "an dieser Diskussion nicht beteiligen". Klingt wie eine Floskel, doch so wie Schäfer und Schmadtke den VfL bisher geführt haben, dürfte sie ernst gemeint gewesen sein.

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Kritik muss sich Trainer Mark van Bommel trotzdem gefallen lassen, denn ganz offenbar bekommt er es weiterhin nicht hin, der Mannschaft so viel defensive Stabilität zu geben, dass das fehlende Offensiv-Glück nicht ganz so schwer wiegt. Dabei war seine Idee, diesmal im 4-3-3-System statt im 4-2-3-1 zu agieren, durchaus wirkungsvoll, der VfL bestimmte über weite Strecken das Spiel, aber Freiburg machte eben aus wenig sehr viel, während Lukas Nmecha nur die Latte traf. "Hast du Scheiße am Schuh, hast du Scheiße am Schuh", fasste van Bommel das Spiel zusammen. Eine treffende Analyse.

Wölfe in Noten: Einzelkritik zum Spiel des VfL Wolfsburg gegen Freiburg

<b>Koen Casteels: </b> Selten geprüft, beim Gegentor machtlos, hat in der ersten Hälfte Glück, dass der Schiri nach Videobeweis keinen Elfmeter gegen ihn gibt. - Note: 3 Zur Galerie
Koen Casteels: Selten geprüft, beim Gegentor machtlos, hat in der ersten Hälfte Glück, dass der Schiri nach Videobeweis keinen Elfmeter gegen ihn gibt. - Note: 3 ©

Nach dem Abpfiff gab es verhaltene "Van-Bommel-raus"-Rufe, von denen der Niederländer sagt, er habe sie nicht gehört, aber es sei normal, dass "diese Emotionen" da sind, denn "alle Fans wollen gewinnen". Kollege Christian Streich, die Mensch gewordene Konstanz auf einem Bundesliga-Trainerstuhl, sprang ihm auf der Pressekonferenz zur Seite: "Man muss die Kirche im Dorf lassen. Wenn 10.300 Leute im Stadion sind und es ist ruhig, weil alle enttäuscht sind, dann rufen vielleicht vier oder fünf Leute irgendeinen Namen. Das sind keine Rufe, das ist ein Ruf von irgendjemanden."

An der Drucksituation für van Bommel und den ganzen VfL ändert das nichts. "Ich nehme alle Kritik an", sagt der Trainer. "Denn wenn du die Spiele nicht gewinnst, bekommst du Kritik." Man habe gegen Freiburg gesehen, "dass die Mannschaft gekämpft hat". Was stimmt - die Defensiv-Leistung im Kollektiv war besser als zuletzt. Aber dann passierte wieder einmal ein Gegentor nach einem Standard. "Und das passiert zu oft in letzter Zeit", so ein sichtlich frustrierter van Bommel. Und vorn? "Uns fehlt dieses Spielglück, dass ein so'n Drecksball auch mal reingeht", fasste es Maximilian Arnold gewohnt prägnant zusammen. Und van Bommel meinte: "Es ist nicht so, dass wir keine Chancen kriegen", aber dass "auch das Quäntchen Glück fehlt", sei eben so, "wenn man einige Spiele nicht gewonnen hat". Scheiße am Schuh eben.

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Zumindest in seinen öffentliche Äußerungen ist nicht zu erkennen, dass van Bommel nun Dinge grundsätzlich anders machen will: "So wie ich das als Spieler gemacht habe, so muss ich auch jetzt meine Mannschaft führen. Dass man immer härter arbeitet, jeden Tag. Dann kommt man auch da raus - und nicht anders." Wenn es "nicht läuft, wie es laufen muss", da helfe es nie, "komische Sachen zu machen". Was das Freiburg-Spiel offenbart habe, sei ein bekanntes Muster: "Wir sind in seiner Situation, dass wir ein Tor kriegen, wenn der Gegner einmal aufs Tor schießt - und wir selbst schießen keines. Da rauszukommen, das ist das Schwierigste." Und dann, als wolle er sich selbst ein bisschen Mut zusprechen, ergänzte er: "Wir kommen da raus. Aber es dauert zu lange."

Jetzt steht ausnahmsweise mal keine englische Woche an, der Wechselfehler beim Pokalspiel in Münster könnte so noch eine sehr gute Seite haben. Arnold: "Es ist vielleicht ganz gut, dass wir jetzt mal eine Woche trainieren können", dann komme vielleicht auch "diese Geilheit gegen den Ball" wieder zurück. Davon war's auch gegen Freiburg wieder in wichtigen Momenten eine Spur zu wenig - und es ist zu befürchten, dass kommenden Samstag in Leverkusen eher mehr davon nötig sein wird. "Wir machen es dem Gegner sehr, sehr einfach, ein Tor gegen uns zu schießen, da versagen wir als Mannschaft." Was bleibt ist Hoffnung auf Besserung durch Arbeit. Kapitän Koen Casteels: "Wir haben mehr Ballbesitz, haben mehr Zweikämpfe gewonnen. Aber am Ende steht’s 0:2. Wir sind in einer Spirale, da wollen wir so schnell wie möglich raus. Das geht nicht, indem man mit dem Finger schnipst."

Der VfL Wolfsburg gegen Freiburg - Die Bilder

John Anthony Brooks (l) gegen Freiburgs Lucas Höler. Zur Galerie
John Anthony Brooks (l) gegen Freiburgs Lucas Höler. ©

Die VfL-Anhänger hatten während des Spiels "Wir wollen euch kämpfen sehen" gesungen, was verständlich war, aber nicht den Kern des Problems trifft. Sportdirekor Schäfer bei Sky: "Ich glaube schon, dass die Mannschaft gekämpft hat heute", aber "der Funke muss von uns auf die Fans überspringen, da müssen wir ein bisschen mehr tun, wir sind gefordert, eine Reaktion zu zeigen." Das Spiel nach vorn war engagiert, ein Tor wollte dennoch nicht gelingen. "Man hat schon erkannt, was wir wollten", so Schäfer, es war "wichtig, defensive Stabilität zu haben". Vorn müsse man "die Dinge auch mal erzwingen, wir hatten Chancen, haben sie nicht genutzt, das müssen wir uns ankreiden". Für besonderen Frust sorgte das erste Gegentor: "Standard-Gegentore ziehen sich seit Wochen durch."

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