05. März 2022 / 19:16 Uhr

Wolfsburgs Kruse nach dem Wiedersehen: "Haben die komplette zweite Halbzeit keinen Fußball gespielt!"

Wolfsburgs Kruse nach dem Wiedersehen: "Haben die komplette zweite Halbzeit keinen Fußball gespielt!"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
In der zweiten Halbzeit in der Defensive: Max Kruse und der VfL Wolfsburg.
In der zweiten Halbzeit in der Defensive: Max Kruse und der VfL Wolfsburg. © dpa
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Ein 1:0-Sieg mit dem VfL Wolfsburg gegen seinen Ex-Klub Union Berlin - Max Kruse freute sich über das Wiedersehen und den Spielausgang, nicht aber über die Leistung seines Teams nach der Pause.

Für Max Kruse blieb am Ende dann doch nur eine Nebenrolle. Ausgerechnet beim Duell mit seinem Ex-Klub Union Berlin zeigte der Angreifer seine unauffälligste Leistung seit der Rückkehr zu den Niedersachsen. Die Hauptrolle hatte sein einstiger Sturmpartner - Taiwo Awoniyi. Der hatte den Ball nach einer scharf getretenen Maximilian-Arnold-Ecke ins eigene Netz befödert und damit für den 1:0-(1:0)-Sieg für Kruses neue Mannschaft gesorgt.

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15.800 Zuschauende waren da, davon gut 2000 aus Berlin - und von denen gab's reichlich Pfiffe für Kruse, der Ende Januar von der Hauptstadt an den Mittellandkanal gewechselt war. Kruse hatte für Union in 38 Bundesliga-Spielen 16 Tore erzielt, ist damit der Top-Torschütze in der kurzen Erstliga-Geschichte der „Eisernen". Und es war vor allem seine Abschlussstärke, die Union in der VW-Arena schmerzlich vermisste. Denn in der zweiten Halbzeit erarbeiteten sich die Berliner gegen einen immer mehr schwächelnden VfL Chance um Chance - ohne zählbaren Erfolg.

Und genau das sprach Kruse in gewohntem Klartext nach dem Abpfiff an. "Wir haben die komplette zweite Halbzeit kein Fußball gespielt. Wir haben nur versucht zu verteidigen, haben zu viele Situationen zugelassen. Ich weiß nicht, wie oft ein Unioner frei stand. Wir haben einfach Glück gehabt, dass die das Ding nicht nicht reingemacht haben - beziehungsweise ins eigene Tor gemacht haben. Da war das Glück auf unserer Seite, das bessere Team waren wir heute nicht."

Wölfe in Noten: Einzelkritik zum Spiel des VfL Wolfsburg gege Union

<b>Koen Casteels: </b>Hatte nicht besonders viel zu tun, aber wenn er gebraucht wurde, war er da. Nach einer knappen Viertelstunde mit starker Parade aus kurzer Distanz. Nach einer Stunde noch eine Glanztat. - Note: 2 Zur Galerie
Koen Casteels: Hatte nicht besonders viel zu tun, aber wenn er gebraucht wurde, war er da. Nach einer knappen Viertelstunde mit starker Parade aus kurzer Distanz. Nach einer Stunde noch eine Glanztat. - Note: 2 ©

Wichtiger aber: Für den VfL war der am Ende glückliche Sieg ein ganz wichtiger Schritt in Richtung Tabellenmittelfeld. Wolfsburg bleibt zwar Zwölfter, hat jetzt aber acht Punkte Vorsprung auf Unions Stadtrivalen Hertha, der nach einem 1:4 gegen Frankfurt auf Relegationsplatz 16 bleibt. Kruse: "Wir haben seitdem ich hier bin von fünf Spielen eines verloren. Das ist erst einmal das Positive. Wir können das besser gestalten; wichtig ist, dass wir uns Selbstvertrauen holen, dass wir auch solche Spiele gewinnen - und dass wir wissen, dass wir auch solche Spiele gewinnen können."

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Unterm Strich waren natürlich die Punkte wichtiger - auch für Kruse: "Wir haben gehofft, es souveräner gestalten zu können. Wer die letzten zwei Jahre von Union verfolgt hat - und ich war live dabei -, der weiß, dass kein Spiel gegen sie leicht zu spielen ist. Egal, in welcher Situation man sich befindet."

Und wie war das Wiedersehen mit dem Ex-Klub? "Mit den ehemaligen Kollegen ist der Kontakt immer noch gut, da kommt natürlich ein Lächeln am Anfang des Spiels, im Spiel vergisst man das dann", sagte er am NDR-Mikrofon. Mit Urs Fischer hatte er nach seinem Wechsel öffentlich Meinungsverschiedenheiten ausgetragen, der Union-Coach kündigte an, nach der Partie mit seinem Ex-Spieler mal reden zu wollen. Dazu gekommen ist es noch nicht. Kruse: "Der Trainer ist eben ein bisschen wortlos an mit vorbei gegangen, vielleicht hat er mich nicht gesehen, das ist aber in Ordnung. "

VfL Wolfsburg gegen Union Berlin - Die Bilder

Der Mittelkreis wurde zum Peace-Zeichen. Zur Galerie
Der Mittelkreis wurde zum Peace-Zeichen. ©

Trotz des Glücks, das der VfL nach Pause brauchte, nahm VfL-Trainer Florian Kohfeldt aus dem knappen Erfolg eine Erkenntnis mit: "Ich bin mir sehr sicher, dass wir vor ein paar Wochen dieses Spiel nicht gewonnen hätten. Es war aufgrund der zweiten Halbzeit ein glücklicher Heimsieg." Vor der Pause seien genug Chancen dagewesen, um mit 2:0 in die Halbzeit zu gehen, aber "in der zweiten Hälfte war Union die klar bessere Mannschaft".

Was Mut mache, sei weiter "der grundsätzliche Weg", den die Mannschaft in den letzten Spielen gegangen sein. Aber auch, wenn es in der Tabelle etwas freundlicher aussieht, stellt Kohfeldt deutlich fest: "Nichts ist vorbei. Wir brauchen noch Punkte." Und das nun zunächst einmal gegen Gegner, gegen die es mindestens so anspruchsvoll wird wie gegen Union: Am kommenden Samstag geht's nach Freiburg, danach ist Bayer Leverkusen in der VW-Arena zu Gast.

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